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Aus für den Neubau : Kappeln bald ohne Schwimmbad

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Neun Millionen Euro sind zu viel: Die Stadtvertretung will einen Schwimmbad-Neubau „vorläufig“ nicht weiter verfolgen.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2014 | 07:30 Uhr

Es war kurz vor halbacht, als Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker im großen Sitzungssaal des Rathauses einen für Kappeln folgenreichen Beschlussvorschlag zur Abstimmung freigab. Es ging um den Neubau des Schwimmbades. „Das ist kein schöner Beschluss, wir haben uns damit sehr schwer getan, aber in jetziger Zeit ist ein Neubau nicht zu verantworten“, sagte sie. Nahezu einstimmig sprachen sich die Stadtvertreter dafür aus, die Pläne für einen Neubau „vorläufig“ nicht weiter zu verfolgen. Damit ist auch die Idee eines interkommunalen Schwimmbades vorerst vom Tisch, und Kappeln wird ab 2015 ohne Schwimmbad dastehen.

Ausschlaggebend für das Votum gegen den Neubau waren demnach finanzielle Gründe. „Wir bekommen weder vom Land noch von der Aktiv-Region Fördermittel. Zudem haben wir zwar viel Zustimmung von den Umlandgemeinden erhalten, denen wir dafür ausdrücklich danken, doch große Umlandgemeinde haben bei der Frage nach Unterstützung abgesagt“, sagte Dagmar Ungethüm-Ancker bei der Vorstellung der Beschlussvorlage.

Für Kappeln bedeutet diese Ausgangslage, dass die Stadt laut Ungethüm-Ancker die Baukosten von rund neun Millionen Euro „komplett“ hätte finanzieren müssen. Hinzu kämen noch Zins und Tilgung. „Ein Schwimmbad können wir uns in unserer finanziellen Lage einfach nicht leisten“, so die Bürgervorsteherin, die dazu aufrief, sich nach Alternativen für den Schwimmunterricht von Schulklassen und DLRG umzusehen. Die jährliche finanzielle Belastung der Stadt durch einen Schwimhallenneubau wäre laut der Verwaltungsvorlage auf rund 300.000 Euro (Werteverzehr und Unterschussdeckung) gestiegen.

SPD-Fraktionsvorsitzender Rainer Moll meinte dazu nur: „Vor diesen Zahlen muss man kapitulieren.“ Schon der jetzige Haushalt sei kreditfinanziert. Moll, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Fördervereins Schwimmhalle ist, sagte: „Wenn ich diese Zahlen lese, dann setze ich den Hut des Stadtvertreters auf.“ Allein Molls Fraktionskollegin und DLRG-Vorstandsmitglied Ilona Mende stimmte gegen den Ausstieg aus den Neubauplänen.

Auf die Frage nach der Zukunft des Fördervereins Schwimmhalle antwortete Moll gestern – nun mit dem Hut des Vereinsvorsitzenden auf: „Ich persönlich bin nicht für ein abruptes Sterben. Das Schwimmbad läuft bis zum Jahresende und so lange es läuft, kann man es doch unterstützen.“ Über eine Auflösung des Vereins müssten letztlich die Mitglieder auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung entscheiden.

Daniel Schlenzka, erster Vorsitzender der DLRG Kappeln, sagte gestern zu der Entscheidung: „Wir haben in Kappeln künftig keine Trainings- und Ausbildungsgrundlage.“ Er empfinde es in diesem Zusammenhang als besorgniserregend, dass die Zahl der Nichtschwimmer zunehmen werde. „Das sehen wir sehr kritisch.“ Für Kappelns Strände gebe es keine unmittelbaren Folgen, da diese durch den zentralen Wasserrettungsdienst des Landesverbandes überwacht würden. Doch werde das Schwimmbad-Aus sich auch auf den Ortsverein auswirken. Schlenzka: „Wir werden auf jeden Fall schrumpfen, da nicht alle Mitglieder die sehr viel längeren Anfahrten nach Schleswig oder Eckernförde auf sich nehmen werden.“

Badbetreiber Torben Kablau, der sich zurzeit auf einer Fortbildung in Bielefeld befindet, überraschte das Votum der Stadtvertreter nicht. Dies habe sich zuletzt so angedeutet. Für Kablau macht Kappeln als Standort für ein Schwimmbad Sinn. „Kappeln ist mit der Klaus-Harms-Schule, der Gemeinschaftsschule und den umliegenden Schulen großer Schulstandort, und auch der Tourismus spielt hier eine große Rolle“, sagte er. Dazu habe das gute Kursangebot jährlich mehr Akzeptanz gefunden. Allein 319 Schwimmkurskinder unterrichte man Woche für Woche. „Wenn ich meinen Kollegen von unserem Schwimmkurskonzept erzähle, bekommen die ganz große Ohren“, so Kablau. Diese Kinder sowie die Schulen und Vereine würden nun in ein großes Loch fallen.

Nicht anders wird es den elf Angestellten gehen, die ab nächstem Jahr nicht mehr beschäftigt sind. Manche von ihnen hatten schon in den letzten Monaten gekündigt. „Die Stimmung ist natürlich nicht gut“, sagte Kablau. Doch habe er die Mitarbeiter immer auf dem Laufenden gehalten. Wie es für ihn selbst weitergeht, weiß er noch nicht. „Ich bleibe bis zum Ende. Das habe ich meinen Badegästen versprochen. Ich verlasse als Letzter das sinkende Schiff.“

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