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Kampf gegen die illegalen Schatzsucher

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Schleswiger Ärchäologen entdecken verdächtige Grabungslöcher bei Husby / Wichtiges Kulturgut in Gefahr

Die Räuber kommen am helllichten Tag und suchen nach Schätzen aus vergangenen Tagen – am liebsten ist ihnen Gold und Silber. Der Schleswiger Archäologe Dr. Thorsten Lemm ist besorgt, dass wichtiges Kulturgut gestohlen oder zerstört und seine wissenschaftliche Arbeit zumindest erschwert werden könnte. Schuld daran sind illegale Sondengänger, die zurzeit in Husby ihr Unwesen treiben – genau dort, wo die Wissenschaftler eine königlich-dänische Anlage aus der Wikingerzeit und dem frühen Mittelalter vermuten. „Wir haben Ende Juli frische Grabungslöcher entdeckt, wie sie nur ausgehoben werden, um mit dem Metalldetektor geortete Funde zu bergen“, erklärt Lemm. „Und weil definitiv kein ehrenamtlicher Sondengänger des Archäologischen Landesamtes dort gegraben hat, waren wahrscheinlich Raubgräber am Werk.“

Die Felder bei Husby stehen seit 2011 im Fokus des Archäologischen Landesamtes. Damals wurden die Experten bei ersten Detektor-Suchen fündig: Es fanden sich Gewandnadeln, Broschen, Hacksilber, Schmelzreste. Höhepunkt der Suche war eine quadratische Fibel (Brosche). Die Fundstücke ermöglichten es den Wissenschaftlern, die Zeit der Besiedlung (erste Hälfte des siebten bis ins 13. Jahrhundert) einzugrenzen. Ob dort allerdings wirklich ein königlicher Hof gestanden und wie er ausgesehen hat – das lässt sich nur durch gezielte Grabungen herausfinden. Thorsten Lemm arbeitet daran, das Geld für solchen Unternehmungen zu beschaffen. Weil er aber schon längst überzeugt ist, dass Husby ein wichtiger historischer Ort ist, berichtete er in der Zeitung darüber und hielt Vorträge.

Die Informationen verbreiteten sich – und lockten auch ungebetene Gäste an. „Es gibt eine Szene, die sich gezielt an Fundstellen zu schaffen macht“, sagt Thorsten Lemm. Metalldetektoren sind relativ günstig zu haben, und im Fernsehen gibt es regelmäßig Sendungen über Schatzsucher – aber das ist illegal. Lemm: „Zunächst einmal gehören die Grundstücke meist Landwirten. Die darf man nicht einfach betreten. Und bei Fundstücken handelt es sich um Kulturgut – und für die Suche ist eine Genehmigung erforderlich.“

Abgesehen von Gesetzen und Regelungen hält Lemm die illegale Suche auch für moralisch verwerflich: „Wer archäologische Fundstücke klaut, beklaut uns alle. Denn es handelt sich um Kulturgut.“ Davon aber lassen sich einige hartnäckige Schatzsucher mit Detektoren nicht abhalten. Sie wittern das große Geschäft. Dabei ist die Vermarktung der Fundstücke nicht mehr so einfach wie noch vor wenigen Jahren: Beim Internet-Auktionshaus Ebay ist der Verkauf von Kulturgut inzwischen nicht mehr zugelassen. Die Glücksritter, die sich teilweise in Internetforen austauschen, scheinen aber immer noch ihre Vertriebskanäle zu haben.

Thorsten Lemm befürchtet, dass die Arbeit in Schuby durch solche Aktionen erheblich erschwert wird. „Wir wissen nicht, was diese Menschen mitnehmen. Es mag noch so unscheinbar sein – für uns könnte der Schlüssel zu einer neuen Erkenntnis darunter sein.“ Und: Wer gräbt, kann auch schnell etwas zerstören. Zudem dokumentieren die Wissenschaftler ihre Fundstücke genau und vermessen auch deren Fundorte, um später eine Struktur des Grabungsumfeldes erstellen zu können.

Im Jahr 2005 hat das Archäologische Landesamt mit der Ausbildung und Schulung von Detektorgängern begonnen, um mit den zertifizierten Leuten zusammenzuarbeiten. Da durch diese Maßnahme die illegalen Hardliner nicht zu erreichen sind, wird das ergiebige Feld in Husby jetzt überwacht, bis im September eine weitere offizielle Suche beginnt. „Die ehrenamtlichen Detektorgänger werden dort verstärkt patrouillieren, wir haben die Landwirte und die Anwohner informiert und auch die Polizei um Hilfe gebeten“, sagt Lemm. „Wer in Husby mit einer Sonde auf dem Feld unterwegs ist, wird mit großer Sicherheit angesprochen. Und unsere Mitarbeiter können sich ausweisen.“

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erstellt am 04.Aug.2014 | 15:10 Uhr

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