Koslowski-Halle: Künstlerisches Wohnzimmer für den Norden

Bahnhofsweg 36: Kappelns neue Comedy-Adresse.
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Bahnhofsweg 36: Kappelns neue Comedy-Adresse.

Den größten Teil des Jahres blieb die Koslowski-Halle ungenutzt. Das soll jetzt anders werden. Elf Veranstaltungen hochrangiger Comedy-Künstler sollen in diesem Jahr Besucher aus der ganzen Region nach Kappeln locken.

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06. Januar 2009, 10:18 Uhr

Kappeln | Eine Halle hat Rainer Koslowski nie gebraucht. Selbst nicht, als er sie vor gut zehn Jahren gekauft hat. Die ehemalige Sägerei im Bahnhofsweg, 1928 erbaut, hatte es ihm einfach so angetan. 500 Quadratmeter Fläche, Innenhof, dunkle, freistehende Balken, Fenster bis zum Boden. "Und dann hab ich nachts meine Träume gehabt...", sagt Rainer Koslowski. Einer davon: ein Ausstellungsgelände für die Heizungs- und Sanitärartikel des Kappelner Unternehmers. In der Realität stand zunächst die Sanierung des Gebäudes an - und danach Stillstand. Koslowski: "Es ist einfach so liegengeblieben."

Bis zum Oktober 2007. Dann nämlich verkaufte der 66-Jährige seinen Betrieb. "Und nun wollte ich das Ganze mal anschieben." Gemeinsam mit der Schubkraft des Schleswiger Veranstalters Mario Hoff ist für 2009 ein Jahresprogramm herausgekommen, das monatliche Akzente setzen will. Schwerpunkt: Comedy. Seine Motivation fasst Koslowski mit einem einfachen Satz zusammen: "Ich will etwas für diese Stadt tun."

In konkreten Zahlen heißt das: Platz für bis zu 250 Menschen bieten. Mario Hoff schätzt die Kapazität ein: "Das ist mehr als Mittelklasse. Es gibt nichts Vergleichbares in der Nähe." Selbst das Hamburger "Schmidt Theater" käme auf gerade 100 Plätze mehr, das Große Haus "Schmidts Tivoli" könne insgesamt 450 Menschen beherbergen. Weitere Zahl: Elf Veranstaltungen hat Hoff für dieses Jahr in petto. "Und das kann durchaus ergänzt werden." Außen vorgelassen hat der Schleswiger zunächst die Sommermonate, könne sich aber gut vorstellen, den Tourismus noch nachträglich zu beleben - "vor allem mit Blick auf Olpenitz".

Dritter im Bunde des aktiven Trios ist Lars Agger. Der Gastronom ist für die Bewirtung in der Koslowski-Halle zuständig. Sein Motto ist das der Veranstaltungsreihe: "Würzige Unterhaltung". Während auf der Bühne Namen wie Kay Ray, Hans Gerzlich oder Vince Ebert dafür sorgen sollen, will Agger mit Snacks mit Chili-Marmelade oder Chili con Carne seinen Teil dazu beitragen. "Es soll ein ganzheitliches Erlebnis werden", sagt der Gastronom.

Hoff setzt dabei bewusst auf die Regelmäßigkeit der Veranstaltungen, will mit dem Programm für 2009 den "Anfang für eine Kontinuität" schaffen. "Wir wollen auf lange Sicht etwas aufbauen, ein Kulturzentrum etablieren." Hoff, der in Schleswig als Leiter des "Zentrums" schon seit acht Jahren Comedy-Künstler an die Schlei geholt hat, schätzt die Atmosphäre der Koslowski-Halle. Er nennt das ehemalige Sägewerk einen "außergewöhnlichen Ort". Einen Ort, der Hemmschwellen zwischen Künstler und Publikum abbauen, einen Ort, der die Anonymität des Künstlers aufheben könne. "Wir haben die Chance, aus der Koslowski-Halle das künstlerische Wohnzimmer Schleswig-Holsteins zu machen", sagt Hoff.

Auch Anke Lüneburg, Geschäftsführerin der Ostseefjord-Schlei GmbH, verspricht sich viel von dem neuen Konzept. "Es wird etwas geboten, für das man sonst bis nach Hamburg fahren muss", sagt Lüneburg. Und: "Dieses Angebot kann auf die ganze Region ausstrahlen."

Rainer Koslowski indes scheint selbst ein bisschen überwältigt von seiner neuen Aufgabe. Mit einigen Namen, die sein Programm jetzt ausweist, konnte der 66-Jährige zunächst nicht viel anfangen. "Vince Ebert, Kay Ray - das ist für mich alles Neuland", sagt der Kappelner. Seine Tochter allerdings habe fast Konfetti in die Luft geworfen, als er ihr die Namen nannte. "Sie konnte gar nicht glauben, dass diese Leute alle nach Kappeln kommen." Für Koslowski das Zeichen, dass er auf dem richtigen Weg ist: "Ich glaube, dass es dieser Stadt gut tun kann und wir noch viel mehr machen könnten."

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