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Konzept zum Badbetrieb : Kablau vermisst Bekenntnis zum Bad

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Torben Kablau arbeitet Konzepte aus, wie Sportbäder wirtschaftlich betrieben werden können. Für die Schwimmhalle kommt das wohl zu spät.

Torben Kablau hat viel vor. Der 30-jährige Meister für Bäderbetriebe und Saunameister hat sich ein schwieriges Feld vorgenommen. Unter der Firmenbezeichnung Nord-Bäder GmbH hat sich Kablau ein kleines Imperium von Sport-Bädern aufgebaut, die er im Auftrag der Gemeinden in Satrup und Tarp bewirtschaftet. Die Bundeswehrschwimmhalle der ehemaligen Marinewaffenschule in Ellenberg wird von ihm komplett betrieben. Dieses Bad ist allerdings auch sein besonderes Sorgenkind. Nachdem zum 31. Dezember dieses Jahres der Betreibervertrag mit dem neuen Grundbesitzer endet, kann nun auch die Stadt Kappeln keine Zuschüsse mehr zahlen. Die Folge: Kappeln und die Region verlieren ihr Schwimmhalle samt Sauna.

Torben Kablau hat die Achillesferse der kommunal betriebenen Bäder ausgemacht. Eine Verwaltung habe andere Aufgaben, als ein Bad zu betreiben, glaubt er. „Programme zu entwickeln, das Bad zu vermarkten und vieles mehr, ist nicht Verwaltungshandeln“, sagt Kablau. In Süddeutschland, so seine Nachforschungen, seien inzwischen viele kommunale Bäder privatisiert worden und schrieben positive Zahlen. Der Badbetreiber sieht sein Privatisierungsmodell nicht unter der Prämisse Personal abzubauen. Vielmehr schwebt ihm vor, durch das Angebot zusätzlicher Leistungen das Bad attraktiver zu gestalten und somit die Zahl der Besucher zu erhöhen.

Dass eine Schwimmhalle auch eine wirtschaftliche Komponente hat, zeigt Torben Kablau am Kappelner System auf. Dort lernen in einem Jahr bis zu 800 Kinder schwimmen. Der Umsatz aus diesen Aktionen beläuft sich auf 80.000 Euro und hat drei zusätzliche Arbeitsplätze zur Folge.

Kablau macht aber auch deutlich, was geschieht, wenn die Kommunen weitere Bäder sterben lassen. Er sagt: „Das Bad stirbt als erstes, als nächstes sterben Menschen.“ Menschen, die nicht schwimmen können, Menschen, die nicht gerettet werden, weil Rettungsschwimmer fehlen und nicht mehr aus- und fortgebildet werden können. Als weiteren Aspekt nennt er den Gesundheitsbereich. Bewusst bietet die Nord Bäder GmbH in ihren Einrichtungen Gesundheitskurse wie Aqua Jogging an. Unstrittig ist dazu, dass Schwimmen positive Auswirkungen auf den Körper hat. Dies zu fördern, sei auch Sache der Krankenkassen, argumentiert Kablau. „Bäder sind Gesundheitsprävention und sollten von den Kassen auch finanziell gefördert werden“, fordert er.

Für das Satruper Aktivbad sieht Kablau erhebliche Entwicklungsmöglichkeiten. Die Beheizung durch die Bio-Gasanlage spart nicht nur Kosten, sondern bietet auch eine einmalige Wassertemperatur von durchgängig 30 Grad. Eine Verlängerung der Saison sei dort kein Problem, und zusätzliche Aktivitäten seien bereits in der Planung. „In Mittelangeln stehen Gemeinde und Bevölkerung zu ihrem Bad“, lobt Torben Kablau und vermisst in einem Nebensatz das Bekenntnis der Kappelner Bürger zu ihrer Schwimmhalle.

Ein weiteres Bädersterben sei für die Tourismusregion ein schlechtes Omen, meint Kablau und fordert politische Aktivität. „Wieso werden Spaßbäder in Damp und Glücksburg mit Millionen gefördert, und Sportbäder erhalten keinen Cent?“, fragt er. Im Schulgesetz fordere der Gesetzgeber Schwimmunterricht und lasse gleichzeitig in der Realität Bäder sterben. Für Torben Kablau ein Widerspruch, der politische Antworten erfordert.

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