Kunsthaus Hänisch in Kappeln : Kunsthaus erhöht Schlagzahl

Einpacken: Angeline Schube-Focke trennt die Druckgrafiken der letzten Ausstellung des vergangenen Jahres von ihren Rahmen.
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Einpacken: Angeline Schube-Focke trennt die Druckgrafiken der letzten Ausstellung des vergangenen Jahres von ihren Rahmen.

Der Verein plant sechs statt der üblichen vier Ausstellungen und eine Jubiläumsschau zum Jahresende.

shz.de von
10. Januar 2018, 07:00 Uhr

Es war ein gutes Jahr im Kunsthaus Hänisch, das ist vor allem zwischen den Zeilen herauszuhören. Angeline Schube-Focke, künstlerische Leiterin des Hauses in der Schmiedestraße, ist vieles, was im zurückliegenden Jahr passiert ist, noch äußerst präsent, das merkt man ihren Worten und der Art und Weise, wie sie davon erzählt, an. Vor allem aber schwingt eine ehrliche Begeisterung mit – nicht nur für die Kunst, die der Trägerverein zeigen durfte, auch für die Künstler, die dahinter stehen, und für die Besucher, die all das erlebten. Und für das laufende Jahr stehen die Pläne fest: Statt vier plant das Kunsthaus erstmals sechs Ausstellungen. Und darf sich zum Jahresende auch mal ein bisschen selber feiern.

Vier Schauen hat das Kunsthaus 2017 präsentiert: eine Retrospektive Birgitt Bolsmanns, die Fotografie-Ausstellung „Sofortbilder“, den norddeutschen Realisten Frank Suplie und Druckgrafiken aus Deutschland und Wales. Die meisten Besucher lockte Suplie an, der sich mit seinem Stil an der Tradition des Hauses, realistische Malerei zu zeigen, orientiert, bei dessen Ausstellung aber, nachdem er gemeinsam mit Schube-Focke seine Bilder gedanklich in den sechs Kunsthaus-Räumen verteilt hatte, zwölf Lücken klafften. „Da hat er extra für die Ausstellung noch Bilder gemalt“, sagt die Kuratorin. „Das ist etwas sehr Besonderes.“

Das waren derweil auch die Portfolio-Abende, die Schube-Focke im vergangenen Jahr eingeführt hat und die Besuchern Gelegenheit bieten, einen Künstler genauer zu betrachten. „Diese Abende eröffnen einen Blickwinkel auf die Vielseitigkeit eines Künstlers“, sagt Angeline Schube-Focke. So präsentierte sie etwa Web-Arbeiten der Malerin Birgitt Bolsmann, Grafiker Manuel Knortz griff an einem solchen Abend zu Saiteninstrument und Mikrofon.

Als besonders ungewöhnlich für das Kunsthaus verbucht Schube-Focke im Rückblick die „Sofortbilder“-Schau. „Historische Fotografien haben wir schon gezeigt, aber noch keine reine Kunstfotografie“, sagt sie. Trotzdem sei der Zulauf beim Abschluss-Workshop großartig gewesen. 30 Teilnehmer hatten teils lange Anfahrtswege auf sich genommen, um einmal verschiedene Kameras selber auszuprobieren. Und bei der Ausstellung der Druckgrafiken schließlich knüpfte das Kunsthaus enge Bande zur Nikolaikirche, zeigte dort auch einige Exponate. „Es ist schön, dort die besondere Stimmung zu nutzen“, sagt Schube-Focke und spielt mit dem Gedanken, die Zusammenarbeit auszubauen.

Fortgesetzt wird derweil das Miteinander mit der Klaus-Harms-Schule. In der ersten Ausstellung dieses Jahres zeigen Schüler ab Klassenstufe 6 ihre Arbeiten zum Motto „Märchen, Mythen und Legenden“, dazu gehören Collagen, Skulpturen, Zeichnungen, Scherenschnitte. „Und ich habe schon erste Ergebnisse gesehen“, sagt Angeline Schube-Focke. „Da sind tolle Ideen dabei.“ Im März bietet das Kunsthaus Kurt Haug, Franck Blady und Pia Wüstenberg ein Forum, gezeigt werden Porträts, Stillleben und Glas-Objekte. Ende April sind die Norddeutschen Realisten wieder am Zug, dieses Mal mit Christopher Lehmpfuhl. Und Schube-Focke kündigt einen einen „spannenden Querschnitt“ seines Schaffens an. Die Sommerausstellung ab Juli widmet sich den Druckgrafiken Hans-Ruprecht Leiß’, im September folgt ein Arno-Schmidt-Wochenende mit Fotografien und Lesungen und zum Jahresende die Jubiläumsausstellung „Zehn Jahre Kunsthaus“. Ziel ist es, so viele Künstler wie möglich aus diesen zurückliegenden zehn Jahren zu zeigen – aber der Vereinsvorsitzende Jörg Haasters erwartet schon jetzt „einen tollen Abschluss“.

Überhaupt blickt auch Haasters zufrieden zurück auf das erste volle Jahr des im Oktober 2016 komplett neu zusammengefundenen Vereinsvorstands. „Wir wurden da ja etwas reingeschmissen“, sagt er. „Aber der Übergang war nahtlos, es hat keinen Bruch und auch kein völlig neues Kunsthaus gegeben.“ Dass sich der Verein mit Hilfe von Angeline Schube-Focke, die gleichzeitig zweite Vorsitzende ist, ein Mehr an Aktionen erarbeitet hat, freut Haasters besonders. „Wir liegen gut im Trend und versuchen, den Geschmack zu treffen“, sagt er. „Und wir wollen gerne noch mehr machen.“ Dafür allerdings, das weiß Haasters, ist der Verein neben möglichst mehr Besuchern auf Sponsoren angewiesen – auch um steigenden Urlauberzahlen eine echte Alternative zu Strand und Hafen bieten zu können. Oder um, das ist Schube-Fockes Wunsch, die Museumspädagogik weiter auszubauen. Mindestens 250 Schüler haben das Haus 2017 besucht – „und mit ihnen mache ich keine normale Führung“, sagt die Kunstexpertin. Praxis und eigenständiges Arbeiten stehen dann im Fokus.

Sieht ganz so aus, als hätte das Kunsthaus genug Aufgaben, um mindestens zehn weitere Jahre ausfüllen zu können.

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