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Schlei-Bote

11. Dezember 2017 | 14:36 Uhr

Komödie mit politischer Kraft

vom

Heute findet auf dem Scheersberg die Premiere für das diesjährige Sommertheater-Projekt "Lysistrata" statt

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Steinbergkirche | Mitten auf dem Spielfeld der Scheersberger Veranstaltungshalle steht eine aus Metallelementen gebildete Arena. Im Innenbereich sind Matten ausgelegt. Auf ihnen liefern sich fünf hartgesottene Krieger unter wildem Geschrei heftige Kämpfe. Es gibt Sieger und Opfer. Durch das Gitter des Bauzaunes blicken junge Frauen. Doch sie sind keine Schlachtenbummlerinnen, feuern niemanden an, sondern erweisen sich als besorgte Beobachterinnen des brutalen Geschehens. Dies ist eine der Schlüsselszenen in der Neuinszenierung der altgriechischen Komödie "Lysistrata" des Dramatikers Aristophanes, der im vierten Jahrhundert vor Christus lebte.

In nur 13 Tagen haben die professionelle Theaterregisseurin Cornelia Walter und ihr Team mit 14 jungen Nachwuchsschauspielern dieses Werk in moderner Fassung bühnenwirksam umgesetzt. Zu den Akteurinnen, die ohne Gage spielen - bei einer Teilnehmergebühr von 110 Euro pro Person - gehören als jüngste Schauspielerinnen Käthe Kimmel aus Duvenstedt, Katharina Gniffke aus Bergenhusen und Carolin Körbs aus Wohlde, die alle 14 Jahre alt sind. Als griechische Krieger sind Finn Höner aus Steinbergkirche und Max-Raban Scheithauer aus Niesgrau mit von der Partie. Weitere Mitwirkende stammen aus Berlin, Wustermark, Hildesheim, Meißen und Dresden. Ältestes Ensemblemitglied ist der 25-jährige Mathis Schwormstede aus dem niedersächsischen Oldenburg.

Dieser Stoff des Aristophanes wird auf dem Scheersberg in mehrfachem Sinne in den Fokus genommen. Ästhetische und theaterpädagogische Aspekte sind nur Teile dieser Arbeit. Projektleiter Karsten Biermann verdeutlicht: "Eine wichtige Aufgabe dabei fällt der politischen Jugendbildung zu." Schon in der Originalfassung wird sozusagen dem Krieg der Krieg erklärt: Die Männer ziehen auf das Schlachtfeld, um Macht und Besitz zu gewinnen. Die Frauen bleiben allein zu Hause zurück. Die Staatskasse ist leer, weil die Politiker Geld für Waffen und Kriegsschiffe ausgeben, anstatt in Bildung zu investieren und die Renten zu sichern.

Und dann kommen Lysistrata und ihre Mitstreiterinnen auf die Idee, sich in der Akropolis zu verschanzen und aus Protest ihren Männern die körperliche Liebe zu verweigern. Krieg oder Liebe - so lautet die Alternative.

Den jungen Darstellern fiel anfangs die Aufgabe zu, sich mit den historischen Hintergründen der Urfassung zu beschäftigen und die Übertragbarkeit auf aktuelle Verhältnisse auszuloten. Ziel dabei war es, im Sinne des Bundesprojektes "Jugend für Demokratie und gegen Extremismus" das eigene Bewusstsein für die politischen Gegebenheiten zu schärfen. Die Jugendlichen erkannten: Bis heute gibt es sinnlose Kriege, auch den Kleinkrieg über den Gartenzaun hinweg oder in anderen persönlichen Bereichen.

Die Sporthalle auf dem Scheersberg wird für die Aufführung in ganzer Breite genutzt, "denn der Raum spielt mit", betont Regisseurin Cornelia Walter. Das Publikum überblickt das mal turbulente, mal nachdenklich stimmende Geschehen von oben von der Tribüne aus.

Die Premiere findet am heutigen Freitag ab 19 Uhr in der Halle statt. Weitere Aufführungen sind dort für am morgigen Sonnabend ab 19 Uhr, und am Sonntag, 4. August, ab 16 Uhr terminiert. Der Eintritt ist frei. Auf eine Tournee zu anderen Spielorten wird laut Cornelia Walter aus konzeptionellen und theaterpädagogischen Gründen verzichtet.

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