Norderbrarup : Kritik an gemeinsamer Schule wächst

Schweigen wollen die Norderbraruper zur Schließung ihrer Schule nicht.
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Schweigen wollen die Norderbraruper zur Schließung ihrer Schule nicht.

Die Neuordnung der Grundschullandschaft im Amt Süderbrarup gerät in Wallung. Die Norderbraruper wollen ihre Knüttel-Antonius-Schule nicht opfern.

shz.de von
12. Juni 2014, 14:23 Uhr

Es war zu erwarten: Der Vorschlag der Schul-Expertenkommission aus dem Amt Süderbrarup zur Neuordnung der Grundschulen musste auf Widerstand stoßen. Die Norderbraruper haben sich als erstes lautstark zu Wort gemeldet. Ihre Knüttel-Antonius-Schule wollen sie auf gar keinen Fall opfern und die jüngsten Schüler – wie es nach dem neuen Konzept geplant ist – auch nicht nach Süderbrarup abgeben.

Lutz Tschense und Ulf Martensen hatten sich zu Wortführern gemacht und Tschense mit einem offenen Brief massive Kritik am Ergebnis der Expertenrunde geäußert. Das Norderbraruper Gemeindehaus war bis auf den letzten Platz besetzt, als Amtsvorsteher Thomas Detlefsen die Gelegenheit erhielt, das Handlungskonzept des Amtes zur Neuordnung der Grundschullandschaft zu erläutern.

In den jetzt noch vorhandenen fünf Grundschulstandorten Süderbrarup, Boren, Steinfeld, Norderbrarup und Mohrkirch ist die Geburtenzahl dramatisch eingebrochen und wird bis 2020 weiter zurück gehen – so die Erwartungshaltung. Waren es 2008 noch 602 Schüler, die den Unterricht in den fünf Grundschulen besuchten, sind es heute noch 420, 2020 – so die Prognose – werden es nur noch 299 Schüler in allen fünf Grundschulen sein. Davon entfallen alleine 124 Schüler auf die Grundschule Süderbrarup. Detlefsen machte deutlich, dass aufgrund der Vorgaben des Bildungsministeriums, wonach mindestens 80 Schüler nötig sind, um einen Schulleiterstelle zu besetzen, für das Amt Handlungsbedarf bestehe. Die Expertenrunde aus Politik, Verwaltung und Schulleitern hat als Lösungsvorschlag den Bau einer zentralen Grundschule in Süderbrarup angeboten. Zusätzliche Buslinien sollen dann dafür sorgen, dass der Anfahrtsweg für alle Grundschüler nicht länger als 20 Minuten beträgt.

Lutz Tschense wiederholte seine Einschätzung, wonach die Akteure zu kritiklos die Vorgaben des Amtes abgesegnet hätten. Doch auf die Frage nach eigenen Lösungsansätzen musste auch Tschense passen. Die hatten allerdings die anwesenden Eltern. Sie nannten als einen Ansatz die Idee, die Süderbraruper Kinder auf die anderen vier Schulen zu verteilen, statt ein neues sechs Millionen teures Schulgebäude zu errichten. Die Politik müsse lernen, die Richtung auch zu verändern und nicht immer alles in Süderbrarup zu zentralisieren, war eine unterstützende Meinung. Im Übrigen würden jetzt bereits Schüler aus Süderbraup die Knüttel-Antonius-Schule besuchen. Als weiterer Einfall kam der Vorschlag, die Mohrkircher Schule zu schließen und die betreffenden Kinder in Norderbrarup zu beschulen. Diese Idee zeigte, kaum war sie formuliert, die schwierige Ausgangslage. Bereits jetzt haben viele Mohrkircher Eltern geäußert, ihre Kinder in Zukunft auf die Regenbogenschule in Satrup schicken zu wollen, wenn Mohrkirch schließt – was zu einer weiteren Schwächung des Grundschulstandortes Amt Süderbrarup führen werde.

Dass es letztlich nicht nur um die Kinder gehe, sondern auch um die künftige Struktur der Dörfer, machte die ehemalige Amtsvorsteherin Heike Witt aus Saustrup deutlich. „Die Schule ist ein Herzstück des Dorfes, sie schafft Bindung. Der Verlust wird mehr verändern, als man denkt“, sagte sie.

Tschense und Martensen werden noch einmal zu einer Gesprächsrunde einladen und dann klären, ob sich Strukturen bilden, die den Kampf um die Knüttel-Antonius-Schule weiter führen.

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