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Ausstellungseröffnung : Kappeln wehrt sich gegen Faschismus

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Auf Initiative des „Runden Tisches gegen Nazis in Kappeln“ wurde gestern Abend im Kappelner Rathaus die Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ eröffnet.

shz.de von
erstellt am 18.Nov.2014 | 07:30 Uhr

Die 19 Tafeln erzählen eine Geschichte, die nicht oft und laut genug erzählt werden kann. Die Gefahr, die vom „Neofaschismus in Deutschland“ ausgeht, die Tarnkappen, die die Gesinnung trägt, die Folgen, die sie für eine eigentlich funktionierende Gesellschaft haben kann, bilden den Kern der Ausstellung, die gestern Abend im ersten Stock des Kappelner Rathauses eröffnet wurde. Auf Initiative des „Runden Tisches gegen Nazis in Kappeln“ ist die Schau, die von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) mit Unterstützung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi – Landesbezirk Nord, der IG-Metall, der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft Hamburg und der Stiftung Auschwitz-Komitee getragen wird, bis Freitag zu sehen.

Daran, dass Ausstellungen wie diese notwendig sind, ließ Hartmut Büchsel, Landesvorsitzender der VVN-BdA, keinen Zweifel aufkommen. „Der Neofaschismus hat sich modernisiert“, sagte Büchsel. „Er ist aktionsfähiger und klüger geworden.“ Die Zeiten, in denen Nazis anhand von Glatze, Springerstiefeln und Bomberjacke leicht zu erkennen waren, seien lange vorbei. Längst hätten es die Träger rechter Gesinnung verstanden, sich durch Äußerlichkeiten nicht mehr so einfach zu verraten. „Es kann der nette Nachbarn sein, der immer so freundlich im Treppenhaus grüßt“, sagte Büchsel.

Ähnliches formulierte Rainer Moll als Sprecher des „Runden Tisches gegen Nazis in Kappeln“. Er sprach davon, dass sich Neofaschisten „wie der Wolf im Schafspelz mit Lackschuhen und Nadelstreifen tarnen“. Und mit Blick auf die aktuelle Entwicklung, in der sich Nazis und Hooligans zusammentun, um vermeintlich gegen den Salafismus aufzustehen, betonte Moll: „Darin liegt der größte Zynismus. Der angebliche Kampf gegen Salafisten ist nur eine Tarnung für den zwanghaften Hass gegen alle Ausländer und Glaubensrichtungen.“

Als Schirmherr der Ausstellung machte Bürgermeister Heiko Traulsen deutlich, dass die neofaschistische Gesinnung keineswegs eine harmlose sein. „Solange sich solche Gesinnungen äußern, müssen wir auf der Hut sein und uns rechtzeitig vor unsere Mitmenschen, gleich welcher Religion, Hautfarbe oder Geschlecht, stellen“, sagte Traulsen.

Die 19 Schautafeln setzen sich mit der Ideologie des Neofaschismus sowie den gesellschaftlichen Zusammenhängen und Hintergründen auseinander. Sie gehen auf die Suche nach möglichen Ursachen für die Ausbreitung von Rassimus, stellen die Frage nach der Finanzierung der rechtsgerichteten Gruppierungen, entlarven Nazis in der Popkultur, legen inhaltliche Überschneidungen – etwa mit studentischen Verbindungen – offen und hinterfragen die Entwicklung des Faschismus in Ost- und Westdeutschland. Erst im Mai vollständig überarbeitet, sind die Schautafeln nicht nur mit Bild und Schrift, sondern erstmals auch mit Hörstationen ausgestattet. Mittels eines Smartphones lassen historische und politische Analysen abrufen. Das übergeordnete Ziel der Ausstellung formulierte Hartmut Büchsel so: „Die Ausstellung will dazu beitragen, dass Neofaschismus nicht auf Dauer zum Alltag gehört.“ Wenn dazu stattdessen die ständige Auseinandersetzung mit der wachsenden Gefahr des Rassismus gehört, ist dies auch Initiativen wie dieser zu verdanken.

> Öffnungszeiten: heute bis Freitag von 8 bis 12.30 Uhr, zusätzlich Donnerstag von 14 bis 17 Uhr. Anmeldung für Führungen: Tel. 0 46 42 / 8 29 44.

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