Kappeln : Klappbrücke, weil es anders nicht klappte

Die heutige Klappbrücke lässt in geschlossenem Zustand den nahezu ungestörten Blick auf das andere Schleiufer zu. In den jahrelangen Diskussionen vor Fertigstellung des Bauwerkes gab es auch ganz andere Überlegungen. Foto: maschmann
Die heutige Klappbrücke lässt in geschlossenem Zustand den nahezu ungestörten Blick auf das andere Schleiufer zu. In den jahrelangen Diskussionen vor Fertigstellung des Bauwerkes gab es auch ganz andere Überlegungen. Foto: maschmann

Zehn Jahre seit Einweihung des Bauwerkes vergangen / Gewagte Alternativen gab es viele - bis hin zum Bau eines Tunnels unter der Schlei

shz.de von
01. Dezember 2012, 08:26 Uhr

Kappeln | "Wer an den Vortagen am Hafen lustwandelte, der sah wohl Anzeichen des Kommenden, jenes emsige Tun und Treiben, das jeder Vorbereitung für große Tage eigen ist. Aber nicht entfernt konnte er ahnen, welch gewaltigen, würdigen Rahmen die Stadt Kappeln für den Festakt schaffen würde . . ."

Mit diesen Worten schwärmte der Berichterstatter des Schlei Boten zur Einweihung der Drehbrücke am 15. März 1927. Diese Worte hätte man auch problemlos 75 Jahre später wieder aufgreifen können, nämlich zur Einweihung der Klappbrücke. Gab es am Sonntag, den 1. Dezember 2002, ein ganztägiges Brückenfest für alle Kappelner Bürger und Vereine, folgte einen Tag später, am 2. Dezember 2002, die offizielle Verkehrsfreigabe der neuen Klappbrücke.

Das ist nun schon zehn Jahre her, und mittlerweile dürften sich auch diejenigen, die zunächst der alten Drehbrücke nachtrauerten, an die elegant und flach über die Schlei geführte Klappbrücke gewöhnt haben. Es hätte allerdings auch ganz anders als elegant und flach kommen können, denn schon in den 1960er-Jahren hatte man sich Gedanken um eine Drehbrücken-Nachfolgerin gemacht, und die hätte auch ganz anders aussehen können. Es wurde sogar ein Tunnel unter der Schlei in Erwägung gezogen; diese Idee wurde wegen der extrem hohen Kosten allerdings schnell verworfen. Dann dachte man an eine Hochbrücke, die bei Rabelsund über die Schlei geführt werden sollte. In Erwägung gezogen wurde auch eine Hochbrücke direkt in Kappeln, wobei in diesem Fall die Straßenanbindungen weit außerhalb der Stadt gelegen hätten. Eine flach geführte Brücke war ebenfalls von Anfang an in der Diskussion, jedoch fällte die Kappelner Stadtvertretung im Februar 1986 ein einmütiges Votum für eine "zweiflügelige Doppel-Waagebalken-Konstruktion". Eine solche Konstruktion mit hochliegendem Gegengewicht wird auch als "Holländerbrücke" bezeichnet, weil es eine große Anzahl solcher Klappbrücken in den Niederlanden gibt. Allerdings werden in den Niederlanden nur schmale Wasserwege überspannt, und für "Doppel-Waagebalken-Konstruktionen" großen Ausmaßes gab es keine Erfahrungswerte. Genau dies war dann der Grund, warum das Bundesverkehrsministerium im Jahr 1987 den Beschluss der Kappelner Stadtvertretung vom Vorjahr schlichtweg ablehnte. Eine solche Konstruktion sei zu störanfällig und würde zu häufigen Brückensperrungen führen, hieß es aus dem Ministerium. Es gab deshalb keine Alternative zu der uns jetzt bekannten "Zweiflügeligen-Doppel-Klappbrücken-Konstruktion", und nach jahrzehntelanger Planung erfolgte dann am 27. April 2000 in Anwesenheit des damaligen Schleswig-Holsteinischen Verkehrsministers Dr. Bernd Rohwer der "Erste Rammschlag". Nach gut zweieinhalbjähriger Bauzeit erfolgte die Verkehrsfreigabe der neuen Klappbrücke am 2. Dezember 2000.

Der ehemalige Kappelner Stadtrat Tramsen meinte im Jahr 1987, dass es ein solches Bauvorhaben in den nächsten 100 Jahren nicht mehr geben würde. Bleibt zu hoffen, dass die Brücke so lange durchhält.

Auf der folgenden Seite sind zwei Fotomontagen von Bauvorschlägen zu sehen, die nie realisiert wurden.

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