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Klaus-Harms-Schule Kappeln : Kein neuer Vertrag: Schüler kämpfen für ihren Lehrer

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Jugendliche des zehnten Jahrgangs des Kappelner Gymnasiums wehren sich gegen Vertragsende ihres Klassenlehrers.

Kappeln | Eine kaum zu übersehende Schülerzahl des zehnten Jahrgangs der Klaus-Harms-Schule tritt derzeit äußerst überzeugend und kämpferisch auf. Optisch, weil die Jugendlichen geschlossen in dunkelgrauen Kapuzenpullis mit dem noch zu erläuternden Schriftzug „Jensens erste Herde“ durch ihre Schule laufen. Akustisch, weil sie deutliche und von großer Begeisterung getragene Worte für ihren Klassenlehrer finden. Thorben Jensen nämlich, seit sechs Jahren Lehrer am Gymnasium, muss die Schule Ende Juli verlassen. Sein zehnter Jahrgang, seine erste eigene Klasse, „erste Herde“, will das auf keinen Fall widerstandslos hinnehmen.

Inga Lamprecht findet deutliche Worte. „Herr Jensen bereichert unsere Schulgemeinschaft“, sagt die 16-Jährige. „Er ist keiner, der nur von 7.40 bis 12.50 Uhr unser Lehrer ist, sondern ist auch darüber hinaus ungemein engagiert.“ Jedes Jahr habe Thorben Jensen Studienfahrten angeboten, verstehe sich mit allen Klassenstufen wunderbar und sei zudem wiederholt zum Verbindungslehrer von den Schülern gewählt worden. Das zeige das große Vertrauen, das ihm entgegen gebracht werde. Auch Marie Mikulsky (17) betont: „Wirklich jeder geht mit seinen Sorgen zu ihm, er ist uns allen eine Riesenhilfe.“ Ähnliches hat auch Sarah Holz festgestellt. „Die Schüler begegnen ihm auf einer super Basis“, sagt die 16-Jährige. „Egal bei welchem Thema – Herr Jensen hört uns wirklich zu und ist tatsächlich daran interessiert.“

Thorben Jensen unterrichtet Latein und Geschichte. Immer wieder ist er in der Vergangenheit mit Jahresverträgen ausgestattet worden, sein aktueller endet am 31. Juli – einen neuen erhält er aller Voraussicht nach nicht. Das bestätigt Schulleiter Thomas Hellmuth und bekräftigt glaubhaft: „Auch ich bin darüber alles andere als glücklich.“ Ursache für diese – für offenbar alle Beteiligten – nicht zufriedenstellende Situation sind die künftigen Schülerzahlen der Klaus-Harms-Schule. Mit der Entlassung des sogenannten Doppeljahrgangs (der erste G8- und der letzte G9-Jahrgang) im kommenden Monat verliert das Gymnasium auf einen Schlag 80 bis 100 Schüler – und zwar auf Dauer. Thomas Hellmuth räumt ein: „Und da fehlt mir eine Argumentationsgrundlage für eine Vertragsverlängerung von Herrn Jensen. Ich schätze ihn sehr, habe aber leider einfach keinen Spielraum.“

Die Schüler wissen um die Bemühungen ihrer Schulleitung, Thorben Jensen zu halten. Sarah Holz sagt: „Uns ist bewusst, dass Herr Hellmuth alles versucht hat, um Herrn Jensen hier zu behalten.“ Denn, auch das stellen die Jugendlichen heraus, nicht nur menschlich, auch akademisch werde der Verlust ihres Lehrers eine Lücke hinterlassen. Matthis Braun etwa sagt: „Sein Unterricht macht gleichzeitig viel Spaß und hat große Qualität. Da bricht jetzt auf jeden Fall etwas weg.“ Der 16-Jährige steckt wie seine drei Mitschülerinnen im sogenannten Einführungsjahrgang, der, so erklärt es Marie Mikulsky, auch dazu dient, sich auf Lehrer und ihre Unterrichtsweisen im Hinblick aufs Abitur einzustellen. Auch deshalb ziehe die ganze Schule an einem Strang, um Thorben Jensen in ihren Reihen zu halten. Inga Lamprecht stellt klar: „Natürlich gibt es zwischendurch immer mal Lehrerwechsel, aber allein unsere Klasse wird das jetzt fünf Mal erleben.“ Und auf ihren Klassenlehrer bezogen: „Herrn Jensen kann man nicht einfach so austauschen.“

Deshalb laufen bereits seit etlichen Tagen Listen durch die Klaus-Harms-Schule, auf der sich die Schüler eintragen können, die Thorben Jensen gerne als ihren Lehrer behalten möchten. In zweieinhalb Tagen kamen so bereits 350 Unterschriften zusammen. Gemeinsam mit einem Brief wollen die Jugendlichen ihre Listen schließlich beim Kieler Bildungsministerium einreichen. „Im Idealfall“, sagt Inga Lamprecht, „bleibt Herr Jensen bei uns“. Und nebenbei weiß sie noch etwas nicht ganz Unwichtiges zu berichten: „Er möchte nämlich auch gerne hier bleiben.“

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erstellt am 26.Jun.2016 | 12:00 Uhr

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