Weidefelder Strand : Kite-Surfer bringen Badegäste in Gefahr

Ein Himmel ohne Kite-Surfer könnte am Weidefelder Strand vielleicht Wirklichkeit werden. Einige erschweren die Arbeit der DLRG erheblich.
Ein Himmel ohne Kite-Surfer könnte am Weidefelder Strand vielleicht Wirklichkeit werden. Einige erschweren die Arbeit der DLRG erheblich.

Am Weidefelder Strand ist ein Kiter mit hohem Tempo dicht an Schwimmern vorbeigerast. Der Betreiber denkt jetzt über ein grundsätzliches Verbot nach.

Rebecca_Nordmann-7304.jpg von
23. Juli 2014, 07:30 Uhr

In den vergangenen Tagen haben die Meldungen über Badeunfälle mit tödlichem Ausgang ein beängstigendes Maß angenommen. Doch offenbar kann der Aufenthalt in markierten Badezonen oder sogar am Strand ebenfalls gefährlich sein – das legen zumindest die Ereignisse am Weidefelder Strand vom vergangenen Sonntag nah. Kite-Surfer sollen am Nachmittag mehrfach mehrere Badegäste in bedrohliche Situationen gebracht haben. Offenbar ging die Gefährdung so weit, dass Strandpächter Theo Kalmar laut darüber nachdenkt, Kite-Surfer an seinem Strand grundsätzlich nicht mehr zu dulden.

Es war ein Leser unserer Zeitung, der sich zunächst per E-Mail später telefonisch meldete und seine Beobachtungen vom vergangenen Sonntag schilderte. In der Betreffzeile seiner Nachricht ist von „Lebensgefahr“ die Rede. Die auffälligste Situation betraf demnach einen Kite-Surfer, der „mehrfach mit Absicht mit sehr hoher Geschwindigkeit“ durch die mit weißen Bällen deutlich abgetrennte Badezone gefahren sei. Zu diesem Zeitpunkt haben sich, so beschreibt es der Strandbesucher aus Mohrkirch, etliche Badende in diesem Bereich befunden, und der Kite-Surfer habe einen Abstand von „zum Teil weniger als einem Meter“ eingehalten. Der Mohrkircher berichtet weiter, dass der junge Mann schließlich per Trillerpfeife und „persönlichem Körpereinsatz“ eines DLRG-Strandwächters an Land gebracht wurde. „Bei Ostwind ist es jedes Jahr dasselbe“, sagt unser Leser. „Es sind ein paar Chaoten, die glauben, sie hätten das Recht gepachtet.“ Gleichzeitig betont er, dass es am selben Nachmittag andere Kite-Surfer gegeben habe, die „vorbildlich im tiefen Wasser hinter der zweiten Sandbank“ geblieben seien.

Theo Kalmar hat den Vorfall zwar nicht selber gesehen, sich davon aber im Anschluss von seinem DLRG-Team berichten lassen. Und er bestätigt die Beobachtungen – mehr noch: Als der Kite-Surfer an Land zitiert wurde, habe er, so der Strandpächter, dem DLRG-Wachleiter Schläge angedroht. Kalmar: „Der Wachleiter hat ihn dann aufgefordert – und zwar auch in meinem Namen –, sofort das Grundstück zu verlassen.“ DLRG-Mann Hubert Koch war am Sonntag Zeuge des Zwischenfalls, und er erinnert sich ebenfalls an den Kiter, der „ohne Rücksicht“ durch die Badenden gefahren sei. Koch schätzt dessen Geschwindigkeit auf 50 Stundenkilometer.

Theo Kalmar räumt ein, dass es schwer sei, Kite-Surfer zu kontrollieren, aber er weiß um die Regeln, die diese Wassersportler zu beachten haben. Dazu gehöre etwa ein Mindestabstand von 300 Metern zur Badezone sobald sie eine Geschwindigkeit von acht Stundenkilometern erreichten. In der Badezone selber habe kein Kiter etwas zu suchen. „Die DLRG hat so schon genug zu tun“, sagt Kalmar, spricht von in jüngster Zeit veränderten Strömungsverhältnissen und einem bei bestem Wetter natürlich mehr als gut besuchten Strand. „Wenn jetzt auch noch die Kiter so viel Aufmerksamkeit binden, können die Wachläufer ihre eigentliche Aufgabe gar nicht mehr erfüllen“, befürchtet der Strandpächter.

Theo Kalmar ist selber leidenschaftlicher Windsurfer, hat nahe seiner früheren Surfschule ein Schild aufgestellt, darauf eine Surf- und Kite-Zone ausgewiesen. Dass es immer wieder Kiter gibt, die aus der Rolle fallen, macht er auch an einem ganz bestimmten Umstand fest. „Wir haben mit unseren Surfschülern früher umfangreich Theorie gepaukt, es ging um Transportfragen, Ausweichregeln, physikalische Grundsätze“, sagt er. „Heute geht es nur noch darum, den Leuten ein Fun-Erlebnis zu ermöglichen, Theorie spielt keine Rolle mehr.“ Dabei sei eben das immens wichtig, vor allem bei so starkem Badebetrieb wie er derzeit herrscht. Und Kalmar stellt klar: „Wenn sich die Kiter nicht reglementieren lassen, schieben wir notfalls einen Riegel davor.“ Der Strand ist Privatgrundstück, Hausrecht hat Kalmar beziehungsweise die DLRG. „Es wäre bedauerlich“, sagt der Strandbetreiber, „aber vielleicht nehme ich das Schild tatsächlich weg“.

So weit würde der Badegast aus Mohrkirch nicht unbedingt gehen – wenn er auch von weiteren Zwischenfällen am vergangenen Sonntag berichtet. So habe es unter anderem zwei junge Frauen gegeben, deren Drachen beim Startversuch entweder ins Wasser zwischen die Badenden oder auf Land zwischen eine Gruppe Strandbesucher gestürzt seien. Zudem sei ein Spaziergänger beinahe von den unter Zug stehenden Leinen eines Drachen erwischt worden, die – so die Einschätzung des Beobachters – durchaus in der Lage gewesen seien, schwere Verletzungen zuzufügen. Deshalb hat auch er eine eindeutige Forderung: „Ich wünsche mir mehr gegenseitige Rücksichtnahme aller Strandbesucher“, sagt der Mann. „Es kann doch nicht sein, dass eine Handvoll Leute das Urlaubsgefühl und die Sicherheit so vieler anderer torpedieren.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert