„Knittel“ und die unvollendete Mission

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Kommodore Hans-Jürgen Knittlmeier verlässt das Taktische Luftwaffengeschwader 51 / Wird Jagel schon bald zum Standort für Kampfdrohnen?

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02. Juli 2014, 15:22 Uhr

Es ist eine Ironie des Schicksals. Ausgerechnet in der Woche, in der das Taktische Luftwaffengeschwader 51 einen neuen Kommodore bekommt, flammt die politische Debatte über die Anschaffung von Drohnen für die Bundeswehr wieder auf. Dreieinhalb Jahre hat Oberst Hans-Jürgen Knittlmeier an der Spitze der „Immelmänner“ für die Stationierung von unbemannten Flugzeugen in Jagel gekämpft. Bevor er im Dezember 2010 die Führung des Geschwaders übernahm, hatte er bereits drei Jahre lang im Führungsstab der Luftwaffe an der Einführung von sogenannten UAV (Unmanned Aerial Vehicle) gearbeitet.

Wenn der 50-Jährige morgen bei einem feierlichen Appell das Kommando an Oberst Michael Krah übergibt, sucht man UAVs auf dem Fliegerhorst vergeblich. Dabei war für etliche Millionen Euro bereits alles hergerichtet, um die Langstrecken-Drohne „Euro Hawk“ in Jagel zu stationieren – bis der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière im Mai vergangenen Jahres das Projekt wegen Problemen bei der Zulassung stoppte. Die Nachricht vom Aus für den „Euro Hawk“ ereilte Knittlmeier im fernen Afghanistan. Fast 5000 Kilometer Luftlinie vom heimischen Standort entfernt. „Das war natürlich enttäuschend. Man fühlt sich ohnmächtig, wenn man dann so weit weg ist“, erinnert er sich. „Allerdings hätte ich selbst dann nichts mehr ausrichten können, wenn ich hier vor Ort gewesen wäre. Es war eine politische Entscheidung.“ Dabei könne er bis heute nicht nachvollziehen, warum die Zulassung für den „Euro Hawk“ nicht erteilt wurde, betont Knittlmeier. „Es gab keine unüberbrückbaren Hindernisse.“

Trotz der unvollendeten Drohnen-Mission zieht Knittlmeier eine positive Bilanz seiner Zeit als Kommodore. „Das Wichtigste ist, dass wir es im Zuge der Strukturreform geschafft haben, den Standort Kropp/Jagel nicht nur zu erhalten, sondern sogar zu stärken.“ Ein Höhepunkt sei zudem Anfang 2013 das erfolgreiche Manöver „Forceval“ gewesen – die Überprüfung durch die Nato, die die deutsche Luftwaffe unter Federführung der „Immelmänner“ mit Bravour bestand.

Besonderen Wert hat der zweifache Familienvater Knittlmeier auf das Verhältnis seines Geschwaders zu den Umlandgemeinden gelegt. „Gut war das Verhältnis schon immer, aber ‚Knittel‘ hat es nochmal einen Tick persönlicher gemacht“, sagt etwa Kropps Bürgermeister Reinhard Müller. „Es herrschte stets ein familiärer Ton, auch wenn jeder seine Auffassung zu vertreten hatte.“ Knittlmeier lud die Bürgermeister samt Partner auch schon mal zu sich nach Hause in Fockbek ein. Die meisten Dorfchefs sind mit dem Kommodore per Du, nennen ihn kurz „Hajü“ oder eben „Knittel“. „Wenn man offen ist und auf die Menschen zugeht, kriegt man auch was wieder“, findet Knittlmeier.

Wenn der gebürtige Bayer nun ins Planungsamt der Bundeswehr nach Berlin wechselt, geht für ihn deshalb auch „ein bisschen Heimat verloren“. Vor allem aber wird dem Tornado-Piloten das Fliegen fehlen. „Ich habe einen der wenigen Berufe, in denen Profession und Hobby zusammenkommen.“ Auf jeden Fall will er seinen Pilotenschein umschreiben lassen, um privat weiterfliegen zu können.

Umstellen muss sich der Offizier im Generalstab auch in seiner neuen Tätigkeit. „Statt 1500 Untergebene habe ich künftig nur noch sieben.“ Knittlmeier wird sich im Planungsamt mit der Weiterentwicklung der Luft- und Weltraumfahrt beschäftigen. „Das ist total theoretisch.“ Auf jeden Fall gehört aber auch das Thema unbemannte Luftfahrt weiter zu seinem Aufgabenbereich. Und da will Knittlmeier nicht lockerlassen. „Ich habe schon damit gedroht, dass ich in Berlin die parlamentarischen Abende besuche“, sagt er und lacht.

Die unbemannte Fliegerei sei für die Zukunft des Standortes Jagel wichtig, schiebt der scheidende Kommodore mit nachdenklichem Ton hinterher. „Die Frage ist: Was kommt nach dem Tornado?“ Der Jet soll bis 2035 weiter genutzt werden. Dabei geht es nicht nur um große Drohnen wie den „Euro Hawk“, der zur Signal-erfassenden Aufklärung gedacht war. Weil Ende dieses Jahres der Afghanistan-Einsatz endet, muss sich die Politik auch Gedanken über einen Ersatz für die Überwachungsdrohne „Heron 1“ machen. Die von Israel geleasten Flieger werden von der Bundeswehr bislang ausschließlich am Hindukusch eingesetzt – gesteuert von Jageler Piloten.

Airbus will gemeinsam mit zwei weiteren Rüstungskonzernen eine europäische Drohne mit Namen „Male 2020“ bauen. Die aber dürfte kaum vor dem Jahr 2025 einsatzfähig sein, mutmaßt Knittlmeier. „Wichtig ist, dass wir eine Überbrückungslösung hinkriegen.“ Dafür hat sich aktuell auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ausgesprochen – und sogar dafür plädiert, die UAVs gegebenenfalls zu bewaffnen. Damit könnte Jagel in absehbarer Zeit zur Basis von umstrittenen Kampfdrohnen werden. Knittlmeier durfte die Sätze seiner obersten Dienstherrin gestern auf Geheiß seines Ministeriums nicht kommentieren. Er wird aber kaum unzufrieden sein, ist seine Maxime doch bekannt: „Es macht grundsätzlich Sinn, dass ich eine Drohne, die ich im Einsatz habe, auch bewaffnen kann.“

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