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Vernässung der Noorwiesen : Lagunen-Idee: Kein Arnisser Alleingang

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Auf das Nein aus Grödersby folgen Erleichterung und Bedauern in Deutschlands kleinster Stadt. Bürgerbefragung könnte „zumindest Signal“ senden.

Teils mit Bedauern, größtenteils mit Erleichterung haben die Arnisser Bürger die Grödersbyer Entscheidung in Sachen Lagune zur Kenntnis genommen. Die dortige Absage an die große Projektidee der Vernässung der sogenannten Noorwiesen, die zu beiden Kommunen gehören, bedeutet auch für Arnis, dass ohne Votum der Stadtvertretung eine wichtige Vorentscheidung getroffen worden ist. Das kleine Stadtgebiet wird aller Voraussicht nach den Status einer Halbinsel behalten. „Wir retten damit unsere Heimat“, erklärt SSW-Stadtvertreter Walter Timm. „Die feuchten Flächen, auf denen wir als Kinder Räuber und Gendarm gespielt haben, werden also nicht geflutet.“

Aus der Historie wissen die Einheimischen, dass Arnis keine Halbinsel, sondern ein einsames Eiland in der Schlei war, als dort 1666 die ersten Siedler anlandeten: 64 Familien aus Kappeln, die auf diese Weise der drohenden Leibeigenschaft des Gutsherrn von Roest entkamen. Diese „Stunde Null“ liegt folglich 2016 genau 350 Jahre zurück – ein stolzes Jubiläum bahnt sich an. Erst Ende des 18. Jahrhunderts entstand ein erster Damm zum Festland, eine Aufschüttung vom Kirchplatz aus zum Grödersbyer Ufer. Rund 70 Jahre später wurde ein neuer Chausseedamm gebaut, der bis heute die Verkehrsader zur Schleistadt geblieben ist. Aus den Niederungen zwischen beiden Dämmen vertrieben die damals Verantwortlichen die Schlei, sodass das weitgehend trockengelegte Areal die Insel in eine Halbinsel verwandelte. Bis heute vertreten viele alteingesessene Arnisser die Auffassung, dass dieses einst der Schlei von Menschenhand abgerungene Wiesenland – ein wichtiger Lebensraum für Vögel und Insekten – nicht wieder zurückgegeben werden dürfe.

Nach den Worten von Walter Timm hat die dreiköpfige SSW-Fraktion von Anfang an der Lagunen-Idee keine Chancen eingeräumt. „Wir sind jetzt froh, dass wir in Arnis nicht als die Buhmänner für das Scheitern dieses Projektes gelten“, sagte er.

Stadtvertreter Hans-Joachim Schock, Vorsitzender des Arnisser Touristikausschusses, hingegen zeigt sich „tief enttäuscht“ von diesem frühzeitigen Aus. Die Möglichkeit für die Schleistadt, in einem Alleingang eine Wende herbeizuführen, hält er für unwahrscheinlich. „Aber ich plädiere dafür, dass die geplante Bürgerbefragung in Arnis trotz allem stattfindet.“ Erst danach sei erkennbar, „wie die Bürger wirklich denken“. Im Falle einer mehrheitlichen Zustimmung hätte laut Schock die Stadtvertretung zumindest noch „ein Signal für Grödersby“ in der Hand. Ob sich in dieser Sache noch eine Alternative anböte, müssten die Verantwortlichen des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege überprüfen, ergänzte Schock.

Bürgermeister Bernd Kugler befindet sich derzeit in Urlaub, sodass er sich nach Wiederaufnahme seines Dienstes in dieser Angelegenheit zu Wort melden wird. Der Bürger Dr. Karl H. Nachtigall, einer der erklärten Gegner der Lagunen-Idee, begrüßt das Grödersbyer Votum mit den Worten: „Gott sei Dank!“ Jetzt habe das Vorhaben keine Aussicht auf Erfolg mehr. Nachtigall, der früher als Experte im Landesdienst für die Bewertung von wirtschaftlichen Planvorhaben tätig war, spricht „aus Lebenserfahrung“ eine Vermutung aus: Danach sei nicht auszuschließen, dass auswärtige Investoren in den Grödersbyer Niederungen den Bau einer großen Feriensiedlung anstrebten – wassernah gelegen hinter dem neuen Deich, der das Überflutungsgebiet abschotten würde. Derartigen Gelüste von gierigen Geldmachern sei zum Glück Einhalt geboten worden.

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