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Schlei-Bote

13. Dezember 2017 | 01:00 Uhr

Kappeln : Kahlschlag an der Nordstraße

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Mehr als 150 Bäume werden in diesen Tagen im Bereich Wassermühlenholz gefällt. Umweltverband kritisiert die Verwaltung.

shz.de von
erstellt am 26.Feb.2016 | 10:31 Uhr

Es war ein Anblick, der sprachlos machte. Zuerst hörte man ein Knarzen. Dann neigte sich die große Pappel langsam zur Seite, glitt fast lautlos durch die Luft – und krachte schließlich mit laut zerberstendem Geäst auf den Asphalt.

Seit vier Tagen gehen schwere Geräte wie Motorsägen, Bagger und Schredder in Kappeln ans Werk. Nicht nur 130 Bäume im Wassermühlenholz, sondern auch 24 Pappeln entlang der B199/Nordstraße werden den Rodungsarbeiten bis Ende der Woche zum Opfer fallen. Andreas Pfander ist an diesem Morgen Zeuge der Fällarbeiten. Für den Naturschützer ein unbegreifliches Bild: „Es ist ein martialischer Anblick“, sagt Pfander kopfschüttelnd, „wie ein Baum nach dem anderen gefällt, zersägt und zerschreddert wird“.

Volker Behler vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein, Niederlassung Flensburg, erklärt: „Die Fällarbeiten am Wald sind vorbereitende Maßnahmen für den Bau eines Kreisverkehres auf der B  199.“ Zwar sei der Baubeginn des Kreisels im Ortsausgang erst für den Herbst vorgesehen, so der Sachgebietsleiter Straßenneubau weiter, gemäß Bundesnaturschutzgesetz dürften Bäume jedoch nur bis Ende Februar gefällt werden. Behler: „Erst ab 1. Oktober dürfen sie wieder weggenommen werden. Wir möchten die Bauarbeiten aber unter Umständen schon etwas früher beginnen.“ Entscheidend sei, den Sommerreiseverkehr auf der B  199 nicht unnötig blockieren zu müssen, erklärte Behler den späten Baubeginn.

Für die Fällarbeiten der Pappeln längsseits der Bundesstraße ist dagegen die Stadt Kappeln verantwortlich. Der Grund für die Abholzung, erklärt Bürgermeister Heiko Traulsen, sei die Verkehrssicherungspflicht der Stadt gewesen: „Die Untere Naturschutzbehörde hat die Bäume begutachtet und angeraten, sie zu fällen, weil sie zu viel Laub, Äste und Totholz abwerfen.“ Bereits im August 2014 hatte der Umwelt- und Verkehrsausschuss die Fällung der Pappeln beschlossen. Dass die Rodungsmaßnahmen erst jetzt erfolgen, hat praktische Gründe, erklärt Elke von Hoff, Mitarbeiterin der Bauverwaltung: „Die Bäume sollten eigentlich noch im Winter 2014 gefällt werden, aber dann hieß es, es sei ein Kreisverkehr geplant“, sagt von Hoff. „Es machte mehr Sinn, das Abholzen der Pappeln gemeinsam mit den Fällmaßnahmen im Zuge des Verkehrskreisels zu erledigen.“ So habe die Stadt Kappeln im Januar dieses Jahres den Antrag an die Untere Naturschutzbehörde gestellt, die Genehmigung zum Fällen der Bäume erreichte Elke von Hoff am 2. Februar.

Auf Anfrage des Schlei Boten erläuterte Martina Stekkelies, Pressesprecherin der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis, die Entscheidung: „Die Bäume haben mit über 40 Jahren ein Alter erreicht, in dem sie stark bruchgefährdet sind.“ Mit Radweg und Fußballplatz in unmittelbarer Nähe sei die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet, so Stekkelies. In der schriftlichen Fällgehmigung an die Bauverwaltung Kappeln führt die UNB einen weiteren Grund für die Beseitigung der Bäume an: „Um die Verkehrssicherheit herzustellen, ist mehrmals im Jahr fachgerechte Pflege notwendig, die in keinem Verhältnis zu den Kosten steht.“

Der Verlust der Pappeln sei bedauerlich, sagt Elke von Hoff: „Ohne Zweifel sind die Pappeln orts- und landschaftsprägend für Kappeln. Aber es wird Ersatzpflanzungen geben.“ Für die 24 abgeholzten Bäume, erklärt sie, würden 36 Ersatzpflanzungen – heimische Laubgehölze wie Bergahorn, Stieleiche und Linde – im Stadtgebiet vorgenommen werden. „Das sind eineinhalb Bäume pro gefällter Pappel“, erklärt von Hoff.

Doch nicht überall überzeugt diese Rechnung: Gegenwind kam etwa am 9. September 2014 von Dieter Rackow, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Umweltschutz Kappeln und Umgebung (IGU). Einer Pressemitteilung des Vereins zufolge, habe ein Baumfachmann vor Ort weder Krankheit der Pappeln noch eine Gefährdung der Verkehrssicherheit feststellen können. Rackow weist schriftlich darauf hin, dass die Bäume zudem nach Bundesnaturschutzgesetz geschützt seien und nur in Ausnahmefällen abgeholzt werden dürften. Heiko Traulsen winkt ab: „Die Auffassung von Herrn Rackow ist nicht korrekt. Wir haben alle notwendigen Genehmigungen für diese Maßnahme eingeholt. “

Aber auch Andreas Pfander hat wenig Verständnis für die Rodungsmaßnahmen seitens der Stadt: „Dass es billiger ist, die Bäume zu fällen, als sie zu pflegen, ist kein Argument. In einer naturschutzrechtlichen Würdigung hat ein ökonomisches Argument einfach nichts zu suchen.“

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