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Kunsthaus Hänisch : Kunst zwischen den Linien

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die beiden Schweizer Sylvie Moreillon und Frank Fischer stellen bis 6. Dezember im Kunsthaus Hänisch aus.

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2015 | 07:30 Uhr

Man muss wohl sagen, dass die aktuelle Ausstellung im Kunsthaus Hänisch ein bisschen aus dem Rahmen fällt. Und das ist durchweg positiv gemeint. Das, was dort seit Kurzem an den Wänden der alten Stadtvilla hängt, ist im besten Sinne äußerst speziell. Sylvie Moreillon mit ihren kühlen Baustellen-Bildern und vor allem Frank Fischer mit seinen Liniendiagrammen stehen für eine Kunstform, mit der das Kunsthaus viel wagt, weil sie vielleicht nicht unbedingt die große Masse anspricht. Es mag Menschen geben, denen die Werke schlicht zu speziell sind. Die rund 60 Besucher am Eröffnungstag allerdings fanden sich schnell in Gesprächen mit den beiden Künstlern wieder. Und wenn Kunst in der Lage ist, genau zu diesem Austausch anzuregen, hat sie einiges richtig gemacht.

Die Schau, die den Titel „Zwei Schweizer Ansichten“ trägt, hat das Kunsthaus Dr. Ulrich Hänisch zu verdanken. Der Sohn der Namensgeberin des Hauses, Hildegard Hänisch, hat die Ausstellung gesponsert. Seine Ehefrau Geneviève war dabei, als Frank Fischer und Sylvie Moreillon am Vorabend der Vernissage ihre Bilder selber gehängt haben. Hinterher sagte Geneviève Hänisch: „In ihren Gesichtern haben wir danach eine große Freude gelesen. Das war für uns ein großes Geschenk.“ Diese Freude trugen die beiden Künstler jetzt gerne an die Vernissage-Besucher weiter.

Das Obergeschoss des Kunsthauses gehört Frank Fischer. Der gebürtige Schweizer ist inzwischen in London zu Hause, seine Kunst allerdings ist nicht ganz so leicht einzuordnen. Der Mann zerlegt Gemälde in einzelne Linien, in Streifenmalerei. Ulrich Hänisch beschrieb Fischers Bestreben so: „Frank Fischer macht daraus eine eigenständige, dynamische Komposition, die dazu einlädt, sich mit dem Original auseinander zu setzen.“ Dabei klingt zumindest der Ansatz erst einmal sehr technisch. Vereinfacht: Das Ausgangswerk wird eingescannt und tief aufgezoomt. Jeder Pixel im Original ergibt eine Linie in Fischers Bild. Die Farbe tropft er von oben auf eine mit Aluminium beschichtete Oberfläche, sodass sie als Streifen nach unten läuft. Was bleibt, sind die farblichen Bestandteile, die Basis, die Wurzel eines Cy Twombly, eines Edward Hopper oder eines Emil Nolde, um den Fischer sein Repertoire extra für die Kunsthaus-Ausstellung erweitert hat. Es ist so etwas wie die Demonstration von Klarheit und Ordnung. Fischer selber sagte: „Das Sujet ist weg, es geht um die Reduzierung auf Farbe.“

Jene Reduzierung allerdings ist es, die den Blick des Betrachters gleichzeitig ausdehnt. Kunsthaus-Vorstandsmitglied Jens Burkart etwa sagte: „Ich sehe auf einmal Farben, die mir im Original gar nicht aufgefallen sind.“ Für diesen Effekt hat Fischer das jeweilige Ausgangswerk im Kleinformat neben seiner Version ausgelegt. Vergleiche sind erwünscht.

Im Erdgeschoss hängen die Bilder und stehen die Skulpturen von Sylvie Moreillon. Sie sind weniger herausfordernd, dafür deutlich emotionaler. Über sie sagte Ulrich Hänisch: „Sylvie Moreillon begleitet mit Vorliebe Großbaustellen.“ In ihren schwarz-weißen Acryl-Werken springt die Kühle des Mauerwerks, eines Gerüsts oder einer Treppe praktisch aus den Bildern heraus. Moreillon beschrieb das anlässlich der Eröffnung so: „Mir geht es um den theatralischen Teil der Baustelle, darin entdecke ich Erstaunliches. Für mich ist das Freiheit.“ Verstärkt wird diese Theatralik durch die Beschränkung auf Schwarz und Weiß, die Baustelle – eigentlich ein lauter Ort mit vielen Menschen und großem Lärm – wird ganz still und gewinnt an Mystik. Mit Frank Fischer stellt die Malerin aus Lausanne erstmals gemeinsam aus. Und während Fischer betonte, dass die Arbeiten der beiden „so gut zusammenpassen, weil sie so klar unterschiedlich sind“, erkannte Moreillon Gemeinsamkeiten. „Wir behalten beide die Linien bei, alles ist konstruiert“, sagte sie. Oder eben im allerbesten Sinne äußerst speziell.

> Kunsthaus Hänisch, Schmiedestraße 53: mittwochs bis sonntags, 11 bis 17 Uhr, „Zwei Schweizer Ansichten“ bis zum 6. Dezember

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