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Kunsthaus Hänisch : Kunsthaus verliert seine kreative Kraft

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die künstlerische Leiterin Dr. Christina Kohla verlässt nach sechs Jahren die Einrichtung. Der Verein will ihre Stelle nicht neu besetzen.

Als das Kunsthaus Hänisch im Herbst 2008 damit begann, sich die schleswig-holsteinische Kunstszene zu erobern, ist Dr. Christina Kohla schnell vorneweg geschritten – zu Beginn mit dem damaligen Leiter des Flensburger Museumsberges, Professor Dr. Ulrich Schulte-Wülwer, später allein als künstlerische Leiterin des Kunsthauses. Zum Jahresende wird sie diese Position nun nicht mehr ausüben – „im beiderseitigen Einvernehmen“, wie es im Schreiben heißt, das der Vorstand des Kunsthaus-Vereins in diesen Tagen an seine Mitglieder verschickt hat. Die genauen Gründen bleiben darin jedoch im Unklaren. Vor Christina Kohla, vor allem aber vor dem Kunsthaus liegt damit so etwas wie eine neue Ära, zumal das Kunsthaus ohne eigene künstlerische Leitung in das neue Jahr gehen will.

Von Anfang an war Christina Kohla als, so formuliert es der Vorstand, „freiberufliche Auftragnehmerin“ für das Kunsthaus tätig, und die Verantwortlichen wissen um ihr Tun. Harry Detlefsen, zweiter Vorsitzender, sagt etwa: „Die Bedeutung, die das Haus in den vergangenen Jahren erlangt hat, ist ihr zuzuschreiben.“ Gleichzeitig betont er, dass der Vorstand im Ende der Zusammenarbeit „nichts Außergewöhnliches“ erkenne. Auch Beisitzer Jens Burkart sagt: „Wir empfinden es als ganz normalen Vorgang, wenn man sich nach sechs engagierten Jahren trennt.“ Die Planung für das Jahr 2015 habe Kohla dem Verein übergeben, und ihre Arbeit wollen die Vorstandsmitglieder unter sich aufteilen, sich, falls erforderlich, externe Hilfe holen. Burkart sagt: „Es ist sicher viel Arbeit, und vielleicht müssen wir auch mehr Mitglieder einbinden. Aber man muss nicht für alles ein Kunsthistoriker sein, es gibt auch einfach viel an Organisatorischem zu leisten.“ Auch darüber wie die Hilfe von außen aussehen kann, hat sich der Vorstand Gedanken gemacht. „Sie könnte darin bestehen, bereits fertig kuratierte Ausstellungen zu übernehmen“, sagt Burkart. Ganz ähnlich sei das bereits bei der Marc-Chagall-Schau geschehen. Auf jeden Fall möchte der Vorstand eines: „Wir wollen die Qualität des Kunsthauses halten“, sagt Burkart. „Und das trauen wir uns auch zu. Es wird anders laufen, aber wir haben keine Angst unterzugehen.“

Gleichwohl steht bereits fest, dass mit dem neuen Jahr eine Sache nicht weiter verfolgt werden kann: die enge Zusammenarbeit mit der Klaus-Harms-Schule. In der Vergangenheit haben die Gymnasiasten im Kunsthaus ausstellen dürfen, haben mit Christina Kohla auch selber eine ganze Ausstellung erarbeitet. Jens Burkart stellt klar: „Wir können keine Museumspädagogik wie Christina Kohla leisten, also müssen wir das nach hinten schieben.“ Unabhängig davon aber soll das Kunsthaus Hänisch das bleiben, was es bislang war. Harry Detlefsen umschreibt das so: „Hildegard Hänisch ist es, die uns alle bindet. Ihre Idee vereint uns immer wieder, und so soll es auch bleiben.“ Und doch weiß der Vorstand um die neue Herausforderung, vor der er spätestens mit Beginn des neuen Jahres steht. Detlefsen betont: „Wir sind aber willens und in der Lage weiterzumachen.“ Ohnehin habe man im Laufe der zurückliegenden sechs Jahre viel über einen Bereich gelernt, in dem sich jeder zuvor als Laie bezeichnet habe.

Mit Christina Kohla verlässt indes die einzige Expertin mit kunsthistorischen Kenntnissen das Haus. Sie sagt: „Ich hätte mir eine Zukunft mit dem Kunsthaus gewünscht und bedaure die Entwicklung sehr, auch wenn ich sie natürlich akzeptiere.“ Inzwischen habe sie viele Anrufe erhalten, bei denen Menschen ihr Bedauern über die Entwicklung zum Ausdruck gebracht hätten.

In der Vergangenheit war häufig sie es, die die Verbindungen mit potenziell ausstellenden Künstlern aufgebaut hat, der Vorstand ist zuversichtlich, diese Nahtstellen bewahren zu können. Jens Burkart sagt: „Es kann einfach nicht angehen, dass das Gebilde jetzt kaputtgeht. Dafür sind einfach zu viele Menschen involviert.“

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erstellt am 23.Sep.2014 | 12:02 Uhr

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