zur Navigation springen

Kappeln : Kahlschlag in der Hindenburgstraße

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Stadt lässt drei Linden und eine Kastanie nahe des ehemaligen Förderzentrums fällen. Umweltschützer beklagen einen „wertvollen Verlust“.

Am Mittwochmorgen standen die drei Linden und die Kastanie in der Hindenburgstraße noch. Mittags lagen sie auf dem Rasen der ehemaligen Förderschule, übrig blieb nur ein wenige Zentimeter hoher Rest des Baumstamms. Noch in diesem Frühjahr werden 24 Pappeln entlang der B  199 im Zuge der Errichtung des Kreisverkehrs an der Einmündung B  199  /  Wassermühlenstraße ebenfalls gefällt. Für die Interessengemeinschaft Umwelt (IGU) sind diese Fällungen beziehungsweise geplanten Fällungen ausreichend Anlass, das Vorgehen der Stadt zu hinterfragen. Eva Heimsoth, zweite Vorsitzende der IGU, sagt: „Diese Linden waren unendlich wertvoll und kerngesund. Dass sie gefällt wurden, ist fatal.“

Darüber, dass die Linden gefällt würden, hatte Bürgermeister Heiko Traulsen bereits im Januar den Haupt- und in der vergangenen Woche den Umwelt- und Verkehrsausschuss informiert. Als Grund nannte er den Umstand, dass die Wurzeln der Bäume den Asphalt der Gehwege hochdrücken und derart zerstören, dass daraus Stolperfallen werden können. Der Gehweg, der auch als Schulweg dient, soll in den Osterferien saniert werden.

Grundsätzlich gelten Bäume ab einem Stammumfang von zwei Metern in einem Meter Höhe als ortsbildprägend und dürfen daher nur in begründeten Ausnahmen gefällt werden. Das geht aus dem Bundes- beziehungsweise Landesnaturschutzgesetz hervor. Auf die Bäume in der Hindenburgstraße traf diese Voraussetzung laut Bauamt nicht zu, das habe auch eine Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises ergeben. Eine Genehmigung sei daher nicht erforderlich gewesen. Der IGU reicht diese Erklärung nicht aus. Eva Heimsoth hält gerade die Linden, deren Alter die IGU auf mindestens 40 Jahre schätzt, mit Blick auf deren Kopfschnitt für besonders kostbar. „Bäume mit Kopfschnitt bieten ein ideales Zuhause für Eulen, Spechte und Kleiber“, sagt sie. Auch Insekten hätten davon profitiert. Als Ersatz plant die Stadt, dichter an die frühere Förderschule heran vier Traubeneichen zu pflanzen, jeweils mit einem Stammumfang von 14 bis 16 Zentimetern. Für den IGU-Vorsitzenden Dieter Rackow ist das allerdings kein adäquater Ausgleich. „Eichen blühen nicht in einer Weise, dass Insekten etwas davon haben“, sagt Rackow. Und er prognostiziert: „In zehn Jahren muss die Eiche da sowieso wieder weg, weil sie das Gebäude beschattet.“ Der Naturschützer ist sich der Problematik, vor der die Stadt steht, durchaus bewusst. „Bäume machen Arbeiten, weil sie Pflege brauchen“, sagt Rackow. „Aber bei uns entsteht langsam der Eindruck, als ob die Stadt dem Arbeitsaufwand angepasst wird. Die Natur wird ausgeräumt.“ Eva Heimsoth bestätigt die Wahrnehmung. „Älter als 30 Jahre werden Bäume in Kappeln häufig nicht mehr“, sagt sie.

Auch über die geplante Fällung der 24 Pappeln, die derzeit noch entlang der B  199  /  B-Platz stehen, sind Umwelt- sowie Hauptausschuss informiert. Für die Fällung dieser Pappelreihe ist – im Gegensatz zu den Linden – eine Ausnahmegenehmigung der UNB erforderlich. Laut Verwaltung sei diese bereits Anfang 2014 in Aussicht gestellt worden. Vor dem Umweltausschuss hatte Heiko Traulsen erläutert, dass die Pappeln „sehr viel Totholz“ verlieren würden, was wiederum die Sicherheit von Verkehrsteilnehmern gefährde. „Und eine Pflege ist nur noch mit Baumkletterern möglich“, sagte der Bürgermeister und sprach von einem fünfstelligen Betrag, der dafür jährlich eingesetzt werden müsse. Die Ersatzpflanzungen für die Pappeln sollen aus 20 heimischen Laubbäumen an gleicher Stelle bestehen sowie 16 weiteren Bäumen, die an anderen Stellen im Stadtgebiet gepflanzt werden.

Auch diese Fällung will die IGU nicht einfach hinnehmen. Eva Heimsoth: „Die Pappeln sind ein enormer Lärm-, Emissions- und Windschutz. Es kann gut sein, dass sich da etwas ändert, sobald sie weg sind.“ Dass die Stadt dabei mehr Bäume pflanzt als sie fällt, geht für die IGU noch nicht weit genug. „Die Rechnung müsste eigentlich sein: für einen alten gefällten Baum zehn neue“, sagt Heimsoth. „Alles andere ist nicht klimaneutral.“ Als positives Gegenbeispiel nennt Dieter Rackow schließlich Eckernförde. „Anhand des Stadtbildes merkt man sofort, dass dort ein Umwelt-Fachmann in der Verwaltung sitzt“, sagt Rackow. „In Kappeln fehlt so jemand.“

zur Startseite

von
erstellt am 12.Feb.2016 | 07:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen