Jazz-Club Kappeln : Kurz vor der Auflösung

Das Saxophon wird 200. Im Badischen Landesmuseum im Karlsruher Schloss ist ein Saxophon aus der Werkstatt von Adolphe Sax ausgestellt.

Der Kappelner Jazz-Club „Jazz oder nie“ zweifelt an einer realistischen Zukunft für sich selber. Der Verein geht zum Jahresende in die sogenannte inaktive Phase über – die Vorstufe zur Auflösung.

shz.de von
07. Mai 2015, 07:30 Uhr

Es hat ganz den Anschein, als würde die Stadt Kappeln in absehbarer Zeit ein Stück Kulturgut einbüßen. Mit dem Jazz-Club „Jazz oder nie“ denkt ein seit vielen Jahren tätiger Verein laut darüber nach, sich aufzulösen. Kein Nachwuchs für den Vorstand, immer weniger Besucher bei Konzerten, vor allem aber keine spürbare Unterstützung und Anerkennung in der Stadt stehen auf der Liste der Gründe, die den Club-Vorsitzenden Gerd Heiselmeier anlässlich der gestrigen Jahresversammlung zu einer eindeutigen Aussage veranlassten: „So hat der Club keine Zukunft in Kappeln.“

Schon im vergangenen Jahr hatte Heiselmeier angekündigt, nach 20 Jahren an der Spitze des Zusammenschlusses sein Amt zum Ende dieses Jahres niederzulegen. Jetzt, so teilte er seinen Mitgliedern mit, habe sich herausgestellt, dass mit ihm der gesamte Vorstand aufhören wolle – „das bedeutet, dass wir uns zum 1. Januar 2016 einen komplett neuen Vorstand suchen müssen“. Einzelne Vorschläge habe es zwar gegeben, ernsthaft dafür entschieden habe sich jedoch keiner.

Was dann folgte, kann man wohl getrost als kritischen Rundumschlag bezeichnen: Heiselmeier führte aus, dass der Club in seiner 20-jährigen Geschichte von keinem einzigen Kappelner Kaufmann unterstützt worden sei. Selbst beim Schleswig-Holstein Amateur-Jazz-Festival, das der Club 2011 mit gut 120 Musikern ausrichtete, habe sich kein ortsansässiger Sponsor gefunden. Heiselmeier deutete dieses Vorgehen so: „Anscheinend gehört Jazz in Kappeln nicht zur Kultur.“ Irritiert habe ihn zudem eine Anfrage des Rotary-Clubs, der den Jazz-Club darum gebeten habe, eine Rotary-Jazz-Veranstaltung zu bewerben. „Aus Wettbewerbsgründen habe ich erklärt, ich könne diesem Wunsch nicht folgen“, sagte Heiselmeier. Auf seinen Gegenvorschlag, die Rotarier mögen ein Jazz-Club-Konzert sponsern, sämtliche Gewinne würden an die Rotarier fallen, habe er bis heute keine Antwort erhalten.

Ganz nebenbei leidet der Jazz-Club unter den Krankheiten, die etlichen Vereinen zu schaffen machen: Die Mitgliederzahlen sind rückläufig, gleiches gilt für die Besucherzahlen bei Konzerten, parallel dazu steigen die Gagenforderungen der Künstler. Zudem kann der Club die Saalmiete für die Koslowski-Halle nicht mehr wuppen. Heiselmeier: „Die Koslowski-Halle ist für uns finanziell nicht mehr tragbar.“

Trotzdem strebt der Vorstand eine Vereinsauflösung – noch – nicht an. Was Gerd Heiselmeier vorstellte und als „Rettungsanker“ bezeichnete, war die sogenannte inaktive Phase, in die der Club mit Jahresbeginn 2016 eintritt. Auf diese Weise bleibe der Verein samt Vorstand zunächst erhalten, trete jedoch nicht mehr als Veranstalter auf und ziehe auch keine Mitgliedsbeiträge mehr ein. Diese inaktive Phase soll längstens zwölf Monate andauern. „Diese Zeit wollen wir nutzen, um entweder in Ruhe etwas Neues aufzubauen oder die Auflösung vorzubereiten“, sagte Heiselmeier. Die Mitglieder folgten seinem Vorschlag, der auch eine Satzungsänderung beinhaltete, einstimmig. Endgültiger Stichtag ist also der 31. Dezember 2016.

Bis dahin will der Club zumindest in diesem Jahr noch einiges auf die Beine stellen: Im Juni steht ein Konzert mit Abbi Hübner an, im Juli mit der „Boogie Connection“, im August soll die „Riverboat Shuffle“ mit gleich zwei Bands steigen. Gerade die „Riverboat Shuffle“ konnte im vergangenen Jahr mit 135 Gästen als Erfolg gelten, der Auftritt der „Stoker Jazzband“ im vergangenen Juli brachte jedoch mit 45 Zuhörern einen Negativrekord. Auch deshalb überstiegen die Ausgaben des zurückliegenden Jahres mit gut 4600 Euro die Einnahmen von 3445 Euro. Ungeachtet dessen verfügt der Club über einen Kassenbestand von gut 3500 Euro.

Übrigens: Die Band „Jazz oder nie“ bleibt von sämtlichen potenziellen Auflösungserscheinungen unberührt. Die Musiker wollen weitermachen – und so die Stadt vielleicht auch ohne den Club weiter zum Jazzen bringen.

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