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Abitur in Kappeln vor 50 Jahren : Klassentreffen dank „Stayfriends“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

16 ehemalige Kappelner Abiturienten sehen sich nach 50 Jahren wieder. Nur noch einer von ihnen lebt heute in der Schleistadt

Kappeln | Von den 24 Abiturienten des Jahrgangs 1967 sind 16 nach Kappeln gekommen, um sich wiederzusehen, zu klönen und zu hören, was aus den anderen geworden ist. „Ich habe fast alle gleich wiedererkannt“, freut sich Volker Schwerdt. Er ist der Einzige, der in Kappeln lebt. Das allerdings nicht „immer noch“ sondern „endlich wieder“, wie er betont. Er war es auch, der die Idee zu dem Klassentreffen hatte und überlegt hat, wie er die ehemaligen Mitschüler ausfindig machen könnte.

Der erste Schritt war ein Sucheintrag auf der Internetplattform „stayfriends.de“. Den hat zufällig Mitschüler Werner Koch entdeckt. Und der war begeistert von der Idee und hat selbst gleich intensiv mit der Suche losgelegt. „Ich hatte noch die uralte Telefonnummer von Ilse Jessen aus Schönhagen. Da habe ich ihre Mutter erreicht und konnte so den Kontakt wieder herstellen“, erzählt er. „Ilse wusste wiederum zwei Adressen. Einige habe ich über das Internet gefunden. Einmal habe ich auf gut Glück an die alte Adresse einer Mitschülerin einen Brief geschrieben. Ich wusste nicht mal, wie sie jetzt heißt. Aber: Vollteffer! Sie war es.“
Langsam aber sicher hat er so alle aufgespürt. Einer ist inzwischen gestorben. Nicht alle hatten Zeit zum Treffen zu kommen, aber alle haben sich riesig darüber gefreut, dass es stattfindet. Und das sei der beste Ansporn gewesen, weiterzumachen, erklärt Koch.

Einer ist dabei, der hat gar kein Abi gemacht. Er ist unser „special guest“, sagt Schwerdt. Klaus-Rudolf Bauer ist in der 11. Klasse abgegangen. „Mein Physiklehrer hat mir geraten, das mit dem Abi lieber sein zu lassen“, erzählt Bauer. „Geh in die Wirtschaft, hat der gesagt. Ich bin dann Im- und Exportkaufmann geworden. Ich hatte eigentlich vor nach Lateinamerika zu gehen. Vorher wollte ich aber in Barcelona Spanisch lernen.“ Da ist er hängen geblieben und bis heute auch ohne Abitur sehr glücklich.

Maike Frank ist eines der zwölf Mädchen der damaligen Abschlussklasse. Sie hat gemeinsam mit ihrem Bruder Volker Schwerdt die Schulbank gedrückt. Der war einmal hängengeblieben. „Wir waren dadurch besonders eng miteinander, haben immer nebeneinander gesessen und voneinander abgeschrieben.“ Dabei sollte sie nach den Vorstellungen ihrer Eltern gar nicht aufs Gymnasium gehen. „Ich war ja ein Mädchen. Das war damals eben noch so. Da musste erst der Pastor kommen und mit ihnen reden.“ Abitur machen war etwas Besonderes, so Frank. „Es gab auch noch so eine Art Klassendünkel. Natürlich gingen die Kinder der Kappelner Geschäftsleute auf die Oberschule. Aber mein Vater war ja nur kaufmännischer Angestellter. Die sozial Schwächeren wurden nicht so gefördert, wie das heute der Fall ist“, stellt Frank fest. Sie wurde Grundschullehrerin und ist in Heide sesshaft geworden. „Aber mein Herz hängt immer noch an Kappeln“, gesteht sie lachend. Einer aus der von ihr beschriebenen „sozial höheren Klasse“ war Dirk Weiland. Sein Vater war der Direktor der heutigen Hypovereinsbank am Rathausplatz. „Nach dem Abi musste ich natürlich 18 Monate zur Bundeswehr“, erinnert sich Weiland. „Danach habe ich in Göttingen und Kiel studiert und bin, wie alle meine Geschwister, Lehrer geworden. Meine jüngere Schwester hat sogar meinen Sportlehrer geheiratet. Der war in Ordnung.“ Ansonsten fällt das allgemeine Urteil über die damaligen Lehrer eher verhalten aus. Trotzdem sind die meisten aus der Klasse selbst Lehrer geworden. Und fast alle sind in Norddeutschland geblieben.

Nach einem netten Abend im Restaurant „Aurora“ ging es am Sonnabend auf einen Schleitörn und anschließend auf eine fröhliche Erinnerungstour durch die immer noch vertrauten Gänge in „ihrem“ Klaus-Harms-Gymnasium in der Kirchstraße. Heute ist in dem alten Schulgebäude das Berufsbildungszentrum (BBZ) untergebracht und so führte dessen Leiter Uwe Schürch die Jubilare durch die Räumlichkeiten und erläuterte, was sich in den letzten 50 Jahren alles verändert hat.

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