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Strenge Auflagen : Koslowski-Halle schließt im November

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Rainer Koslowski führt schwierige Auflagen und Ärger mit wenigen Nachbarn als Gründe an / Niederdeutscher Literaturpreis wird letzte Veranstaltung

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 08:32 Uhr

Kappeln | Wenn nicht ein kleines Wunder geschieht, dann steht die Stadt Kappeln bald ohne größere Veranstaltungshalle da. Rainer Koslowski, Eigentümer der gleichnamigen Halle, will nicht länger weiter machen. "Der Niederdeutsche Literaturpreis wird am 8. November hier die letzte Veranstaltung sein. Der Weihnachtmarkt für dieses Jahr ist schon gestrichen", sagt Rainer Koslowski. Grund für seine Entscheidung waren die jüngsten Auflagen. "Dass wir um 22 Uhr die Halle und die Parkplätze leer haben müssen, das geht einfach nicht", so der ehemalige Inhaber eines Sanitärfachhandels. Wenn die Besucher um 19.30 Uhr kämen, dann wollten einige auch noch gemütlich sitzen. "Und ich muss die Leute dann rausschmeißen."

Grund für die Auflagen sind laut Koslowski vor allem drei Nachbarn, die sich in ihrer Ruhe gestört fühlten. Auch eine Unterschriftenliste mit dem Ziel, die Koslwoski-Halle zu schließen, soll es gegeben haben. "Was mich ärgert, ist, dass eine Handvoll Leute in der Lage ist, alles lahm zu legen", so der Hallenbetreiber. Als er die Halle übernommen hatte und 2001 anfing, Veranstaltungen auszurichten, sei zunächst alles kein Problem gewesen. Die Probleme kamen später, als das Gebiet überplant wurde und gegenüber ein Hotel entstehen sollte. Die Planung wurde genehmigt, doch das Hotel kam nicht. Das bedeutete eine Nutzungsänderung für das Gebiet, und so musste das ganze Verfahren wiederholt werden, doch dieses Mal gab es schärfere Auflagen. "Da war für mich eigentlich schon klar, dass ich jetzt Schluss mache", so Koslowski. Dabei wollte er schon einmal das Handtuch werden, als er Bäume für einen Parkplatz fällen wollte und dies zunächst nicht durfte, weil dort Fledermäuse hausten.

In der Vergangenheit hat Koslowski nach eigenen Worten viel getan, um Sicherheit und Brandschutzauflagen in dem Bauwerk zu erfüllen: Notausgang, Feuerlöscher, Notbeleuchtung und Ähnliches. Darüber hinaus habe er viel Geld in die Halle investiert. Dabei zeigt Koslowski auf die angeschaffte Bühne, die gekauften Lampen, den Bau der Sanitäranlagen und den Tresen. "Alles in allem habe ich rund 150 000 Euro in die Halle gesteckt. Damit hätten wir auch was anderes anfangen können. Das ist jetzt verbranntes Geld", sagt Koslowski und wechselt dabei schnell die Stimmung. Wenn er weiter machen würde, dann müsste er 40 000 bis 45 000 Euro in Brandschutzklappen und in einen Parkplatz sowie dessen Überdachung stecken, doch das Geld spart er jetzt ein. Sich selbst macht er auch Vorwürfe. Er habe den Fehler gemacht, zu weit vorzupreschen. "Man sieht während einer Veranstaltung, da fehlt wieder etwas oder überlegt, was man besser machen könnte und dann macht man das."

Dass er ständig versucht habe, die Halle zu verbessern, habe auch daran gelegen, dass ihm die Sache Spaß gemacht habe. 30 bis 40 private, städtische und kulturelle Veranstaltungen gab es pro Jahr in dem Gebäude. Für die Eröffnung der Figurentheatertage, die Eröffnung der Heringstage oder die Verleihung des Niederdeutschen Literaturpreises wurde die Koslowski-Halle zur festen Adresse. Zu den Highlights im kulturellen Bereich zählt der Kappelner darüber hinaus noch die Comedy-Reihe "Nightwash" sowie Auftritte von Justus Frantz und Tony Marshall. "Wolfgang Trepper war als erster da und kam insgesamt sieben Mal." Unter Künstlern seien Kappeln und die Halle beliebt und auch in München Gesprächsthema gewesen, wie ein Künstler ihm einst verriet.

Der amtierende Bürgermeister Horst Trauzettel bedauert die Entscheidung Koslowskis. "Wir haben in der Stadt sonst keine solche Veranstaltungshalle. Doch es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Nachbarn nicht gefällt." Für die städtischen Termine hätte sich die Koslowski-Halle bislang immer bewährt. Trauzettel wies darauf hin, dass die Stadt die Vorschläge Koslowskis beim Kreis unterstützt habe, doch noch liege keine endgültiger Bescheid dazu aus Schleswig vor.

Jetzt aufzuhören mit der Halle, das fällt Rainer Koslowski nicht einfach. "Natürlich bin ich traurig, das setzt sich erst jetzt im Bewusstsein fest." Und neue Idee hätte er auch noch, doch hat er schon alle über den 8. November hinausgehenden Termine abgesagt. Manche Veranstaltung war schon für das nächste Jahr geplant. Eine kleine Chance zum Weitermachen sieht der Hallenbetreiber noch, wenn die Auflagen gelockert würden und die Öffnungszeit der Halle bis Mitternacht verlängert würde. Was aus der Halle wird, das weiß er noch nicht. "Ein Verkauf ist zurzeit kein Thema." Obwohl es schon einen Interessenten gebe. Was aus ihm wird, weiß er schon sehr viel genauer. "Ich bin Golfspieler und seitdem ich die Halle übernommen habe, ist mein Handicap von 13 auf 18 abgerutscht. Golfen ist Trainingssache. Ich will jetzt mein altes Handicap zurück."

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