Kappeln : Kleine Schritte zum Klimaziel

In regelmäßigem Einsatz ist das Pedelec bereits. Silja Thimsen (r.) nutzt es am häufigsten, Ingo Gutzmann und Insa Krempin haben auch Gelegenheit dazu.
In regelmäßigem Einsatz ist das Pedelec bereits. Silja Thimsen (r.) nutzt es am häufigsten, Ingo Gutzmann und Insa Krempin haben auch Gelegenheit dazu.

Die Mitarbeiter im Regionalzentrum können künftig ein Elektrofahrrad nutzen – ein Schritt zur angepeilten CO2-Ersparnis.

shz.de von
20. Juni 2018, 07:00 Uhr

Der Kirchenkreis Schleswig-Flensburg geht mit gutem Beispiel voran: Klimaschutz soll dort nicht nur eine Worthülse sein, vielmehr arbeitet man seit einigen Monaten aktiv daran, dem theoretischen Prinzip ganz praktische Handlungen folgen zu lassen. Die jüngste: ein Elektrofahrrad.

Das Ziel ist festgeschrieben: Laut eigenem Klimaschutzgesetz will die Nordkirche bis zum Jahr 2050 klimaneutral sein. Das geschieht allerdings nicht, wenn die dazugehörigen Menschen so weitermachen wie bisher. Also hat der Kirchenkreis Ende vergangenen Jahres mit Insa Krempin eine Klimaschutzmanagerin eingestellt, die auch ein bisschen Gewissensarbeit leisten soll. Ganz konkret hat sich der Kirchenkreis drei Säulen vorgenommen, an denen gearbeitet wird: Regionalzentrumsleiter Ingo Gutzmann nennt etwa die Beschaffung (also wie kauft man möglichst nachhaltig ein?) und den Themenkomplex Gebäude und Energie (also energetische Sanierung). Dritte Säule ist die Mobilität – „und auch da gibt es verschiedene Ansätze und Konzepte“, sagt Gutzmann. So habe man beispielsweise eine spezielle Videosoftware angeschafft, um Mitarbeitern an zwei unterschiedlichen Orten das direkte Gespräch zu ermöglichen, ihnen aber gleichzeitig die Fahrerei von A nach B zu ersparen. Und der Umwelt damit unnötigen CO2-Ausstoß.

Und jetzt also ein Elektrofahrrad. Genutzt werden soll es für Dienstfahrten innerhalb Kappelns. Vor allem Silja Thimsen nutzt es bereits rege, um vom Regionalzentrum in der Wassermühlenstraße zum Familienzentrum in der Ellenberger Straße zu gelangen. Ihr Büro hat Thimsen im Regionalzentrum, mindestens dreimal wöchentlich allerdings wird sie in Ellenberg gebraucht, wo das Familienzentrum seine Angebote bereithält. Ausgestattet mit Fahrradhelm und Satteltaschen macht sie sich dann auf den Weg und sagt: „Ich habe schon festgestellt, dass man, wenn man als Radfahrer vor der Brücke steht, schneller wieder vorwärts kommt, wenn sie wieder schließt.“ Zudem habe sie gespürt, dass die Kinder im Familienzentrum durchaus wahrnehmen, dass sie seit einiger Zeit mit dem Rad anreist statt mit dem Auto. Für Insa Krempin sind damit gleich zwei Aspekte gleichzeitig abgedeckt: „Das Fahrrad hat sowohl einen praktischen Nutzen und schärft das Bewusstsein für umweltfreundliches Verhalten.“

Maximal 25 Stundenkilometer schafft das Pedelec, die Kirchenkreis-Mitarbeiter können es online oder nach Absprache buchen. Und Silja Thimsen kann von einem autoaffinen Kollegen berichten, der sich inzwischen privat ein Elektro-Fahrrad zugelegt hat. Er ist das beste Beispiel dafür, was sich Insa Krempin erhofft: „Natürlich möchten wir so ein Pedelec auch in anderen Kirchenkreis-Standorten einführen“, sagt die Klimaschutzmanagerin. Ingo Gutzmann allerdings ahnt, dass dazu mehr nötig ist. „Bequemlichkeit geht auf Kosten der Umwelt“, sagt der Leiter des Regionalzentrums. „Klimaschutz bedeutet daher, seinen Lebensstil zu hinterfragen.“ Technischer Wandel sei das eine, sozialer Wandel das andere. Insa Krempin spricht daher vom Klimaschutz als Prozess, zu dem auch echte Bildungsarbeit gehört. Und viel Analyse, etwa in Kooperation mit der Uni Flensburg, mit deren Hilfe man Anzahl und Richtungen der anfallenden Dienstfahrten mit dem Auto innerhalb des Kirchenkreises sammeln will. Daraus können dann, so wünscht es sich Krempin, dicht an der Realität Handlungsempfehlungen abgeleitet werden. Ingo Gutzmann sagt: „Zum Klimaschutz gehört ein großes Stück Bewusstseinswandel. Nur mit dem Fahrrad zu fahren, reicht nicht. Aber damit fangen wir an.“

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