Kulturstiftung will den Christesenhof

Dem Hauptgebäude des Christesenhofes  kommt in den Plänen des Kreises eine Schlüsselrolle zu. Es ist allerdings stark sanierungsbedürftig.
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Dem Hauptgebäude des Christesenhofes kommt in den Plänen des Kreises eine Schlüsselrolle zu. Es ist allerdings stark sanierungsbedürftig.

Um das Landschaftsmuseum Unewatt vor dem Niedergang zu bewahren, soll eine Million Euro in neue Gebäude und Konzepte investiert werden

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05. Juni 2014, 12:57 Uhr

Das Landschaftsmuseum Unewatt in Langballig benötigt eine grundlegende Kurskorrektur. Das haben nicht nur Gutachter im vergangenen Jahr empfohlen, sondern auch die Mitglieder des Kuratoriums der Kulturstiftung akzeptiert. Kernstück eines neuen Konzeptes soll der Christesenhof werden, dessen Winkelscheune das Museum bereits nutzt, der ansonsten aber privat vermietet ist und nun gekauft werden soll. Bausachverständige gehen von Kosten von rund einer Million Euro aus – der Preis für die Zukunftsfähigkeit des bundesweit einmaligen Landschaftsmuseums.

Die Krise des Museums lässt sich an Zahlen festmachen Die Zahl der Besucher sinkt stetig – innerhalb von zehn Jahren von 17 000 auf nur noch 12 000 im vergangenen Jahr. Matthias Schartl, Direktor der Kulturstiftung, hat es für die Kuratoriumsmitglieder auf den Punkt formuliert: „Ohne eine nachhaltige Zukunftsentwicklung Unewatts drohen der Verlust dieses besonderen Kulturerbes, der Verfall der bereits getätigten Investitionen sowie die verpasste Chance, vorhandene Potenziale für die Museums-, Dorf- und Regionalentwicklung zu nutzen.“ Anders ausgedrückt: Ohne eine Attraktivitätssteigerung, steigende Besucherzahlen und neues pädagogisches Konzept stünde das Landschaftsmuseum vor dem Aus. Die von der Politik nun mit großer Mehrheit (nur zwei Enthaltungen) abgesegnete Strategie sieht vor, dass der Christesenhof gekauft und grundlegend saniert wird. Das bisherige Wohnhaus soll zur zentralen multifunktionalen Einheit des Museums umgebaut werden und zugleich ein Knotenpunkt für die kulturelle Bildung und den Kulturtourismus im ländlichen Raum aufgewertet werden – der Christesenhof als regionales Museums- und Kulturzentrum.

Der Christesenhof besteht aus vier Gebäuden. Bereits seit 1993 nutzt das Museum die Winkelscheune. Sie ist bis 2025 gemietet und spielt schon heute eine zentrale Rolle als Ausstellungshalle (zwei Etagen, 1150 Quadratmeter). Hier werden Landmaschinen gezeigt, Sonderausstellungen und zum Teil kulturelle Veranstaltungen präsentiert.

Neben der Winkelscheune befinden sich auf dem einen Hektar großen Hofgelände das stattliche Wohnhaus (650 Quadratmeter), eine kleine Scheune (180 Quadratmeter) sowie ein Landarbeiterhaus. Das Nutzungskonzept sieht für das Wohnhaus den Einzug der Museumsverwaltung, Veranstaltungsräume, Räume für die Museumspädagogik sowie Magazinflächen im Dachgeschoss und Keller vor. Für Freiluftveranstaltungen soll der geschützte Hofplatz zwischen den Gebäuden genutzt werden. Weitere Ausstellungsmöglichkeiten bestünden in der kleinen Scheune. Auch Lagerplatz wäre vorhanden. Schließlich könnte dort eine Hausmeisterwerkstatt untergebracht werden. Keine Verwendung hätte das Museum für das westlich des Haupthauses gelegene Landarbeiterhaus. Dieses wird von Bausachverständigen als abbruchreif eingestuft.

Noch nicht klar ist, wie viel Geld die Kulturstiftung für den eigentlichen Kauf berappen muss. Bisherige Schätzungen gehen von einem Verkehrswert von maximal 350 000 Euro aus, das Angebot des Maklers, der das Ensemble aus dem Besitz einer Erbengemeinschaft anbietet, beläuft sich allerdings aus 398 000 Euro. Allein die Sanierung des Haupthauses wird auf 360 000 Euro geschätzt.

Die Gutachter der EWS-Group hatten im vergangenen Jahr im Rahmen der Konzeptvorstellung von einer Maximalförderung des Projektes von 55 Prozent gesprochen. Darauf setzt nun auch die Politik. Nach Angaben Schartls gebe es bereits „positive Signale“ von Seiten der drei im Norden tätigen Aktivregionen, das Projekt in ihr Portfolio aufzunehmen. Darüber hinaus erhofft man sich eine Förderung durch Mittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) über das Land. Ziel der Kulturstiftung ist es in jedem Fall, so gering wie möglich in den eigenen Finanzbestand einzugreifen. Dieser beläuft sich aktuell auf 560 000 Euro, soll aber auch zukünftigen Stiftungsprojekten dienen. Deshalb könnte die Finanzierung zum Teil über ein Darlehen erfolgen. Die Refinanzierung wäre zum Teil über die Einsparung der Mietzahlung für die Winkelscheune möglich. Hierfür würde die Kulturstiftung bis 2025 insgesamt 144 000 Euro ausgeben, wenn er den Hof nicht kaufte. Das jedoch soll so schnell wie möglich geschehen. Deshalb soll ein eigener Gutachter jetzt den Wert der Immobilie ermitteln, um über den Kaufpreis Einigkeit erzielen zu können. Dass die derzeitigen Mieter, denen gekündigt wurde, dieses anfechten, sieht Schartl nicht als Problem des Kreises. „Das muss der Verkäufer regeln.“

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