Keinerlei Bedenken gegen einen „Grog in de Kark“

Ältermann Manfred Höper (r.) und sein neuer Stellvertreter Gunnar Jensen sind sich einig, dass der Herr gegen einen Schluck Alkohol in der Kirche nichts hat.
Ältermann Manfred Höper (r.) und sein neuer Stellvertreter Gunnar Jensen sind sich einig, dass der Herr gegen einen Schluck Alkohol in der Kirche nichts hat.

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11. Januar 2015, 17:38 Uhr

„Der Herr hat nix dagegen“ - dieser Satz machte in der kleinen Petri-Kirche schnell die Runde. Ursache für den Schnack: Die Mitglieder der Maasholmer Totenbeliebung blieben zum Schluss ihrer Versammlung noch einen Augenblick im direkt an der Schlei gelegenen Gotteshaus, um zu schnacken und sich einen „Grog in de Kark“ zu genehmigen.

Schließlich dient die 1952 erbaute Petri-Kirche auch als Gemeinderaum. Der Überlegung, den Vorhang vor dem Altar zuzuziehen, erteilte Ältermann Manfred Höper mit Blick auf den gekreuzigten Herrn eine Absage: „Er sieht uns sowieso.“ Und im Übrigen: Beim Abendmahl gehe der Wein-Kelch rum und beim Erntedankfest gebe es Schmalzbrot und ein Gläschen Wein in der Kirche – wie gesagt: „Der Herr hat nix dagegen“.

Die Einheimischen sprechen von der Maasholmer Totenbeliebung – als ihrer „Belem“. Seit 1783 besteht sie und ist damit nach der Jungen Leute-Gilde die zweitälteste Beliebung in der Gemeinde. Da weiß Maasholm-Chronist Horst Franzen zu berichten, dass dieser Beerdigungsverein dereinst in einem Todesfall sechs Träger und sechs dem Sarg Folgende zu stellen hatte. Die waren es, die den Toten mit einem Kahn auf der Schlei rudernd nach Kappeln zum Friedhof – in Maasholm gab und gibt es auch heute keinen – brachten. So war es laut Franzen bis Anfang der 1960er Jahre. Dann wurde der Sarg per Auto nach Kappeln zum Friedhof gebracht – seit den 1980er Jahren auch nach Gundelsby. Die Trauerfeiern fanden bis zum Bau der Kirche in einem Raum der ehemaligen Maasholmer Schule statt.

Zu Beginn der alljährlichen Versammlung hatte der 57-jährige Ältermann Manfred Höper mitgeteilt, dass es im zurückliegenden Jahr sieben Sterbefälle in der Gemeinde gab. Es wurde aus den von den Mitgliedern zu entrichtenden Beiträgen den Hinterbliebenen ein Sterbegeld von jeweils 900 Euro ausgezahlt. Da ergab sich im Haushalt 2014 ein Defizit, aber die Beliebung hat noch Geld „auf der hohen Kante“. Der Totenbeliebung gehören 196 der insgesamt rund 600 Maasholmer Bürger als Mitglied an – ein Indiz, wie wichtig sie ihnen allen ist.

Zu wählen war während der Versammlung ein neuer zweiter Ältermann, denn Werner Plath, der dies zwei Jahrzehnte lang war, betonte: „Laat dat man een annere maken.“ Seine Nachfolge trat der 40-jährige Gunnar Jensen, der der Beliebung seit seinem 16. Lebensjahr angehört, an. Im weiteren Verlauf ging es um die Frage, wer bei einem Mitglied – zu zahlen sind als Beitrag 3,50 Euro im Monat – mitversichert ist. Bislang ist es so, dass die Ehefrau und die Kinder mitversichert sind. Doch die Zeiten haben sich geändert, statt der „normalen“ Familie gibt es vermehrt eheähnliche Verhältnisse. Dem will man sich anpassen und somit die Statuten ändern. In welcher Form – darüber soll nun nachgedacht werden.

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