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Nostalgie-Dampfer in Arnis : Landgang für „Alexandra“ und „Wappen von Schleswig“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Betagt, aber nicht krank: Die Fahrgastschiffe „Alexandra“ und „Wappen von Schleswig“ unterziehen sich in Arnis einer routinemäßigen Schönheitskur. Die beiden Veteranen auf dem Wasser verkörpern zusammen rund 200 Jahre Seefahrtsgeschichte.

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erstellt am 25.Okt.2013 | 07:30 Uhr

„Dieses Zusammentreffen hat es noch nie gegeben, und es wird sich auch nicht wiederholen.“ Das sagten gestern unisono die Kapitäne Stefan Nelius vom Fahrgastschiff „Wappen von Schleswig“ und Wolfgang Weyhausen vom Flensburger Traditionsschiff „Alexandra“. Gemeinsam spiegeln diese Oldie-Schiffe eine fast 200-jährige bewegte und bewegende Seefahrtsgeschichte wider. Sie sind trotz ihres hohen Alters keineswegs krank. Gegenwärtig werden sie auf der Arnisser Werft Otto Eberhardt – fast nebeneinander liegend – einer routinemäßigen „Schönheitskur“ unterzogen. Dazu gehört vor allem eine neue Anti-Fouling-Schicht samt Zinkschutz an den Unterwasser-Schiffskörpern beider Veteranen.

Ständig sind sie auch in diesem Jahr im touristischen Einsatz gewesen. Nach den Worten von Kapitän Nelius war das „maritime Schleswiger Wappen“ – einst unter dem Namen „Bär von Berlin“ auf der Spree unterwegs – von Ostern bis in den September hinein an 180 Betriebstagen auf der Schlei zwischen Schleswig und Schleimünde im Einsatz. An Bord kamen rund 20.000 Passagiere, zu 80 Prozent Stammgäste.

Das schwimmende Flensburger Wahrzeichen, seit dem Baujahr 1908 in der Förderstadt liebevoll „Alex“ genannt wird, beförderte laut Weyhausen in der Saison 2013 etwa 6000 Passagiere. Es hätten weit mehr sein können, wäre da nicht im Frühjahr ein 40.000 Euro teurer Schaden am Dampfkessel entstanden, ein Riss im sogenannten „Dom“, der als Dampfverteiler funktioniert. „Wir konnten infolge der Reparaturarbeiten erst zur Kieler Woche starten“, sagt der „Alex“-Kapitän. Jetzt in Arnis musste noch eine Scheuerleiste am Vorderschiff erneuert werden.

Beide Oldtimer haben sich besonders gegen Ende des Zweiten Weltkriegs bewährt. Die „Wappen von Schleswig“, 1926 in Königsberg von der damaligen „Unions-Gießerei“ als Fahrgast- und Schleppdampfer gebaut, brachte 1945 rund 250 Flüchtlinge aus dem Osten nach Lübeck. Die „Alexandra“, heute der letzte seegehende Passagierdampfer in Deutschland, diente in Kriegszeiten erst als Lotsenversetzschiff, dann als Taucherfahrzeug und Torpedofangboot in der Danziger Bucht. Kurz vor der Kapitulation nahm die „Alex“ Heimatlose aus dem evakuierten Königsberg auf und transportierte sie nach Gotenhafen, dem heutigen Gdynia, wo sie Aufnahme an Bord der „Wilhelm Gustloff“ fanden. Dass diese Form der Hilfe in einer Tragödie enden würde, hätte damals niemand für möglich gehalten. In den letzten Kriegstagen rettete sich die „Alex“ mit 150 Flüchtlingen nach Schleswig-Holstein. Zu den Tiefpunkten im Schiffsdasein dieses 105 Jahre alten Methusalems gehörten jene Nachkriegstage, als die Engländer als Besatzungsmacht eine Verschrottung verlangten. Doch in dieser Krisensituation schafften es die „Alex“-Maschinisten, die Vernichtung dieses Dampfers zu verhindern.

Beide Schiffe haben über Generationen hinweg ihre Bedeutung als technische – und noch intakte – Denkmale behalten. Sie sind weder aus dem Flensburger Museumshafen noch von der Schleswiger Hafenpier wegzudenken. Erst einmal fallen sie in wenigen Tagen in den verdienten Winterschlaf.



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