Stiftungsprojekt : Kappeln will Kulturstadt werden

Arbeitsplatz am lauschigen Schleiufer: Till Warwas baut seine Staffelei auf, um Landschaftsimpressionen auf Leinwand festzuhalten.
Arbeitsplatz am lauschigen Schleiufer: Till Warwas baut seine Staffelei auf, um Landschaftsimpressionen auf Leinwand festzuhalten.

Kappelns Kulturstiftung setzt ein großes Malerei-Projekt mit drei norddeutschen Realisten um. Im Juli zeigen die Künstler ihre Werke.

shz.de von
28. Juni 2014, 08:30 Uhr

Es ist ziemlich genau zweieinhalb Jahre her, dass der „Profundus Kulturverein der Stadt Kappeln – Mitbegründer Walter Plathe e.V.“ ins Leben gerufen wurde. Dieser Verein war Geburtshelfer für die Kulturstiftung, deren damaliges Startkapital von knapp 80.000 Euro sich seitdem unter dem Dach der Bürgerstiftung der Nord-Ostsee-Sparkasse vermehren soll. Und die jährlichen erwirtschafteten Erträge sind es, über die der Verein in Eigenregie verfügen darf, das Kapital bleibt unangetastet. Das heißt: Ohne Einfluss der Nospa entscheidet der Verein völlig autark, welches kulturelle Projekt von der Stiftung profitieren soll. Stellvertretend für die Nospa sprach Michael Weiss, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung, damals davon, dass eben dieser Aspekt ein entscheidendes Stück Identität für Kappeln schaffe. Und genau das soll vor allem in diesem Jahr überdeutlich zum Ausdruck kommen.

Vom 13. Juli an werden die Kappelner erleben, wohin die Zinserträge der Kulturstiftung in jüngster Zeit geflossen sind. Und wer genau hingesehen hat, konnte das auch schon im vergangenen Sommer beobachten. Im September waren Till Warwas, Lars Möller und Ulf Petermann in der Region unterwegs. Ausgestattet mit Pinsel und Staffelei suchten sich die drei Norddeutschen Realisten ein Motiv, das sie ansprach und das sie auf Leinwand bannen wollten. Ab 13. Juli zeigen sie ihre Ergebnisse im Kunsthaus Hänisch. Möglich gemacht hat dies eben jene Kulturstiftung. Corinna Graunke, Gründungsmitglied des Kulturvereins und Inhaberin des IT-Unternehmens Profundus, betont, dass das Malerei-Projekt von vornherein auf zwei Jahre angelegt war. Mit den Zinserträgen des ersten Jahres hatte der Verein ein Gospelkonzert in der Nikolaikirche auf die Beine gestellt. Und dann im zweiten und jetzt im dritten Jahr also die Norddeutschen Realisten.

Bürgermeister Heiko Traulsen, Initiator des Stiftungsgedanken, stellt klar: „Es stand nie zur Debatte, mit Kleinstbeträgen einzelne Vereine oder Einrichtungen zu unterstützen. Das wird deutlich, wenn man jetzt den langen Vorlauf unserer aktuellen Aktion betrachtet.“ Vor allem aber soll eines mit Nachdruck nach außen getragen werden: die Idee, Kappeln zum Beinamen „die Kulturstadt“ zu verhelfen – nicht die schlechteste Prägung. Warwas, Möller und Petermann mehrmals im Jahr in die Region zu holen, ihnen Kost und Logis zu stellen, eine Lagerstätte für ihre Bilder, dazu die Ausstellungskosten samt eines hochwertigen Katalogs – dafür war insgesamt eine fünfstellige Summe nötig. Getragen hat sie zum einen die Kulturstiftung, zum anderen Profundus. Und Dr. Christina Kohla, ebenfalls Vereinsmitglied und als Kunsthistorikerin verantwortlich für die Ausstellungen im Kunsthaus Hänisch, freut sich vor allem auf den 100 Seiten starken Katalog, denn in der Regel muss das Kunsthaus ohne auskommen. „Normalerweise können wir uns das gar nicht leisten“, sagt Kohla. Die Stiftung macht’s nun möglich und liefert den Ausstellungsbesuchern gleich noch ein Stück Kappeln fürs Zuhause.

Überhaupt schwärmt Kohla von den drei renommierten Künstlern und der Chance, sie im vergangenen Jahr ganz zwanglos bei ihrem Tun beobachten zu können. „Die Leute haben sich gefreut, sie dabei gesehen zu haben“, sagt die Kunstexpertin. Zudem habe das Maler-Trio einfach den Nerv der Zeit getroffen und in einer Welt, in der vieles in Eile sei, die Rückbesinnung auf die Landschaft hoch gehalten. Und auch Christina Kohla betont den künstlerischen Anspruch der Stiftung, den Wunsch, „etwas wirklich Bedeutendes“ für Kappeln zu schaffen. Das große Ziel, das die Stiftung vor sich her trägt, definiert sie so: „Kappeln soll Lust auf Kunst machen.“ Dass genau das auch noch andere Einrichtungen in der Stadt versuchen, wissen die Kunstvereinsmitglieder, und sie schätzen es. Heiko Traulsen sagt: „Kunstverein und Stiftung sind keine Konkurrenz zu den etablierten Vereinen. Wir haben nur eine andere Perspektive, aber alle wollen das Gleiche.“

„Von Kappeln bis Flensburg“ heißt der jüngste Streich der Kulturstiftung. Vom 13. Juli bis zum 28. September zeigen Till Warwas, Lars Möller und Ulf Petermann ihre Kappeln-Bilder im Kunsthaus Hänisch und vom 23. August bis zum 24. September ihre Flensburg-Bilder in der Kunsthandlung Messerschmidt, die ebenfalls aktiv am Projekt beteiligt ist, in der Fördestadt. Die Schau wird der Stiftung dabei helfen, nach drei Jahren zügig laufen zu lernen.


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