Nach dem Landeserntedankfest : Kirche und Landwirtschaft im Dialog

Auch nach Ende der Diskussion noch miteinander im Gespräch:  Ulrich Ketelholdt vom kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt, Bauernpräsident Werner Schwarz, die vortragende Dr. Magdalena Peinecke, Bischofsvertreter Gothart Magaard, Propst Helgo Jacobs und Stephan Gersteuer, Generalsekretär des Bauernverbandes (von links).
Auch nach Ende der Diskussion noch miteinander im Gespräch: Ulrich Ketelholdt vom kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt, Bauernpräsident Werner Schwarz, die vortragende Dr. Magdalena Peinecke, Bischofsvertreter Gothart Magaard, Propst Helgo Jacobs und Stephan Gersteuer, Generalsekretär des Bauernverbandes (von links).

Dass nach dem Landeserntedankfest Kirche und Landwirtschaft in den Dialog treten, ist gute Sitte. Und auch in diesem Jahr offenbarte sich großer Gesprächsbedarf.

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13. November 2013, 12:30 Uhr

Es ist Tradition, dass nach einem Landeserntedankfest in der zugehörigen Region ein Dialog zwischen Kirche und Landwirtschaft stattfindet. In diesem Jahr versammelten sich etwa 70 Vertreter von Bauernverbänden sowie kirchlichen Organisationen aus ganz Schleswig-Holstein in Ulsnis unter der Überschrift: Überlastung in Landwirtschaft und Kirche ?

„Was ich von Leuten aus der Landwirtschaft höre, ist, dass es nicht vorrangig die Arbeitsbelastungen der unmittelbaren Arbeit sind – also der große Zeitaufwand, die Abhängigkeit vom Wetter, die viele Planungsarbeit und mitunter große physische Anstrengungen“, die den Landwirten an die Substanz gingen, sagte Propst Helgo Jacobs in seiner Predigt beim vorgeschalteten Gottesdienst. Es seien vielmehr Preispolitik, Auflagen, Erlasse und negative Schlagzeilen – „also die Arbeitsvoraussetzungen“.

Den einleitenden Vortrag hielt Dr. Magdalena Peinecke, Ärztin für Präventiv-, Arbeits- und Umweltmedizin sowie Betriebsärztin der Nordkirche. Sie setzte sich dabei für eine Kultur der Wertschätzung und der Aufmerksamkeit in Familie, Beruf und Gesellschaft ein. Die anschließende von Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes, geleitete Gesprächsrunde brachte teilweise harsche Kritik an der Kirche. So begründete ein Landwirt seinen Kirchenaustritt mit dem Aufruf der Kirche zum Fleischverzicht. Der daraus resultierende Nachfragerückgang zwinge ihn, männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen zu töten. Ein anderer fühlte sich durch den Aufruf, Kirchenland nur an Biobauern zu verpachten, als konventioneller Landwirt an den Pranger gestellt. Und ein weiterer verweigerte das gemeinsame Mittagessen, weil betont wurde, dass alles ökologisch erzeugt worden sei.

Propst Jacobs vertrat die Ansicht, dass Kirche in diesem Konflikt, der auch unter den Landwirten herrsche, keine Stellung zu beziehen habe, aber das Forum stellen müsse, in dem man respektvoll und auf Augenhöhe miteinander reden könne. Und der einladende Bischofsvertreter Gothart Magaard meinte: „Wir haben eine Gesellschaft, die immer schneller läuft.“Deshalb trete die Kirche auch für den arbeitsfreien Sonntag als Tag der Entschleunigung ein.

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