"Runder Tisch gegen Nazis" : Kappeln zeigt Flagge gegen Faschismus

Hartmut Büchsel von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (Mitte) führte durch die Ausstellung. Für die musikalische Begleitung sorgte die Gruppe 'Folks gut' unter der Leitung von Manfred Kerl (links). Foto: iversen
Hartmut Büchsel von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (Mitte) führte durch die Ausstellung. Für die musikalische Begleitung sorgte die Gruppe "Folks gut" unter der Leitung von Manfred Kerl (links). Foto: iversen

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26. Januar 2011, 09:10 Uhr

Kappeln | Großes Gedränge herrschte vorgestern Abend in den Rathausfluren des ersten Stocks. Die Blicke der über 60 eingeladenen Gäste waren auf 26 Din-A1-Schautafeln gerichtet. Es sind keine Kunstwerke, keine schönen Malereien auf diesen Tafeln zu sehen. Vielmehr sind dort Glatzköpfe oder Menschen mit schwarzen Lederjacken und Käppis oder auch abgebrannte Häuser abgebildet. Der "Runde Tisch gegen Nazis in Kappeln" stellt im Rathaus die völlig überarbeitete Ausstellung "Neofaschismus in Deutschland" der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi vor. Kappeln ist dabei erst der fünfte Veranstaltungsort dieser Wanderausstellung in Schleswig-Holstein.

"Warum machen wir diese Ausstellung ?" fragte Rainer Moll, Sprecher des "Runden Tisches" die Gäste und lieferte sogleich die Antwort darauf: "Sie wissen, dass sich Kappeln seit 2008 im Visier der Neonazis befindet. Durch Aktionen wie Info-Stände, Mahnwachen und Flyer-Verteilung versuchen sie, in Kappeln einen Stützpunkt zu errichten." Aus diesem Grunde hätten Vertreter von Parteien, der Kirche und der Gewerkschaft den "Runden Tisch gegen Nazis" in Kappeln gegründet. Denn die Geschichte habe gelehrt, dass man sich gegen den Nationalsozialismus mit seinem Rassen- und Religionshass rechtzeitig wehren müsse. "Wir sind entschlossen, uns gegen alle rassistischen Versuche zur Neuinstallierung des Herrenmenschentums zu wehren!", versprach Moll und verwies auf Demonstrationen und Vorträge, die der Runde Tisch in den vergangenen zwei Jahren bereits organisiert hat.

Bürgermeister Heiko Traulsen, der als Schirmherr der Veranstaltung fungiert, sagte, dass der Neofaschismus am rechten Spektrum wie auch der Linksextremismus eine Gefahr für die Demokratie seien.

Anne Marxen, Verdi-Vorstandsmitglied des Bezirks Nordost und ebenfalls Mitglied des "Runden Tisches", sagte, dass die Ausstellung in Kappeln für alle Facetten stehe, die der Faschismus derzeit zeige, wie Ausländerfeindlichkeit und Rassismus. "Der Einsatz der Gewerkschaften gegen den Faschismus ist dabei eine Selbstverständlichkeit, denn die Zerschlagung der Arbeiterbewegung ist der erste Auftrag des Faschismus. Wir dürfen diesen Demagogen nicht das Feld überlassen."

DGB-Kreisvorsitzender Holger Groteguth meinte, dass das Bestehen des "Runden Tisches" in Kappeln Beleg dafür sei, dass der Rechtsextremismus nicht nur ein Problem der großen Städte sei. "Doch diese Ausstellung zeigt auch, dass wir Rechtsextremismus nicht nur mit Beschlüssen bekämpfen, sondern, dass wir auch handeln."

Hartmut Büchsel, Landesvorsitzender der VVN-BdA erklärte, dass diese Ausstellung das moderne Gesicht des Faschismus zeige. "Und dabei leben die Anhänger des Neofaschismus keineswegs am Rande der Gesellschaft, wie Politiker es gern behaupten", so Büchsel. Büchsel dankte dem Runden Tisch für dessen Einsatz, der vor einem Jahr auch zur Absage eines Treffens der Neofaschisten geführt habe. "Sie haben gezeigt, dass Sie keine Nazis wollen." Doch dürfe man sich keiner Illusion hingeben. "Die Neofaschisten haben Kappeln nicht vergessen, wir müssen also weiter wachsam sein." Der VVN-BdA-Landesvorsitzende erinnerte an den Schwur der KZ-Häftlinge von Buchenwald aus dem Jahre 1945. Darin habe es unter anderem geheißen: "Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel." Nach einem Moment der Stille sagte Hartmut Büchsel: "Sorgen wir dafür, dass unsere Hoffnungen als auch der Wunsch nach einer neuen Welt 65 Jahre nach diesem Schwur endlich Wirklichkeit werden." Die Ausstellung ist bis 11. Februar zu den Öffnungszeiten im Rathaus zu sehen. Für Schulklassen sind auch Termine nach Vereinbarung möglich.

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