Kunsthaus Hänisch in Kappeln : Kunsthaus setzt auf die Jugend

Neue Rollen im Vorstand: Thora Bernstorff, Kristin Sackschewski und Silke Hillmann (v.li.).
Neue Rollen im Vorstand: Thora Bernstorff, Kristin Sackschewski und Silke Hillmann (v.li.).

Die Einrichtung in der Schmiedestraße will die Kreativität der Schüler intensiver nutzen und sich so eine neue Zielgruppe eröffnen.

shz.de von
29. Mai 2018, 07:00 Uhr

Der Verein Kunsthaus Hänisch blickt zwar recht zufrieden auf das Jahr 2017 zurück, gleichzeitig ist den Verantwortlichen durchaus bewusst, dass sie sich kaum auf dem ausruhen können, was in der Vergangenheit gut geklappt hat. Nach wie vor ist der Verein finanziell nicht auf Rosen gebettet, ungeachtet dessen sind Vorstand und künstlerische Leitung gleichermaßen gewillt, Neues zu probieren und Unbekanntes zu wagen. Das zeigte sich in einem Gespräch im Nachgang zur Jahresversammlung des Vereins.

Vier Schauen hat der Kunsthaus-Verein im vergangenen Jahr auf die Beine gestellt: eine Retrospektive von Birgitt Bolsmann, Sofortbild-Fotografie von sieben unterschiedlichen Künstlern, den Norddeutschen Realisten Frank Suplie (die erfolgreichste Ausstellung des Jahres, was die Besucherzahlen angeht) und Druckgrafiken von Künstlern aus Schleswig-Holstein und Wales. Vorstandsmitglied Kristin Sackschewski fasst das so zusammen: „Wir haben Vielfalt gezeigt – sowohl was die Kunst an sich als auch was die Künstler betraf.“ Auf dem richtigen Weg sehen sich die Verantwortlichen zudem mit ihren „Previews“, die Mitgliedern vorbehalten sind und die bereits vor den eigentlichen Vernissagen die Chance bieten, Künstler und Werk im kleinen Kreis kennen zu lernen. Auch die neu eingeführten Künstlergespräche im Rahmen einer Ausstellung würden gut angenommen und einen unmittelbaren Kontakt mit den Machern hinter der Kunst erlauben.

Mit Beginn dieses Jahres hat das Kunsthaus die Zusammenarbeit mit der Klaus-Harms-Schule wieder aufleben lassen – und intensiviert: Eine Ausstellung über Märchen und Mythen, die in der alten Stadtvilla in der Schmiedestraße ihren Anfang nahm, wurde vor Kurzem in der Nikolaikirche fortgesetzt. Und Sackscheswki sagt: „Die jungen Leute helfen uns mit ihren kreativen Ideen, und sie eröffnen uns eine neue Zielgruppe.“

Eben diese Besucher sind es nämlich, auf die das Kunsthaus – neben seinen Mitgliedern und seinen Förderern, daraus macht der Vorsitzende Jörg Haasters kein Geheimnis – angewiesen ist. Haasters sagt: „Unsere Mitgliedern und unsere Sponsoren halten uns am Leben. Gleiches gilt für unsere Besucherzahlen.“ Natürlich kostet die Position der künstlerischen Leitung Geld, und die fehlenden Einnahmen nennt Schatzmeister Jürgen Brand „ein Problem“. Aber Brand sagt auch: „Wir brauchen die Professionalität an dieser Stelle. Damit einher gehen ein Netzwerk und eine Kreativität, über das und die wir als ehrenamtlicher Vorstand gar nicht verfügen.“

Diese Kreativität soll sich auch in diesem Jahr zeigen: Aktuell läuft die Ausstellung des Plein-Air-Malers Christopher Lehmpfuhl, für den Sommer ist die große Schau mit Zeichnungen von Hans-Ruprecht Leiß geplant, den Schlusspunkt setzt eine Jubiläumsausstellung zum zehnten Geburtstag des Kunsthauses im Herbst. Im Rahmen der Lehmpfuhl-Ausstellungen ist nun unter anderem eine Exkursion nach Gottorf geplant, wo Lehmpfuhls Lehrer Klaus Fußmann derzeit zu sehen ist. Und anlässlich des zehnjährigen Bestehens sollen Kunsthaus-Besucher Gelegenheit haben, einen Ausschnitt aus der zurückliegenden Dekade zu erleben und die Geschichte des Hauses so Revue passieren zu lassen. Zwischendrin werden wohl auch, so der Plan, im Reetdorf Nieby Bilder der jeweils aktuellen Ausstellung hängen. Das Ferienresort an der Ostsee hat sich, neben dem unmittelbaren Naturerlebnis, bewusst für einen künstlerischen Schwerpunkt entschieden.

Verändert hat sich auch der Vorstand: Die bisherige stellvertretende Vorsitzende Angeline Schube-Focke, gleichzeitig Kuratorin des Hauses, hat ihren Vorstandsposten niedergelegt, um sich künftig auf ihre Arbeit als künstlerische Leiterin zu konzentrieren. Ihr Amt hat die bisherige Schriftführerin Kristin Sackscheswki übernommen, deren Job führt nun Silke Hillmann aus. Und mit Thora Bernstorff hat sich zudem der künstlerische Beirat erweitert. Aber Jörg Haasters kündigt an: „Angeline Schube-Focke bleibt eng in die Vorstandsarbeit eingebunden.“ Und er sagt auch: „Wir sind offen für konstruktive Kritik, die uns dabei hilft, unsere Arbeit zu verbessern.“ Spätestens das klingt nach einem Verein, der erkannt hat, dass es nicht von Nutzen ist, sich auf Erreichtem auszuruhen.

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