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Schlei-Bote

19. Oktober 2017 | 17:07 Uhr

Kühe mit großer Tradition

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Ökobauer Johannes Tams schwört auf seine Angler Rinder – eine Rasse, die kurz vor dem Aussterben stand

von
erstellt am 07.Mai.2014 | 10:45 Uhr

Es ist für ihn das erste Mal. Wenn Johannes Tams aus Ausacker am Sonntag, 18. Mai, seine Bio-Milch-Produktion auf dem Gottorfer Landmarkt vorstellt, betritt er Neuland. Auf dem größten Öko-Markt Deutschlands, im Schatten des Gottorfer Schlosses, wird er gleichwohl freudig erwartet. Denn seine Angler Rinder sind eine Rasse, die zwar traditionell in Schleswig-Holstein beheimatet ist, in diesem Jahr aber zum ersten Mal auf dem Markt zu sehen sein wird.

„Die Angler Rinder waren schon auf diesem Gelände, bevor unser Hof existierte“, sagt Tams. Der Ökobauer übernahm den Hof am Rande des 520 Einwohner zählenden Dorfes Ausacker vor rund 23 Jahren. Seiner Familie gehört das Grundstück schon seit 1932. Erbaut wurde das Gut 1880. „Damals waren die Angler Rinder noch beliebter als heute, weil der Ackerbau im Vordergrund stand“, erzählt Tams. Dafür benötigten die Bauern leichtere Tiere, die als Zugtiere schneller durch den Acker kamen. Die damals nur 300 Kilogramm schweren Angler Rinder waren für diesen Job wie gemacht.

Im Laufe der Zeit legten die Angler mit ihrer markanten rot-weißen Färbung jedoch an Gewicht zu. Hauptsächlich verantwortlich dafür sind Kreuzungen, die in der Zucht der Tiere vorgenommen wurden. Unter anderem wurden rote dänische Milchrinder, schwedisches Rotvieh und die Rasse „Red Holstein“ mit den Anglern gekreuzt. „2002 waren die Angler kurz vor dem Aussterben“, berichtet Tams. 61 Tiere habe es insgesamt nur noch gegeben. Erhaltungsmaßnahmen und ein neuer Typ des Angler Rinds entspannten die Lage schließlich. „Die neuen Angler haben außerdem eine noch höhere Milchleistung“, erklärt Tams, der 2008 sein Bio-Wertesiegel erhielt.

Im Durchschnitt wiegen seine Tiere zwischen 550 und 700 Kilogramm. Ein ausgewachsener Bulle könne jedoch bis zu eine Tonne auf die Waage bringen. Für solche Exemplare ist sein Hof aber gar nicht geeignet. „Wir haben 200 Liegeplätze und 170 Kühe. Damit sind wir bereits total ausgelastet“, stellt der Ökobauer fest. Von den 170 Tieren auf Tams’ Hof sind 130 Milchkühe. 110 von ihnen sind Angler Rinder, von denen wiederum 90 Prozent reinrassig sind. Weitere Tiere will er nicht mehr in die Herde integrieren. „Das würde sich wirtschaftlich gar nicht rechnen“, sagt er. Außerdem sei die Herde dann nur noch schwerer zu handhaben. Und da Tams’ gesamtes Einkommen von dieser Schar abhängt, achtet er eben auf jede Kleinigkeit.

Schon um halb fünf Uhr morgens beginnt sein Arbeitstag. „Ich schmeiß mich dann nur in meine Klamotten und gehe sofort in den Stall“, erzählt der Ökobauer. Dort steht zunächst einmal wahre Drecksarbeit an, denn der Stall muss täglich gesäubert werden. 45 Minuten verbringen der Chef und seine zwei Mitarbeiter damit. Gleich danach beginnt das Melken. „Frühstück gibt es erst, nachdem alle Kühe gemolken wurden“, erklärt Tams. Meistens sei das gegen 9 Uhr.

Am Nachmittag käme ebenfalls keine Langeweile auf, denn die Herde sorge ständig für neue Aufgaben. Zum Beispiel müssten die Elektro-Zäune der Koppeln immer wieder repariert werden, weil die Kühe sie durchbrächen. Tams hat dabei eine Theorie, wie die Kühe sich vor Stromschlägen hüten: „Ich glaube sie gehen mit ihrem feuchten Atem nah an den Zaun ran und merken dadurch, ob die Drähte unter Strom stehen“. Zudem müssen die Weiden gepflegt werden, da dort das Futter produziert wird. „Wir haben unsere Flächen bearbeitet, sodass selbst der Boden Bio ist“, scherzt Tams.

Mit dieser Art der Produktion bekommt der Bauer im Durchschnitt pro Rind bis zu 8000 Liter Milch im Jahr. „Eines meiner Tiere schafft sogar 11 000 Liter pro Jahr“, sagt Tams stolz. Die Milch wird nicht nur in Deutschland an den Kunden gebracht. In Italien gebe es einen großen Markt dafür, weil die Milch mehr Fett und Eiweiß beinhalte. „Deshalb eignet sie sich sehr gut für die Herstellung von Parmesan-Käse.“

Auf dem Gottorfer Landmarkt wird Johannes Tams Interessierten alles Wissenswerte über seine Biomilch-Produktion erklären. Eines stellt er aber schon vorab klar: „Ich möchte in erster Linie, dass die Leute wissen, dass wir keine Idylle verkaufen, sondern ein wirtschaftlicher Betrieb sind.“

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