Maasholm : Keine Nachwuchssorgen bei Seenotrettern

Der 18-jährige Michel Sörnsen (r.) steht neben seinem Kollegen Steffen Ottsen (24) an Bord des Seenotrettungsbootes „Wuppertal“.
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Der 18-jährige Michel Sörnsen (r.) steht neben seinem Kollegen Steffen Ottsen (24) an Bord des Seenotrettungsbootes „Wuppertal“.

Der Altersdurchschnitt der freiwilligen DGzRS-Helfer liegt in Maasholm bei 32 Jahren – bundesweit bei über 47 Jahren.

shz.de von
09. Januar 2015, 07:30 Uhr

Mit hohem Tempo jagt das Rettungsboot „Wuppertal“ über die Schlei. Die Wellen klatschen laut an die Fenster. Der Wind peitscht über den kleinen Meeresarm. An Deck hält Michel Sörnsen mit seinem Fernglas Ausschau, dann entdeckt er zwei im kalten Wasser um Hilfe rufende Männer. Der 18-Jährige ist einer von 13 ehrenamtlichen Seenotrettern der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in Maasholm. „Das liegt bei mir in der Familie – mein Vater ist ebenfalls Seenotretter, und meine beiden Großväter waren es auch“, sagt Michel Sörnsen.

Im Gegensatz zu ihm erhält sein Vater dafür allerdings Geld. Er gehört zur Besatzung des ebenfalls in Maasholm stationierten Seenotrettungskreuzers „Nis Randers“ – eines von rund 60 Kreuzern und Booten der Gesellschaft. 2014 waren die rund 1000 deutschen Seenotretter mehr als 2000 Mal im Einsatz, finanziert ausschließlich durch Spenden. „Wir fahren dann raus, wenn die anderen aufgrund des Wetters wieder reinkommen“, sagt Sörnsen.

Ihr Einsatz an diesem Tag ist aber nur eine Übung. Die beiden in der kalten Schlei treibenden Männer gehören selbst der Station an. Gummianzüge schützen sie vor den Auswirkungen des nur wenige Grad kalten Wassers. Steffen Ottsen sagt: „Wir müssen den Ernstfall regelmäßig trainieren, denn im Notfall muss auf See bei schlechtem Wetter jeder Handgriff sitzen.“ Der 24-Jährige sitzt am Steuer des kleinen Bootes. Das klappt auch in der Übung gut. Binnen kurzer Zeit haben Sörnsen und ein Kollege das Duo an Deck gehievt. Kurz darauf gibt Ottsen am Ruder der „Wuppertal“ wieder Gas.

25 Einsätze haben die ehrenamtlichen Seenotretter aus Maasholm unter Vormann Andreas Doose 2014 absolviert. „Wir fahren immer raus“, sagt der 47-Jährige. Er ist seit 22 Jahren dabei und war in dieser Zeit an mehr als 300 Rettungseinsätzen beteiligt. Der Gemeindearbeiter steht unter der Woche auf Abruf bereit. Die jungen Seenotretter sind an den Wochenenden aktiv. Ottsen sagt: „Drei von uns sind jeweils das gesamte Wochenende über in Bereitschaft.“ Im Notfall seien sie mit ihrem sieben Meter langen Rettungsboot „binnen fünf Minuten auslaufbereit“. Aber auch wenn keine Jacht in Seenot geraten ist, kein Mann über Bord gegangen ist, unternehmen die jungen Retter regelmäßig Kontrollfahrten. Zu ihrem Revier gehört nicht nur die Schlei, sondern auch die Ostseeküste von der dänischen Grenze bis nach Damp. Neben der Rettung aus Seenot leisten sie auch technische Hilfe, wenn Yachten beispielsweise im flachen Wasser der Schlei feststecken oder nach einem Motorschaden auf der Ostsee wieder sicher in den Hafen geschleppt werden müssen. Vormann Doose betont allerdings: „Unsere Hauptaufgabe ist aber die Rettung von Menschleben.“

In Erinnerung geblieben ist den Rettern noch die Suche nach einem über Bord gegangenen Mann kurz vor Weihnachten vor ein paar Jahren. Letztlich konnten sie ihn aber nur noch tot aus der Schlei ziehen. Doose sagt: „Wir wissen vorher nie, was uns auf See konkret erwartet.“

Während viele andere Vereine händeringend nach Ehrenamtlichen suchen, rennt der Nachwuchs den Seenotretter in Maasholm fast die Bude ein. Michel Sörnsen sagt: „Einige Jungs im Dorf fragen schon mit 14 oder 15 Jahren, wann sie denn endlich bei uns mitmachen können.“ Zukünftige Mannschaftsmitglieder schauen sich die Retter vorher aus. „Stinkstiefel“ können sie an Bord nicht gebrauchen. Der Ehrenamtler Manuel Wald sagt: „Wir kennen uns alle schon von klein auf und sind eine Clique.“ Die Freiwilligen von Maasholm sind im Schnitt knapp 32 Jahre alt. DGzRS-Sprecher Ralf Baur weiß: „Das durchschnittliche Alter unserer rund 800 freiwilligen Seenotretter beträgt dagegen 47,7 Jahre.“ Der 18-jährige Michel Sörnsen will sein Hobby irgendwann wie Vater und Großväter vor ihm zum Beruf machen. „Mein Vater hat auch mal klein angefangen“, sagt er. Ein Job auf einem der großen Kreuzer ist sein Wunsch. Zuvor muss er noch ein nautisches Patent oder eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker absolvieren. Denn die 175 fest angestellten Seenotretter sind alle gestandene Fahrensleute.  

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