Originale : Kauffrau mit Spaß an Menschen

Wesentlich   mehr als nur Getränke: Margarethe Pelz macht der Umgang mit den Menschen  Spaß.
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Wesentlich mehr als nur Getränke: Margarethe Pelz macht der Umgang mit den Menschen Spaß.

Margarethe Pelz betreibt in Schuby bei Schleswig einen Getränkemarkt – und der ist zum Mittelpunkt des Dorfes geworden.

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21. Juni 2014, 12:30 Uhr

  Sie sorgen nicht unbedingt für Schlagzeilen, sind aber in ihrer Heimat bekannt wie ein bunter Hund: In unserer neuen Serie porträtieren wir gemeinsam mit der Fotografin Susanne Panozzo Menschen, die auf ihre ganz eigene Art unverwechselbar sind. Weil sie echte Typen sind – Originale eben.

Eigentlich will Elke nur Geld wechseln. Dann aber bleibt sie doch bei Margarethe Pelz hängen. Man redet über einen bevorstehenden Geburtstag, Bekannte und die Frage, ob Elkes Tochter vielleicht noch ein Paket braucht – ist ja gelegentlich der Fall. So geht das einige Minuten, bis sich die beiden Frauen verabschieden: „Bis morgen.“ Der Getränkemarkt von Margarethe Pelz in der Schubyer Bahnhofstraße ist wesentlich mehr als nur ein Getränkemarkt. „Die Leute kommen, um einzukaufen, aber auch, um einfach nur zu schnacken“, sagt die Inhaberin, die den Laden vor 14 Jahren übernahm und damit ein Vakuum füllte: Der Markt entwickelte sich schnell zu einem Ort, an dem die Schubyer gern zusammenkommen. Hier treffen sich vor allem die älteren Einwohner – und der Einkauf steht dann nicht unbedingt im Mittelpunkt. Man plaudert, tauscht Neuigkeiten aus und tratscht gelegentlich auch ein wenig. Wo soll man das in Schuby auch sonst tun?

Nun ist ein Getränkemarkt eigentlich ein eher ungewöhnlicher Treffpunkt für den älteren Teil einer Dorfgemeinschaft. Das war er auch in Schuby nicht von Anfang an. Als Margarethe Pelz den Laden eröffnete, bot sie fast alle Artikel des persönlichen Bedarfs an. Getränke, Obst und Gemüse, Molkereiwaren, Tierfutter und auch Spielzeug. Ab 2004 wurden auch Post-Angelegenheiten erledigt. Die Menschen kamen zunächst, weil sie keine Alternative hatten und sonst zum Einkaufen nach Schleswig hätten fahren müssen.

Der entscheidende Punkt dafür, dass sich dieser Getränkemarkt zum Schubyer Mittelpunkt entwickelt hat, ist jedoch Margarethe Pelz. Soziologen würden die 62-Jährige in ihrer etwas komplizierten und abgehobenen Sprache wohl als „kommunikativ“ bezeichnen und ihr „soziale Kompetenz“ bescheinigen. Margarethe Pelz selbst bringt es wesentlich treffender und verständlicher auf dem Punkt: „Der Umgang mit den Leuten macht mir einfach Spaß“, sagt sie, ohne sich selbst in den Vordergrund zu stellen. Und diese Einstellung wird von den Leuten (von Kunden ist nie die Rede) geschätzt. Margarethe Pelz ist in Schuby eine Institution, bei der viele Fäden zusammenlaufen und die für den Zusammenhalt sorgt.

Den täglichen Dienst im Laden bewältigt die Kauffrau überwiegend allein. Geöffnet ist sechs Tage in der Woche, an den Nachmittagen der Tage, die mit dem Buchstaben D beginnen, ist geschlossen. Dann werden Regale aufgefüllt, Papiere bearbeitet und Bestellungen geschrieben. Pause ist nur am Sonntag. „Der ist mir heilig“, lacht die Frau, die bei aller Herzlichkeit auch das Geschäftliche nicht aus dem Auge lassen kann. So lehnte sie vor Jahren das Angebot ab, auch noch eine Lotto-Annahmestelle einzurichten. „Das ist mir zu teuer“, beschied sie den Lotto-Vertretern resolut. „4000 Euro sollte ich für das Drumherum investieren. Da hätte ich aber viele Lottoscheine rausgeben müssen, um das wieder reinzukriegen. Deshalb habe ich Nein gesagt.“

Eher gelassen nahm Margarethe Pelz die Eröffnung einer Netto-Filiale in unmittelbarer Nähe ihres Ladens zur Kenntnis. Ihr Getränkesortiment hat sie seitdem reduziert, weil sie mit den Preisen nicht mithalten kann. Schrecken kann sie die Konkurrenz aber nicht. „Die Leute kommen nach wie vor zu mir“, sagt sie – und lässt unausgesprochen, dass sie trotz des kleineren Sortiments in ihrem Getränkeshop wesentlich mehr zu bieten hat als der große Discounter um die Ecke.

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