Schleimünde : Kein Durchkommen zum Leuchtturm

Abgesperrt: Der Leuchtturm ist derzeit unerreichbar. Vor allem Touristen sind enttäuscht. Foto: sb
Abgesperrt: Der Leuchtturm ist derzeit unerreichbar. Vor allem Touristen sind enttäuscht. Foto: sb

Das Wasser- und Schifffahrtsamt Lübeck hat den Zugang zum Wahrzeichen von Schleimünde auf unbestimmte Zeit gesperrt. Der Grund für die Entscheidung: "diverse Baumängel".

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17. September 2012, 04:18 Uhr

Kappeln | Wer derzeit Schleimünde ansteuert, kommt, sobald er die Halbinsel betreten hat, nicht besonders weit. Bereits seit gut drei Wochen ist die Mole, die hinaus zum Leuchtturm führt, gesperrt. Verantwortlich dafür ist das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Lübeck, das "diverse Baumängel" als Grund für die Entscheidung anführt. Leidtragende sind die Besucher, für die gerade der Leuchtturm eine besondere Attraktion darstellt.
Günther Hoffmann war der erste, der sich rührte. Der Vorsitzende des Vereins Naturnaher Wasserwanderplatz, der den kleinen Hafen in Schleimünde betreibt, sprach davon, die Mole sei quasi "von heute auf morgen und nahezu kommentarlos" gesperrt worden. Derweil gibt das WSA, das sich bislang nur schriftlich zum Sachverhalt äußern wollte, an, man habe die Stadt Kappeln "frühzeitig informiert". Nicht informiert dagegen hat das WSA nach eigenen Angaben die Eigentümerin der Insel, die Kieler Stiftung "Lighthouse Foundation", da - so heißt es in der Stellungnahme des WSA - "es keine Einschränkungen im Strandbereich oder im zugängigen Bereich des Insel-Eigentümers gibt". Stiftungsmitglied Joerg Grabo bestätigt das. "Wir haben davon gehört", sagt Grabo und spricht von einer "Unruhe", die seitdem auf der Insel herrsche.
Unterschriftensammlung für die Aufhebung der Sperre
Ein bisschen mehr als unruhig ist allerdings Günther Hoffmann, der immer noch nicht nachvollziehen kann, weshalb die Mole "kurz vor Ende der Saison" gesperrt werden musste. Schließlich sei Schleimünde als Ausflugsziel beliebt unter Touristen. "Und wenn die Besucher nicht zum Leuchtturm laufen und die maritime Atmosphäre genießen können, ist eine Attraktion weg", findet Hoffmann. Und damit ist er nicht alleine. Juliane Sebode führt Schleimünde als regelmäßiges Ziel ihres Fahrgastschiffes "MS Stadt Kappeln" auf dem Tourenplan. Und auch sie betont: "Für uns ist das ein enormer Nachteil." Urlauber, die sie nach Schleimünde fährt, wollen dann auch den Leuchtturm aus der Nähe betrachten - "deswegen fahren sie mit uns raus", sagt Sebode. Derzeit jedoch kann genau dieser Wunsch nicht erfüllt werden. Und Juliane Sebode ist bereits aktiv geworden, hat - nicht nur auf ihrer "MS Stadt Kappeln", sondern auch auf anderen Fahrgastschiffen - dafür gesorgt, dass Listen ausliegen, auf denen Unterschriften für die Aufhebung der Sperrung der Mole gesammelt werden.
Ob dieses Begehr die Maßgabe des WSA beeinflussen wird, bleibt derweil fraglich. Aus Lübeck heißt es nämlich: "Da auf der Mole die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann, musste sie für den Publikumsverkehr gesperrt werden." Genauer besteht nach Angaben des WSA die Gefahr, dass sich im oberen Kronenbereich Steine lösen und herunterfallen können. Gleichwohl gilt die Standfestigkeit der Mole als nicht beeinträchtigt. Die Sperrung allerdings soll so lange aufrecht erhalten bleiben, bis eben jene Verkehrssicherheit wieder hergestellt ist. Das WSA plant, die erforderlichen Bauleistungen auszuschreiben, wann jedoch mit der Sanierung begonnen wird, steht noch nicht fest.
"Über die Folgen ist sich das Wasser- und Schifffahrtsamt Lübeck bewusst"
Auch die genauen Kosten sind noch nicht zu beziffern. Vielmehr sei das WSA derzeit dabei, "ein komplettes Schadensbild aufzustellen". Dazu gehört wohl auch der Leuchtturm selber, der - laut der Lübecker Behörde - ebenfalls "diverse Baumängel" aufweise, in seiner Funktion aber nicht eingeschränkt sei. Mit Blick auf den Ärger und die Enttäuschung, die der versperrte Zugang zum Leuchtturm indes ausgelöst haben, heißt es seitens des WSA: "Über die Folgen der Sperrung ist sich das Wasser- und Schifffahrtsamt Lübeck bewusst." Jedoch sei die Sicherheit jedes einzelnen Besuchers mehr wert als der touristische Zweck und die damit verbundene Gefahr für den Einzelnen. Und zum Abschluss: "Das WSA hofft, die Mole und auch den Leuchtturm Schleimünde schnellstmöglich wieder instandsetzen zu können."
Am 22. September feiert der Verein Naturnaher Wasserwanderplatz auf der Lotseninsel sein Hafenfest. Günther Hoffmann hat die Einladungen bereits verschickt. Eine davon ging nach Lübeck.

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