Karpfenjäger im Bürgerpark-Teich: Nur "Willi" kam frei

Ein kapitaler Fang:  Rolf Ahrens mit einem Karpfen.  Foto: Köhler
Ein kapitaler Fang: Rolf Ahrens mit einem Karpfen. Foto: Köhler

Knapp 50 Karpfen gingen beim Abfischen des Bürgerpark-Teiches ins Netz. Freigelassen wurde einzig Methusalem "Willi". Alle anderen werden portionsweise beim Herbstmarkt verkauft - zur Restfinanzierung des neuen Feuerwehrfahrzeuges.

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31. Oktober 2009, 04:59 Uhr

Gelting | "Wenn uns auch diesmal unser Freund Willi ins Netz geht, dann lassen wir ihn als Einzigen wieder frei." Der Geltinger Bauhof-Chef Rolf Ahrens, der gestern morgen das Abfischen des Bürgerpark-Teiches leitete, hat ein Herz für den dickleibigen Methusalem unter den Geltinger Spiegelkarpfen. Dessen besonderes Kennzeichen ist eine lange Narbe am Kopf, wohl ein Relikt aus früheren Kämpfen. Schätzungsweise über 22 Pfund bringt der rund 20 Jahre alte Fisch auf die Waage. Diesmal allerdings ließ sich dieses Schwergewicht beim ersten Fischzug nicht einfangen. Erst beim zweiten Versuch war "Willi" drin. Er konnte - wie zuletzt vor zwei Jahren - in einem Bassin an Land ein paar "schöne Stunden" verbringen. Dann durfte er zurück in sein nasses Revier. In Gelting gilt eben das Gesetz: Einer Ikone tut man nichts zu Leide.

Mit Wasser von oben und von unten hatte gestern das Ahrens-Team mit dem Koppelhecker Hobbyfischer Stefan Maß und den Gemeindearbeitern Ralf Jessen, Knut Roßmann und Michael Kölln zu tun, als es ein 60 Meter langes Netz durch den rund einen Hektar großen Teich zog. In Ufernähe führten die Männer zwei Plastikboote zur Unterstützung mit. Ein Fischreiher und über 40 Wildenten suchten bei diesem Aufmarsch das Weite.

Zentimeter um Zentimeter hievten fünf "Karpfenjäger" die Netz-Enden an Bord. Und in der Teichmitte verursachten die eingefangenen Wild- und Spiegelkarpfen heftigen Wellenschlag. Als ihr Freiraum immer enger wurde, begannen sie mit Fluchtversuchen. Zwei fette Brocken entkamen mit kühnen Sprüngen. Die meisten verhedderten sich in den Maschen, und mussten sich in ihr Schicksal ergeben. Mit Kescherhilfe wurden sie in Plastikbehälter verfrachtet und dann in Auffangbehälter ans Ufer gebracht. Rolf Ahrens gab Anweisungen über die Behandlung von Widerborstigen an seine Helfer: "Fasst ihnen in die Kiemen!"

Rund 25 Karpfen beim ersten Fischzug waren gestern nicht genug. Also: das Ganze noch einmal. Am Ende ergaben sich folgende Stückzahlen: 40 Spiegel- und Wildkarpfen, sechs Graskarpfen, ein Dutzend Schleie und etliche Teichmuscheln.

Die Karpfen erfüllen in diesem Jahr einen guten Zweck. Sie werden heute auf dem Geltinger Herbstmarkt verkauft. Der Erlös fließt auf das Spendenkonto der Kommune, die noch eine Restsumme zur Finanzierung des neuen Rettungs- und Löschfahrzeugs der Geltinger Feuerwehr benötigt. Außerdem hat ein Geltinger Unternehmer eigens für diesen Zweck "Feuerwehr-Puzzles in Dosen" angefertigt und bietet sie ebenfalls für diesen guten Zweck an.

"Grün" werden die Karpfen diesmal allerdings nicht an die Käufer gebracht. In der Vergangenheit hatte sich nämlich gezeigt, dass alle Riesenkarpfen kaum an den Mann zu bringen sind.

Der Ausweg führt in die Räucherei. Bereits vorgestern Nachmittag wurden 20 schwere Fische nach Maasholm gebracht, wo sie von Profis geschlachtet, gestückelt und dann geräuchert werden. Und an diesem Wochenende werden sie auf dem "Fischmarkt" am Feuerwehrhaus als schmackhafte Portionen zum Kauf angeboten.

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