zur Navigation springen

Figurentheater-Tage : Kappeln lässt wieder die Puppen tanzen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Vom 4. bis 11. März sind 13 verschiedene Stücke und 14 Aufführungen zu sehen. Den Anfang macht „Notre Dame“.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2016 | 09:45 Uhr

Was kleine Puppen an Fäden bewirken können, lässt sich in Kappeln Anfang März am besten erleben: Vom 4. bis 11. März stehen die 29. Figurentheater-Tage an Schlei und Ostsee an. Sieben Bühnen präsentieren in 14 Aufführungen 13 verschiedene Stücke. Und auch wenn sich die meisten davon an das junge Publikum richten, hat Christopher Dank, in der Stadtverwaltung verantwortlich für die Organisation des Spektakels, in diesem Frühjahr erneut ein zweites Stück für Erwachsene ins Programm aufgenommen. Der Erfolg des vergangenen Jahres, als die Figurentheater-Tage erstmals mit einem zweiten Stück für Erwachsene endeten („Räuber Hotzenplotz“), war für ihn Bestätigung genug.

Traditionell startet das Puppen-Spektakel auch mit einer Aufführung, die sich an das erwachsene Publikum richtet – in diesem Jahr zeigt das „Theater con Cuore“ aus dem hessischen Schlitz das Stück „Notre Dame“, das sich lose an Victor Hugos Roman „Der Glöckner von Notre Dame“ orientiert. Die Vorlage liefert gleich mehrere Handlungsstränge, der bekannteste – die Geschichte des missgestalteten Glöckners Quasimodo, der sich in die Zigeunerin Esmeralda verliebt – ist nur einer davon. Allerdings sagt Stefan Maatz vom „Theater rcon Cuore“ schon jetzt: „Wir halten uns nicht sehr streng an die Romanvorlage.“ Vor zwei Jahren, als Maatz gemeinsam mit seiner Frau Virgina zur Eröffnung der Figurentheatertage das Stück „Die Vampirkiller“ zeigte, war das noch anders. Damals hielten sich die beiden eng an den Film „Tanz der Vampire“ von Roman Polanski – „das wollten wir nicht wiederholen“, formuliert Maatz den eigenen Anspruch. Denn selbst wenn Hugo in seinem Roman eine „sehr schöne Wortwahl“ benutzt, habe man gemeinsam mit Regisseur Karl Huck eigene Texte konzipiert. Herausgekommen ist, und das versteht Maatz durchaus als Herausforderung an sein Publikum, „ein mit spärlichen Texten unterlegter Stummfilm“. Und wie es sich für einen Stummfilm gehört, kommt der Musik eine tragende Rolle zu. „Jeder unserer Charaktere hat eine eigene Auftrittsmusik“, sagt Stefan Maatz. Auf diese Weise, so verspricht es der Puppenspieler, entstehe eine „unendlich schöne Bildsprache“. Gleichzeitig ist ihm bewusst, was er von seinen Zuschauern verlangt. „Das Stück erfordert viel Ruhe vom Publikum“, sagt Maatz. Aufgrund der starken Verknappung des Romans, „muss man bei den Texten schon genau hinhören“.

Und wer sich an die „Vampirkiller“ erinnert, wird in diesem Jahr eine weitere Veränderung erleben: Während Virginia und Stefan Maatz vor zwei Jahren als Schauspieler mit ihren Puppen interagierten, steht bei „Notre Dame“ eine striktere Trennung an. Die beiden spielen mit Tischfiguren mit einer, wie es Maatz nennt, „feinnervigen Handhabung“. Die Führungstechnik erlaubt leichtere Bewegungen und eine ausdrucksstärkere Körpersprache – ein Umstand, der umso erforderlicher erscheint, da mit weniger Text gearbeitet wird.

Das „Theater con Cuore“ hat aber auch für das junge Publikum etwas in petto. „Vincelot und der Feuerdrache“ steht am Sonnabendvormittag an, und Stefan Maatz kündigt bereits Überraschungen an. „Das wird einfach ein richtiger Puppenspaß“, sagt er. Darauf bauen auch Heike Klockmeier und Jürgen Maaßen vom Hamburger „Ambrella Figurentheater“. Auch die beiden greifen auf eine schriftliche Vorlage zurück und zwar auf eine Fabel des antiken griechischen Dichters Aesop: „Die Stadtmaus und die Landmaus“ spielt mit großen Tugenden wie Genügsamkeit und Zurückhaltung. Und auch mit der Herausforderung, von der man steht, wenn zwei Lebenswelten aufeinander prallen. Maaßen, der für die Ausstattung zuständig ist, spricht von einer „sehr freien Bearbeitung“: Die beiden Mäuse erhalten Namen, es gesellt sich ein Kater hinzu, außerdem gehört Livemusik dazu sowie eine Bühne, die während des Spiels um mehrere Schauplätze immer weiter wächst. „Es gibt viel zu sehen“, sagt Maaßen. Auch deshalb ist er überzeugt, dass Kinder ab vier Jahren das 55-minütige Stück gut durchhalten können. „Es ist einfach sehr abwechslungsreich“, sagt er. „Musik folgt auf Bild, Spannung auf Ruhe, Komik auf Anrührendes.“

Für das „Ambrella Figurentheater“ ist es der erste Auftritt bei den Kappelner Puppenspieltagen. „Wir kannten das Festival, man hat uns gesagt, dass es sich lohne, dort zu spielen“, sagt Jürgen Maaßen und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Und wir haben uns schon gewundert, weshalb Kappeln uns noch nicht entdeckt hat.“ Immerhin war die Hamburger Bühne schon häufiger bei den Husumer „Pole-Poppenspäler-Tagen“ dabei. Jetzt also feiert das „Ambrella Figurentheater“ seine ganze persönliche Premiere an der Schlei, und Maaßen sagt: „Wir freuen uns sehr und hoffen auf ein fröhliches Publikum.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert