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Baumbegehung : Kappelns Bäume unter der Lupe

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Ein Baumgutachter erläutert Problemfälle bei einer Begehung durch die Stadt.

shz.de von
erstellt am 04.Okt.2017 | 12:00 Uhr

Man hätte der Premiere besseres Wetter gewünscht. Aber auch so erfuhr die erste Baumbegehung nach der entsprechenden Beschlussfassung vom vergangenen Frühjahr tatsächlich regen Zuspruch. Aber eben auch Regen von oben. Die Gruppe, die die insgesamt zehn Bäume unter die Lupe nehmen wollte, war größer als die, die sich vor einigen Wochen mit den kaputten Straßen beschäftigt hatte. Und dieses Mal waren mit Norbert Dick, Michael Schattka (beide Grüne), Gerda Hartmann (LWG), Christian Andresen (SSW), Thorsten Schacht (SPD), Peter Boltz, Karsten Poppner und Philipp Schmidt (alle CDU) auch alle Parteien vertreten. Außerdem dabei: Wilhelm Busse, Dieter Rackow und Ralf Prölss von der Interessengemeinschaft Umweltschutz (IGU), Erwin Petersen vom Bauhof und Ulrich Bendlin von der Stadtverwaltung. Unbestritten wichtigster Mann des Nachmittags aber war Jan Kumke, Baumgutachter der Firma Silvaconcept aus Süderbrarup. Und auch für ihn war der Termin offensichtlich etwas Neues. „Normalerweise“, sagte Kumke, „bin ich ja allein unterwegs“. Nun, dieses Mal hatte er gleich 13 Interessierte im Schlepptau.

Ausgangspunkt der Baumbegehung war eine gemeinsame Initiative von CDU, SPD und IGU aus dem vergangenen Winter. Damals hatten Vertreter der drei Gruppierungen ausgewählte Bäume inspiziert, die von der Verwaltung zur Fällung vorgeschlagen waren. Am Ende stand dann wiederum eine Idee der Verwaltung, solch eine Begehung regelmäßig im Spätsommer anzubieten, um eine gemeinsame Grundlage zur späteren Entscheidung für oder gegen eine Fällung zu schaffen. Und jetzt also war, wie erwähnt, Zeit für die Erstauflage – und es zeigte sich schnell, dass Experte Jan Kumke anschaulich und in einfachen Worten Nöte und Bedürfnisse der einzelner Bäume formulieren konnte.

Erster Stopp: Parkplatz Wassermühlenstraße. Ein prüfender Blick von Jan Kumke und sein Kommentar: „Dieser Bergahorn kümmert vor sich hin.“ Seine Analyse: Der Untergrund wurde an der Stelle verdichtet, um den Ansprüchen des Straßenbaus zu genügen. Die Folge: Der Baum kann nicht in der Tiefe wurzeln, erhält zu wenig Wasser und Sauerstoff und stirbt irgendwann ab. Kumkes Vorschlag: „Eine Neupflanzung in einer größeren Pflanzengrube.“ Und schon nach dieser ersten Baumbegutachtung war ird deutlich: Das, was ein Baum benötigt und das, was ihm sein Standort zur Verfügung stellt, ist nicht immer deckungsgleich. Oder wie es Kumke formulierte: „Die Fragen sind immer: Was ist gut für den Baum? Und was ist gut für die Stadt?“

Im Jöns Hof drücken einige Bäume das Pflaster hoch und lassen so Stolperfallen für Fußgänger entstehen. Kumkes Vorschlag: Pflaster aufnehmen, Granitschotter aufbringen, einen sanften Übergang schaffen, dem Baum so Platz zum Wurzeln geben. „Es geht darum, Problemstellen zu entschärfen und gleichzeitig eine höhere Attraktivität zu schaffen“, sagte er. Und ganz nebenbei auch Möglichkeiten aufzutun, damit Bäume stehenbleiben können.

Für nicht erhaltenswert erachtete der Experte derweil die Kopfpappel am Sportplatz der Gemeinschaftsschule – oder zumindest für nur in Teilen erhaltenswert. Der Baum ist abgestorben und droht zu kippen. „Man könnte ihn halbieren“, sagte Jan Kumke. Auf diese Weise würden Nistplätze bestehen bleiben, und ein halber Baum würde lediglich „sanft gegen den Zaun fallen“, wenn er denn tatsächlich kippt. Für „brenzliger“ hielt der Gutachter den Zustand der Pappel daneben und schlug vor, den Baum genauer zu kontrollieren.

Für eine Eiche in Mehlbydiek stand aufgrund einer Stammwunde eine Fällung zur Diskussion. Als sich die Gruppe aber davor versammelt hatte, fiel Kumkes Urteil eindeutig aus: „Der Baum sieht top aus. Er hat sich selber geholfen.“ Und am Museumshafen empfahl er schließlich die Fällung einer Linde mit Stammfußwunde – auch um einer dicht daneben stehenden Linde „etwas Gutes zu tun“. Ohnehin machte sich Kumke dafür stark, Ersatzpflanzungen sorgfältig zu setzen. „Man sollte immer auf genug Licht und Abstand achten“, sagte er.

Zwei Stunden hatte die Gruppe im Regen durchgehalten, danach fasste Thorsten Schacht die Rundreise so zusammen: „Für uns war das nützlich, weil uns der Eindruck vor Ort eine bessere Entscheidungshilfe liefert.“ Und Dieter Rackow fand: „Das Gute ist, dass das Thema präsent bleibt.“ Der Umweltausschuss tagt im November, dann stehen Entscheidungen zur Fällung an. Oder eben Antworten auf die Fragen: Was ist gut für den Baum? Und was ist gut für die Stadt?

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