ZDF stellt Serie ein : Landarzt-Notstand erreicht Deekelsen

Walter Plathe als Landarzt Dr. Teschner (rechts) vor der Praxis mit Pastor Eckholm, gespielt von Heinz Reincke.  Foto: ZDF/Martina Raddatz
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Walter Plathe als Landarzt Dr. Teschner (rechts) vor der Praxis mit Pastor Eckholm, gespielt von Heinz Reincke. Foto: ZDF/Martina Raddatz

ZDF bestätigt Serien-Aus nach 25 Jahren / Sender will Platz für neue Formate schaffen / Letzte Folgen werden 2013 ausgestrahlt

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05. Oktober 2012, 07:58 Uhr

Kappeln | Schock für alle Landarzt-Fans: Am 3. Oktober - dem Tag der Deutschen Einheit und somit einem Feiertag - gab die Novafilm Fernsehproduktion Berlin das Serien-Aus bekannt. Auf der Internetplattform Facebook postete das Unternehmen: "Cut! Der Landarzt ist abgedreht. Für immer." Auf dem Abschlussfest für die 22. Staffel habe man sich von dem "tollen Team" verabschieden müssen. Im 25. Ausstrahlungsjahr hat das ZDF die Serie abgesetzt. Davon erfuhr auch Novafilm kurzfristig. "Unser Dank gilt allen, die ihren Teil dazu beigetragen haben, dass ,Der Landarzt’ in dieser Qualität hergestellt werden konnte und den vielen Millionen Menschen, die das Programm mit Freude einschalten." Die letzten Folgen der Kult-Serie werden im kommenden Jahr ausgestrahlt.

Erst vor wenigen Wochen startete die neue Staffel der beliebten Arztserie im Fernsehen, die im Durchschnitt laut ZDF etwa 4,5 Millionen Zuschauer sahen. Warum jetzt das plötzliche Serien-Aus? "Das ZDF wird im Rahmen der kontinuierlichen Programmerneuerung die Vorabendserie Der Landarzt’ nicht fortsetzen. Darüber wurde die betreffende Produktionsfirma bereits informiert", gab Iris Käsche von der Pressestelle jetzt bekannt. "Für den Sendeplatz am Freitagabend um 19.25 Uhr werden neue Formatideen entwickelt. Zur kontinuierlichen Modernisierung eines TV-Programms gehört auch der gelegentliche Abschied von lang laufenden Formaten. Sonst gäbe es keine Sendeplätze für Neuentwicklungen", so Käsche weiter.

Das Team in Kappeln jedenfalls staunte am Dienstag nicht schlecht, als im Rahmen der Abschlussfeier zum Ende der 22. Staffel das endgültige Aus verkündet wurde. Mit 25 Jahren gehört "Der Landarzt" zu den ältesten Serien im deutschen Fernsehen. Kaum jemand am Set konnte die Entscheidung des ZDF verstehen. Der Sender war schon in der Vergangenheit durch Reglementierungen rund um die Dreharbeiten aufgefallen. In den vergangenen vier Jahren wurden die Dreharbeiten für Journalisten abgeschirmt. Nur einmal im Jahr wurden Pressevertreter kollektiv ans Set gelassen, um Fotos zu schießen und Interviews zu führen. Das war zu Zeiten von Christian Quadflieg (Landarzt von 1987-1992) und Walter Plathe (Landarzt von 1992 bis 2008) anders.

Seit des Einstiegs von Wayne Carpendale im Jahr 2008 hat sich nicht nur vom Inhalt eine Menge geändert. Auch die Arbeitsweise am Set soll sich stark verändert haben. Hauptdarsteller Wayne Carpendale veröffentlichte im Netzwerk Facebook: "Ich muss Euch leider sagen, dass ich am Montagabend meine letzte Szene als Dr. Jan Bergmann gespielt habe. Der Sender hat sich entschieden, den Landarzt nicht fortzusetzen. Es waren fünf wunderschöne Jahre mit einem besonderen Team und tollen Fans. Dafür ein riesen fettes DANKE!"

Damit waren viele Facebook-Nutzer besser informiert, als die Ansprechpartner für die Presse. Karin Jensen von der zuständigen Hamburger Presseagentur a+o wurde gestern nicht von offizieller Stelle, sondern von einer Journalistin auf das Ende des Landarztes aufmerksam gemacht und ist dementsprechend unzufrieden. So eine schlechte Kommunikation habe sie bisher noch nie bei einem öffentlich-rechtlichen Sender erlebt, sagte sie. Und auch die Pressestelle des ZDF war erst spät auf dem neuesten Stand. Noch am Dienstag wurde eine Nachfrage unserer Zeitung nach dem Fortbestand der Serie von dort bejaht; die Nachricht des Serien-Endes drang offenbar erst später zu der Pressestelle durch.

Bürgermeister Heiko Traulsen erhielt die Nachricht auch nicht vom ZDF, sondern von der Produktionsfirma. Er versteht nicht warum die Sendung trotz guter Zuschauerquoten eingestellt werden soll. "Ich befürchte eindeutige Nachwirkungen auf den Tourismus." Traulsen hat daher Ministerpräsident Torsten Albig um Hilfe gebeten. "Man fühlt sich so machtlos. Die Entscheidungen werden in 700 Kilometer Entfernung getroffen und wir erhalten sie aus zweiter Hand." Doch will Traulsen bei diesem Abspann nicht einfach nur zusehen, sondern etwas dagegen tun: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."

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