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Kappeln : Kino-Streit? – „Typisch Kappeln“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Mehrere Hundert Besucher erleben die Open-Air-Vorstellung auf dem Deekelsenplatz. Die WTK bedauert die „Kommunikationspanne“ mit dem „Capitol“.

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2015 | 12:30 Uhr

Es geht hoch her auf dem Deekelsenplatz am Freitagabend – zumindest auf der großen Leinwand an der Stirnseite des Platzes: Schauspieler Matthias Schweighöfer gibt sich im Film „Vaterfreuden“ seinen Gelüsten hin. Dicht an dicht sitzen und stehen Besucher, die diesen milden Sommerabend genießen und hoffen, dass sich die angesagte Gewitterfront verzögert. Bereits zwei Stunden vor Beginn hatten sich Malena (12) und Louisa (15) in der ersten Reihe Plätze für sich und die Eltern gesichert. „Wir freuen uns auf den Film“, sagen die Mädchen aus Hameln und schwärmen von der tollen Atmosphäre eines Open-Air-Kinoabend. Mit einem Buch vertreiben sie sich die Zeit bis zum Beginn der Vorstellung. Andere haben sich Decken und Kissen mitgebracht, viele balancieren ein Glas Wein in der Hand oder stärken sich, auf die Dunkelheit wartend, mit einer Grillwurst.

Hundert Meter weiter gibt es Sekt für die Besucher. Carmen Schrief und Michael Wittkowski, Betreiber der „Capitol-Lichtspiele“, haben zur Gegenveranstaltung eingeladen. Sie möchten mit ihrem Publikum die verliehenen Auszeichnungen feiern und zeigen, auch kostenlos, den Film „Mama Mia“. „Wir freuen uns über den Zuspruch“, sagt Carmen Schrief. Weniger froh ist Jürgen van Schöll, Geschäftsführer der Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH (WTK), der das Open-Air-Sommerkino organisiert hat. Im Vorfeld hatte es Streit zwischen beiden Seiten darüber gegeben, dass das Open-Air-Kino ohne Beteiligung des örtlichen Kinos realisert wurde (wir berichteten). Van Schöll hätte sich gewünscht, die Kino-Betreiber hätten ihre „Dankeschön-Veranstaltung“ für die Kino-Freunde in einem Event mit der WTK gemeinsam umgesetzt. Carmen Schrief und Michael Wittkowski betonen nach wie vor, die Idee des Open-Air-Kino super zu finden, fühlen sich aber vom WTK-Geschäftsführer ausgebremst.

Mit ihrem Besuch im „Capitol“ wollen Bernd Heuer und andere Besucher nach eigenen Worten das Engagement der beiden Kino-Betreiber anerkennen. Der Kappelner Stadtvertreter Norbert Dick nennt das „Capitol“ einen „kulturellen Pfeiler“ in der Stadt. Er sagt: „Es ist bedauerlich, dass die Kommunikation zwischen den Kino-Betreibern und der WTK nicht geklappt hat.“ Carola Alexander sei, sagt sie, aus „Lokalpatriotismus“ ins „Capitol“ gekommen, findet im Prinzip Open-Air-Veranstaltungen aber toll.

Zurück zum Deekelsenplatz. Zusätzliche Stühle werden heran geholt, Decken ausgebreitet. Dennis Grünheit (34) ist aus Gelting gekommen und kommentiert den Kino-Streit als „typisch für Kappeln“. Andrea Neumeister (34) aus Brebel ergänzt, für wie wichtig sie derartige Veranstaltungen in der Stadt halte und appelliert vor dem Hintergrund der touristischen Bedeutung für mehr Zusammenhalt. Eine kleine Gruppe um Ralf Dibbern (54) diskutiert am Rande ebenfalls den Streit und kommt zum gleichen Schluss: „Dieser Streit hat etwas Typisches für Kappeln.“ Auch Dibbern wünscht sich mehr Zusammenarbeit bei der Ausarbeitung von Veranstaltungen, damit sich auch junge Menschen in der Stadt wohl fühlen. Auf einer der Mauerbänke haben einige Damen Platz genommen. Regina Weiß (54) findet das Sommer-Kino toll, sie sagt: „Von derartigen Veranstaltungen braucht Kappeln mehr.“ Der Streit über die fehlende Einbeziehung des „Capitols“ spielt in dieser Runde keine Rolle. Man freut sich vielmehr auf einige ungezwungene Stunden.

Jürgen van Schöll bedauert derweil, dass „diese positive Veranstaltung durch den Streit verwässert wurde“. Er betont: „Es ist mir nie in den Sinn gekommen, einem Kappelner Unternehmen wie dem Capitol zu schaden.“ Vor diesem Hintergrund bedauere er „die Kommunikationspanne“. Carmen Schrief macht indes deutlich, dass man „natürlich weiterhin gesprächsbereit“ sei und auf eine künftige Zusammenarbeit Wert lege.

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