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Imker aus Rügge : Kampf gegen den Burnout bei Bienen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Eine üppigere Pflanzenvielfalt wirkt dem Nahrungsmangel gestresster Bienen entgegen – das sagt zumindest Imker Wolfgang Fischer aus dem Kreis Schleswig-Flensburg. Er warnt vor Monokulturen und dem Einsatz chemischer Spritzmittel.

„Wir müssen eine größere Blütenvielfalt schaffen, achtsamer mit chemischen Spritzmitteln umgehen, nach Möglichkeit auf sie verzichten.“ Diese Auffassung vertritt der 63-jährige Wolfgang Fischer, seit dreieinhalb Jahrzehnten Imker aus Leidenschaft. Er weiß, wovon er redet, wenn er sagt, dass „wir es in der Hand haben, damit aus dem Burnout bei den Bienen und aller Insekten kein Kollaps wird“. Er, in der fünften Generation Imker, befürchtet, dass das, was die Menschen tun, zu einem Bumerang werden könnte.

Wolfgang Fischer, im Hauptberuf freiberuflicher Pädagoge für Deeskalation und soziales Kompetenztraining, stammt aus dem Münsterland und wurde, wie er sagt, vor 20 Jahren der „Weite wegen“ in Blick in der Gemeinde Rügge sesshaft. Er ist Herr von 30 Bienenvölkern und beobachtet mit Sorge, dass die Erschöpfung der Tiere zunimmt. Der Mangel an Pollenvielfalt als Existenzgrundlage für eine gesunde Nachzucht zeigt steigende Tendenz. Der vermehrte Mais-Anbau, das Silieren von Gras fordern ihren Tribut. Es mangelt an Löwenzahn am Wegesrand und auf den Wiesen, desgleichen an Beiblüten wie Mohn und Kornblumen in den Getreidefeldern. „Das“, so Fischer, „führt dazu, dass Ende Juni für die Bienen eine Futter- und Pollenarmut herrscht“. Denn zu diesem Zeitpunkt seien Weide und Hasel abgeblüht, desgleichen Obstbäume, Weißdorn, Kastanien, Ahorn und Schlehe. Was den Raps betrifft, so belasten die eingesetzten unterschiedlichen Insektizide – Fischer spricht von Gemenge-Spritzmittel – die Bienen. Um diese Futter- und Pollenarmut zu überbrücken, muss der Imker zufüttern, er muss eine Grundversorgung sicherstellen. Dafür setzt er Honig aus seiner Frühjahrsernte ein, denn: „Die Tiere müssen bei Kräften bleiben.“

Das geringere Nahrungsangebot während dieser Zeit führt dazu, dass sich die Brutversorgung der von der Königin gelegten Eier, der Larven und Puppen durch die Arbeitsbienen reduziert. „Der Nachwuchs geht schwach in den Winter“, sagt Fischer. Hinzu komme, dass sich die Varroa-Milbe (ein Parasit und Bienenschädling) überproportional in den Bienenvölkern eingenistet habe. Durch die Futter-bedingte Schwächung sei das Immunsystem nicht stark genug, um dieser zusätzlichen Belastung standzuhalten. Das könne dazu führen, dass Völker zusammenbrechen. Bei ihm sei das, so Fischer, noch nicht geschehen, aber er wisse von Kollegen, bei denen genau das passiert sei.

Er steuere dem durch kontrolliertes Entfernen der Milben belasteten Waben entgegen. Zudem wandere er mit seinen Völkern nur zu ökologisch bewirtschaftete Flächen zwischen Kius und Langballig, die frei von Pestiziden seien. Auf ihnen gebe es eine größere Blütenvielfalt und damit ein größeres Futterangebot für die Bienen. Auf den Einsatz von Chemie im Bienenvolk verzichtet er, setzt stattdessen in geringem Maße Ameisen- und Oxalsäure ein: Die hinterlassen keine Rückstände in Wachs, Honig und Pollen. Fischer: „Der Mensch mit seinem Streben nach immer Mehr und Mehr in der Produktion muss umdenken.“ Und er kommt noch einmal zurück auf den Raps und sagt, nur den wenigsten Landwirten sei bekannt, dass die Bestäubungsleistung der Bienen dazu beitrage, dass mit ihnen bis zu eine Tonne mehr Raps pro Hektar geerntet werden könne – das entspreche einem Mehrertrag von rund 300 Euro je Hektar. Stattdessen werde mit Chemie gespritzt – die Bienen nehmen Schaden. „Die chemischen Spritzmittel setzen die Bienen unter Stress, sie werden aggressiv, neigen zum Stechen“, ergänzt der Imker. Er plädiert für einen achtsamen und pfleglichen Umgang mit den Tieren. Das, so seine Erfahrung, wirke sich auf deren Stimmung aus. Zudem hält er nichts davon, sich vermummt, mit Handschuhen und Gesichtsschleier den Tieren zu nähern.

Alle, so Fischers Plädoyer, können dazu beitragen, die Schwächung der Bienen abzumildern und sie stattdessen erstarken zu lassen – durch Blütenvielfalt auch im kleinsten Garten, durch reduziertes Rasenmähen, durch blühende Wiesen und Ackerrandstreifen. Wenn man die Pflanzen – auch Klee und Löwenzahn – blühen lasse, diene das dem Erstarken der Bienen als Honiglieferant. Fischer: „Seit Jahrhunderten ist das Zusammenleben von Mensch und Biene von einem Nehmen und Geben geprägt – und so soll es auch bleiben.“

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erstellt am 24.Sep.2013 | 19:40 Uhr

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