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Kirchengemeinde Kappeln : Kinder entdecken den Friedhof

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Schnitzeljagd, Steine bemalen, Führungen: zum Jubiläumsfest auf der Anlage der evangelischen Kirchengemeinde.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2017 | 07:00 Uhr

Mit einem vielfältigen Programm und etlichen Beteiligten markierte die Kirchengemeinde Kappeln gestern Mittag den Schlusspunkt der 250-Jahr-Feier ihres Friedhofes. Mittendrin: Friedhofsverwalter Arno Carstensen, sonst vermutlich eher einer der unermüdlichen Aktivposten im Hintergrund. Gemeinsam mit der Kirchengemeinde, dem St. Christophorus-Kindergarten, der Männergilde und den St. Christophorus-Pfadfindern konnte er sich über zahlreiche Besucher bis in den Nachmittag hinein freuen, die die Chance hatten, ihren Friedhof einmal auf gänzlich ungewöhnliche Art und Weise kennen zu lernen.

Gleich hinter dem Eingangstor hatte der Christophorus-Kindergarten sein Zelt aufgeschlagen. Geschützt vor Wind und Regen bemalten die Kinder kreisrunde Graphitsteine in knalligen Farben und mit kreativen Motiven. Arno Carstensen erklärte: „Diese Erinnerungssteine werden auf dem Friedhof ihren Platz finden. Auf den Freiflächen oder unter Bäumen. Es ist das Geschenk des Kindergartens an den Friedhof.“ Und deshalb sollen die Kinder auch mit dabei sein, wenn die Steine irgendwann auf dem Gelände platziert werden. Wer nicht mit Pinsel und Farbe hantieren wollte, konnte den Friedhof mittels einer Schnitzeljagd erkunden. Darauf deuteten schon die vielen hölzernen Pfeile auf dem Boden hin, die der Kindergottesdienst-Kreis vorbereitet hatte. Nun könnte man auf den Gedanken kommen, die Kombination aus Schnitzeljagd und Friedhof für eine etwas abwegige zu halten – nicht, wenn es nach Arno Carstensen geht. „Wir sind bemüht, die Berührungsängste der jungen Leute gegenüber dem Friedhof abzubauen“, sagte er. „Und wenn man etwas kennt, hat man davor weniger Angst.“ Und wie könnte man ein Gelände besser kennen lernen als über eine Schnitzeljagd?

Aber auch für diejenigen, die sich ganz unmittelbar mit Trauer und Verlust und der Gestaltung einer Trauerfeier befassen, hatten die Veranstalter etwas vorbereitet. So zeigte beispielsweise Jarno Kunzmann, Lehrling des Eckernförder Betriebes Kranz Grabmale, wie ein Grabstein entsteht. Der Kappelner Florist Stamer präsentierte verschiedene Formen des Sargschmucks und der Aufbereitung einer Urne – Gestaltungen, die etwas abseits des Alltäglichen lagen und so gleichzeitig den Blick für die Palette der Möglichkeiten öffneten.

5000 Grabstellen gehören zum Kappelner Friedhof, derzeit sind allerdings nach den Worten Arno Carstensens nur etwa 1400 belegt, Erd- und Urnengräber zusammengenommen. „Die Bestattungskultur verändert sich“, sagte er gestern. Mittlerweile liege die Zahl der Urnenbestattungen bei 70 Prozent – „und hier an der Küste ist auch die Zahl der Seebestattungen recht hoch“, so der Friedhofsverwalter. Zudem wachse das Interesse an Beisetzungen im Begräbniswald.

Gestern Mittag allerdings saßen die Gäste auf Bierzeltgarnituren, vor ihnen ein heißer Teller Suppe. Jede Menge Kinder liefen über die angelegten Wege des Friedhofs, von denen die lange Lindenallee die Besonderheit des Geländes für Arno Carstensen ausmacht – „und jede Menge Arbeit“, sagte er auch noch mit einem Lachen. Gestern war der Kappelner Friedhof ganz weg von Trauer und Begräbnissen.

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