Turboabitur - ja oder nein? : Klaus-Harms-Schule will den G 8-Weg gehen

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22. Februar 2011, 08:03 Uhr

Kappeln | Nach Inkrafttreten der Schulnovelle Ende Januar sollten Gymnasien entscheiden, ob sie ihren Schülern künftig das Abitur nach acht Jahren, nach neun oder gar auf beiden Wegen ermöglichen wollen. G 8, G 9, G Y lautete die neue Terminologie, die fortan auch in der Klaus-Harms-Schule diskutiert wurde - bis zum vergangenen Mittwochabend. Seit diesem Zeitpunkt steht fest: Die Stadt folgt als Schulträger dem Wunsch der Schulleitung, künftig ausschließlich G 8 als Bildungsweg zum Abitur anzubieten. Lediglich die Schulkonferenz hatte sich gegen G 8 ausgesprochen.

Bereits zum Schuljahr 2008/09 hatte das Gymnasium den Weg zum Abitur nach acht Jahren eingeschlagen - entsprechend den Kieler Vorgaben. Nach der erneuten Gesetzesänderung stand nun die endgültige Entscheidung über den Bildungsgang an. Dabei war die Marschroute der Schulleitung klar: "Wir können unseren Schülern den schnellen Durchlauf nicht verwehren", erklärte Dietmar Hilscher, stellvertretender Schulleiter der Klaus-Harms-Schule, während der Sitzung des Ausschusses für Jugend, Kultur, Sport und Schulen (JKSS). Deshalb schließe die Schulleitung G 9 als alleinige Variante aus, "allenfalls G Y" sei denkbar. Tatsächlich führt die Schule eine ganze Reihe von Argumenten an, die in ihren Augen das G 8-Modell unterstützen. Grundsätzlich spricht sie von einer "akzeptablen Arbeitsbelastung" für die Schüler und davon, mit den schon existierenden G 8-Jahrgängen (fünfte bis siebte Klasse) "gute Erfahrungen" gemacht zu haben. So haben die Fünftklässler im ersten Halbjahr gar keinen, die Sechstklässler lediglich an einem Tag Nachmittagsunterricht. Des Weiteren würde die gesamte Schullaufbahn stringenter auf den Abschluss ausgerichtet sein. Der Abschluss selber würde durch die gleichlange Schuldauer vor allem europaweit besser vergleichbar.

Während die Schulkonferenz, ein Gremium aus Eltern, Lehrern und Schülern, der G 8-Variante als alleinigem Weg nicht folgen wollte - nach Angaben der JKSS-Vorsitzenden Dagmar Ungethüm-Ancker (CDU) votierte man dort mit einer Ein-Stimmen-Mehrheit gegen den Vorschlag der Schulleitung -, sprach sich zunächst der JKSS-Ausschuss und unmittelbar danach die Stadtvertretung für den achtjährigen Bildungsgang aus. Dabei betonte Schulverbandsvorsteherin Marta Kraft (CDU), dass ein Gymnasium, das das Abitur auch nach neun Jahren anbieten würde, ein Schwächung der Gemeinschaftsschule bedeute. Denn: Schüler, die sich mehr Zeit bis zum Abitur nehmen wollen, können zunächst die Gemeinschaftsschule bis zur zehnten Klasse besuchen, im Anschluss zum Gymnasium wechseln und dort die Klassen zehn bis zwölf absolvieren. Auf diese Weise verbringen sie unterm Strich neun Jahre in den weiterführenden Schulen. Kraft: "De facto haben wir also G 9 über die Gemeinschaftsschule und das BBZ und G 8 über die Klaus-Harms-Schule." Hinzu komme der nun gerade abgesegnete und mit 2,2 Millionen Euro veranschlagte Anbau an die Gemeinschaftsschule. "Auch das haben wir mit Blick auf die Schülerentwicklungszahlen getan", sagte Kraft.

Lauter Worte, die Dietmar Hilscher gerne hörte. "Ich hab gedacht, ich müsste unseren G 8-Entscheid verteidigen", sagte der stellvertretende Leiter des Gymnasiums mit einem Lächeln auf den Lippen. Dass sein G 8-Plädoyer allerdings zu keinem Moment gefordert war, wurde spätestens dann klar, als auch Britta Pichatzek, Leiterin der Gemeinschaftsschule, erklärte, man solle bei allen Entscheidungen immer den Schulstandort Kappeln im Blick haben. "Und genau deshalb ist G 8 die nachhaltigste Lösung", sagte Pichatzek, "weil wir uns so gegenseitig stärken. Sonst entsteht eine Konkurrenz zwischen uns."

Diesen Gedanken griff Dietmar Hilscher vor den Stadtvertretern noch einmal auf. "Keine Schule will der anderen etwas wegnehmen", betonte Hilscher. Aus Sicht eines gut aufgestellten Schulstandorts sei daher ein G 8-Gymnasium und eine Gemeinschaftsschule, die G 9 ermöglicht, das Sinnvollste. Bürgervorsteher Jürgen Seemann wies zusätzlich darauf hin, dass sämtliche Schulbücher für G 9 für die unteren Jahrgänge nicht mehr vorhanden seien und daher neu angeschafft werden müssten - "und wir müssen auf die Kosten achten", sagte Seemann.

Während der JKSS-Ausschuss einstimmig für den achtjährigen Bildungsgang votierte, fiel die Abstimmung in der Stadtvertretung gemischt aus: 16 Ja-Stimmen standen vier Nein-Stimmen (LWG und Grüne) gegenüber. Alle Beschlüsse werden nun dem Kieler Bildungsministerium vorgelegt, dort fällt die endgültige Entscheidung.

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