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Weidefelder Strand : Kite-Surfer rücken von „Unbelehrbaren“ ab

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Flensburger Club „Førdekiter“ und das Online-Portal „spotspy.net“ rufen zu gegenseitiger Rücksichtnahme auf.

Weidefelder Strand | Nach den jüngsten Vorfällen am Weidefelder Strand bei Kappeln (Kreis Schleswig-Flensburg) sieht sich der Kite-Surf-Sport mit teils erheblicher Kritik konfrontiert. Dass Strandpächter Theo Kalmar daraufhin sogar deutlich formuliert hatte, den Kitern notfalls den Zutritt zu seinem Strand zu verweigern, wenn sie sich nicht besser im Griff haben, hat in der Szene die Runde gemacht. Die Sportler fürchten um ihren Spot – so nennen sie die Surfreviere, an denen das Kiten aufgrund idealer Windverhältnisse besonders viel Spaß macht. Gleichzeitig machen sie aber klar: So ein Verhalten wie am Weidefelder Strand wollen auch sie nicht dulden.

Es war eine Handvoll Kiter, die entweder durch eine klar markierte Badezone gefahren sind oder Strandbesucher durch ungeschicktes Verhalten mit ihren Drachen in teils echte Bedrängnis gebracht haben. Vor allem ein Kiter ist offenbar ausfallend geworden, nachdem man ihn auf seinen Fehler aufmerksam gemacht hatte. Für Mirko Semmler sind diese Situationen alles andere als hinnehmbar. Gemeinsam mit Marc Arzt und Toni Gurski betreibt er das Kite-Surf-Portal spotspy.net, das auch den Weidefelder Strand als Kite-Revier listet. Und er sagt klar: „Es ist ein Unding, dass jemand mit Karacho durch die Badezone fährt.“

Die Datenbank auf spotspy.net umfasst 584 Kite-Surf-Spots weltweit. Zu finden sind dort Angaben zur vorherrschenden Windrichtung, Art der Wellen und für welche Kiter sich der Spot am ehesten eignet, also etwa Anfänger, Fortgeschrittener oder Experte. Einige Spots allerdings sind mittlerweile aus der Liste wieder verschwunden – Kiter sind dort inzwischen unerwünscht. Manchmal hat das naturschutzrechtliche Gründe, hin und wieder aber ist das Verhalten der Sportler schuld. Mirko Semmler nennt Beispiele: In St. Peter-Ording wurden etwa vor inzwischen zwei Jahren meterhohe Pfähle in den Boden gesetzt, die die Badezone von der Wassersportzone trennen. Auch dort waren rücksichtlose Kiter zwischen die Badenden gefahren. In Surendorf bei Rendsburg wurde derweil erst vor wenigen Wochen ein komplettes Kite-Verbot durchgesetzt. Der Schutz der Badegäste hatte nach einigen Vorfällen Vorrang.

„Unser Sport ist in den vergangenen Jahren extrem populär geworden“, sagt Semmler. „Wir erleben einen enormen Zulauf.“ Das Problem: Je weniger Spots der wachsenden Zahl an Kitern zur Verfügung stehen, desto voller wird der Himmel am einzelnen Strand. Auch deshalb pocht Semmler vehement darauf, dass sich die Sportler an Regeln halten. „Wenn eine Handvoll Kiter quer schießen, hat das Konsequenzen für uns alle“, sagt er.

Fabian Sösemann und Nadine Klemm empfinden das ähnlich. Den beiden Vorstandsmitgliedern des Flensburger Vereins „Førdekiter“ ist es wichtig zu betonen, dass es mehr Kiter gibt, die wissen, was sich gehört als solche, die das nicht tun. Sösemann sagt: „Es gibt ein paar Unbelehrbare, mit deren Fehlverhalten wir dann alle zu kämpfen haben.“ Die beiden Flensburger sind so etwas wie gebrannte Kinder, wenn es um drohende Spot-Schließungen geht: Ihr Verein ist 2006 aus einer Initiative heraus entstanden, als Kitern der Zugang zum Strand von Holnis verwehrt werden sollte. Damals wie heute sind die beiden überzeugt: Bessere und offensichtliche Hinweise für Kiter und Badende gleichermaßen sind dringend erforderlich.

Fabian Sösemann weiß aber: „Wir sind die Gefährdung am Strand, wir müssen mehr aufpassen als die Badegäste.“ Gleichzeitig appelliert er auch an Rücksicht und Verständnis der Badenden, die sich oftmals der Risiken, die von einem Kiter ausgehen können, gar nicht bewusst seien. Nadine Klemm formuliert das in anschaulichen Worten: „Ich stelle mich ja auch nicht mitten auf die Straße zwischen all die Autos.“ Hinweistafeln, klarere Kennzeichnungen, im Idealfall auch eine farblich eindeutigere Abgrenzung der Badezone – das könnten die Grundlagen für ein besseres Miteinander am Strand sein. „Damit die Kiter die Badezone klar erkennen und die Badenden nicht blindlings in die Leinen der Kiter hineinschwimmen“, sagt Klemm. Vielleicht sogar ein Bereich, innerhalb dessen ab einer gewissen Windgeschwindigkeit Badeverbot herrscht, damit dort Kiter den Vorrang genießen – zumal Sösemann immer wieder, und auch jetzt bei einem Blick auf die Ostsee am Weidefelder Strand, feststellt, dass sich Badende auch die markierte Kitezone zum Schwimmen aussuchen. „Wir haben in der Badezone nichts zu suchen, das ist richtig so“, sagt er. „Aber es gibt keinen Bereich, in dem Badende nichts verloren haben.“

Auch Mirko Semmler stellt sich so etwas wie eine Checkliste vor, aus der klar hervorgeht, was ein Kiter tun darf, was nicht, aber auch, worauf andere Badegäste achten sollten, wenn sie sich den Strand mit Kitern teilen. Allen dreien geht es um gegenseitige Rücksicht, die dazu beitragen soll, den Kitern ihre Spots und am Ende ihren Sport zu erhalten.

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erstellt am 07.Aug.2014 | 07:30 Uhr

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