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Alte Maschinenhalle in Kappeln : „Kultur ist kein Selbstgänger“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Das St. Nicolaiheim benennt die Koslowski-Halle in Alte Maschinenhalle um und fordert Bürger auf, sich an der Programmgestaltung zu beteiligen.

shz.de von
erstellt am 19.Mai.2017 | 07:00 Uhr

Seit knapp sechs Wochen hat Stefan Lenz nun Schlüsselgewalt über die Koslowski-Halle. Das St. Nicolaiheim, mit Lenz als Geschäftsführer, hat die Veranstaltungshalle zum 1. April erworben, und so langsam werden die ersten Veränderungen sichtbar. Notwendige Veränderungen, so viel ist sicher, denn ein simples „Weiter so wie bisher“ wird es mit dem St. Nicolaiheim nicht geben können, das hatte Lenz gleich zu Beginn gesagt. Das erste nach außen auffällige Signal ist nun der Namenswechsel: Aus der Koslowski-Halle wird die Alte Maschinenhalle.

Die Bezeichnung ist keine willkürliche. Stefan Lenz hat recherchiert, hat gemeinsam mit Stadtarchivar Peter Wengel in alten Dokumenten geblättert und weiß selber, dass die Halle, bevor sie zur Veranstaltungsstätte wurde, als Sägerei gedient hat. „Alte Sägerei wäre daher ein naheliegender Name gewesen“, sagt er. Und trotzdem einer, den er schnell wieder verworfen hat. „Wir haben schon das historische Sägewerk an der Mühle. Und zwei Sägereien in einer kleinen Stadt – das wäre doch ein bisschen komisch gewesen.“ Und außerdem: „Eine Säge ist auch eine Maschine.“ Die Geburtsstunde der Alten Maschinenhalle. Und für die sucht Lenz nun einen professionellen Veranstalter, der Künstler bucht, Konzerte und Auftritte organisiert und der Halle so zu noch mehr Aufmerksamkeit verhilft. „Wir sind im Gespräch, das Interesse auf der anderen Seite ist da“, sagt Lenz. Irgendwann, wenn der Sommer vorüber ist, soll alles in trockenen Tüchern sein, auch weil die Planung für das kommende Jahr in Angriff genommen werden soll.

Aber Stefan Lenz ahnt bereits: Die erlaubte maximale Gästezahl von 220 Personen könnte eventuell für die ein oder andere Aktion zu gering sein. „Wir würden das gerne nach oben schrauben“, sagt er, in dem Wissen, dass dazu einiges zu erledigen wäre. Nicht nur formal und baulich, sondern vor allem ganz persönlich. „Das hängt alles davon ab, wie unser erstes Jahr mit einem Veranstalter läuft“, sagt der neue Eigentümer. „Kultur ist kein Selbstgänger. Alle sind gefordert, und zwar finanziell und in ihrem ganz persönlichen Aufwand.“ Eintrittskarten kosten Geld, der Besuch einer Veranstaltung kostet Zeit – beides müssen die Kappelner, aber auch ihre Gäste aufbringen, wollen sie die Alte Maschinenhalle als Veranstaltungsort erhalten. Stefan Lenz’ Priorität ist jedenfalls klar: „Wir sind alle, übrigens auch die Politik, dazu aufgerufen zu zeigen, was uns Kultur in unserer Stadt wert ist.“ Im buchstäblichen und im übertragenen Sinne.

Dazu gehört auch, so sieht es der Hallenbesitzer, eine bessere Vernetzung in der Stadt. Beispiel: „Wenn in der Halle eine Lesung stattfindet, könnten unsere Buchhandlungen ganz gezielt mit Werken dieses Autors werben“, sagt er. Auf diese Weise erhielten gleich mehrere die Gelegenheit, sich besser darzustellen. „Kultur, die gut vermarktet und gut angenommen wird, kann ein Stück Wirtschaftsförderung für die Region bedeuten“, ist Lenz überzeugt. Gleichzeitig will er aber keine Kannibalisierung betreiben. „Es lohnt sich nicht, etwas anzubieten, was andere schon besser machen. Wir planen daher kein Konkurrenzangebot zur klassischen Konzertreihe von Gut Frauenhof“, sagt er. „Uns geht es eher um Vielfalt.“

Lenz stellt aber auch klar, dass es für den Eigentümer nicht funktioniert, die Halle ausschließlich für kulturelle Termine zur Verfügung zu stellen, deshalb steht die Vermietung an Private ebenfalls auf der Liste – wenn auch mit untergeordneter Priorität. „Um Geld für den Erhalt und den Unterhalt der Halle zu verdienen, muss sie für private Feiern vermietet werden“, sagt Lenz. Aber: „Wir sehen es ungeachtet dessen als unsere oberste Aufgabe an, Menschen in die Begegnung, ins Miteinander zu bringen.“ Und das gelingt nun mal offener und ansprechender mit kulturellen Veranstaltungen, die sich an jeden richten. Oder indem er die Halle vielleicht auch für schulische Veranstaltungen öffnet oder für Termine des Kunsthauses Hänisch – „es gibt jede Menge Möglichkeiten, um nach vorne zu gehen“, findet Lenz. Genau das will das St.Nicolaiheim auch selber tun, indem es die Halle ein bisschen überplant, etwa im Sanitärbereich oder um Lagerfläche zu schaffen. „Und dann würden wir gerne einen alten Eisenbahnwaggon auf unserer Freifläche aufstellen“, sagt Stefan Lenz. „Für die Raucher.“ Und um eine Verbindung zur nahen Museumsbahn zu schaffen – „die ist auch ein Stück Kultur“.

Alleine am Leben erhalten kann und will das St. Nicolaiheim die Alte Maschinenhalle als kulturelle Veranstaltungsstätte indes nicht. „Um diesen Traum zu erfüllen, müssen alle mitarbeiten“, sagt Stefan Lenz. Oder irgendwann aufwachen und feststellen, dass Kultur zwar schön ist, aber vielleicht nicht in der Alten Maschinenhalle.

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