zur Navigation springen
Schlei-Bote

11. Dezember 2017 | 22:10 Uhr

Schwansen : Klares Nein zum schwarzen Gold

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Damps Bau- und Planungsausschuss spricht sich gegen Erdöl- und Erdgasbohrungen aus. Bürgermeister Horst Böttcher sieht Gefahr für die Wasserversorgung.

shz.de von
erstellt am 28.Aug.2014 | 13:15 Uhr

Die Gemeinde Damp lehnt die Erschließung von Erdgas und Erdöl durch Fracking entschieden ab. „Ich werde kämpfen bis zum Letzten“, lauteten die klaren Worte des Damper Bürgermeisters Horst Böttcher (SPD) auf der Sitzung des Bau- und Planungsausschusses am Dienstagabend in der Außenstelle des Amtes Schlei-Ostsee.

Hintergrund dieser Empfehlung für die Gemeindevertretung ist ein Anfang August beim Bergbauamt Clausthal-Zellerfeld eingegangener Antrag. In dem Schreiben der deutsch-norwegischen Firma Central Anglia wird mitgeteilt, dass man um die Genehmigung eines sogenannten „Claims“ für Erdöl und Erdgas im Gebiet Eckernförder Bucht ersuche. „Der Claim in diesem Suchgebiet befindet sich rund 500 Meter bis einen Kilometer von unseren Peil- und Förderbrunnen entfernt“, erläuterte Böttcher. Als Bürgermeister und Verbandsvorsteher des Wasserbeschaffungsverbandes (WBV) Mittelschwansen sieht er durch die Fracking-Technik die „sehr öffentlichen Interessen“ sowohl von Gemeinde als auch von Bürgern mehr als gefährdet. Allerdings hat die Central Anglia die Methoden des Fracking und der Kohlenstoffdioxid-Speicherung (CCS) bislang ausdrücklich ausgeschlossen.

Dennoch ist die Verunsicherung in Damp groß. Durch die Bohrungen und das Fracking mit umwelttoxischen Substanzen befürchtet Böttcher eine Vergiftung der Brunnen des Verbandes. „Die Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser wiegt weitaus mehr als die Förderung von einigen Tropfen Öl“, gab Böttcher sich kämpferisch. Mit dieser Aussage fand er nicht nur die Zustimmung des Ausschussvorsitzenden Jürgen Zinkmann (SPD), sondern aller Ausschussmitglieder.

Die Gemeinde ist gewarnt. Denn in Schleswig-Holstein sind für mindestens 20 Prozent der Landesfläche Erlaubnisse und Bewilligungen zur Förderung von Kohlewasserstoffen beantragt und teilweise auch schon erteilt worden. Laut Auskunft des Amtes sind diese ohne Beteiligung der betroffenen Kommunen erfolgt – obwohl die Gesetzeslage des Bergbaurechts eine Gelegenheit zur Stellungnahme vor der Entscheidung über die Verleihung einer Bergbauberechtigung vorsieht. So erfolgten im November 2009 bis März 2010 bereits seismische Untersuchungen der Firma RWE Dea AG im Kreis Plön, für die ein Betriebsplanverfahren ohne Beteiligung der betroffenen Kommunen erfolgte. Genau diese Entwicklung will die Gemeinde Damp verhindern. Sie will ihr Recht auf Erteilung der Erlaubnisse (Erlaubnisverfahren nach Paragraf 12 Absatz 2 im BundesBergbau-Gesetz) in Anspruch nehmen, der Fracking-Technik eine klare Absage erteilen und die Erlaubnis versagen.

Rund 35 000 Menschen werden im Sommer in Spitzenzeiten mit sauberem Trinkwasser des WBV Mittelschwansen versorgt. Bürger der verbandsangehörigen Gemeinden Barkelsby, Damp, Fleckeby, Güby, Gammelby, Holzdorf, Hummelfeld, Kosel, Loose, Rieseby, Thumby, Waabs und des Windebyer Ortsteils Kochendorf genießen dann das frische Nass genau so wie die zahlreichen Touristen in Schwansen. Aus fünf Tiefenbrunnen aus 160 bis 200 Meter Tiefe werden jährlich rund 1,3 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert.

Die Gemeinde befürchtet durch die engmaschige Bohrtechnik und das Fracking eine mögliche „Vergiftung unserer Brunnen und damit unseres Trinkwassers“, so Böttcher. Ein Horror-Szenario für die Region und ihre Bürger, das sich in der Ausschusssitzung niemand so recht ausmalen wollte. „Wasser ist Leben“, so Böttcher in seiner Kampfansage. Er rief alle dem WBV angehörigen Gemeinden dazu auf, sich hinter den Wasserbeschaffungsverband zu stellen und ihre Ablehnung öffentlich zu bekunden.

Die Gemeinde Damp stellt eine wesentliche Forderung: „Die Wasserbehörde muss nach Form und Inhalt uneingeschränkt mit der von der Bergbehörde in Aussicht genommenen Entscheidung einverstanden sein, was voraussetzt, dass ihr die Unterlagen so vollständig vorliegen müssen, dass ihr eine ordnungsgemäße Prüfung möglich ist.“

Mit ihrer Ablehnung der Erschließung von Erdgas und Erdöl durch die Fracking-Technik verbindet die Gemeinde Damp die Aufforderung an die Landesregierung, Fracking in jeder Form so lange zu verbieten, bis ein wissenschaftlicher und technischer Stand erreicht ist, der Gefahren durch diese Technik sicher ausschließen kann. Fracking mit umwelttoxischen Substanzen sollte grundsätzlich verboten werden.

Weiter heißt es: Es sollten keine Genehmigungen für das Verpressen von "Flow-back" und Formationswasser in den Untergrund erteilt werden. Sollte der Gemeinde Damp Schäden in Zusammenhang mit bergrechtlichen Genehmigungen zustoßen, will sie „die Landesregierung für alle Schäden in Haftung nehmen, wenn die Gemeinde nicht in vollem Umfang nach Recht und Gesetz im Vorwege beteiligt wurde oder Genehmigungen unter Verstoß gegen geltendes Recht erteilt wurden“ – so die Beschlussempfehlung des Ausschusses.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert