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Kappeln : Junger Verein lässt alte Oase aufblühen

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Zwölf Mitglieder der „Pastor-Schröder-Gärten“ bringen die älteste deutsche Kleingartenanlage auf Vordermann. Der Name soll an den einstigen Initiator erinnern.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2014 | 07:45 Uhr

Es gibt ihn schon seit vergangenem August, aber zu diesem Zeitpunkt stand erstmal die Arbeit im Vordergrund. Mittlerweile ist mehr als nur das Gröbste erledigt, sodass er jetzt mitten im erwachenden Frühling den Weg in die Öffentlichkeit sucht. Der Verein „Pastor-Schröder-Gärten“ ist neuer Träger der ehemaligen Kleingarten-Anlage Reeperbahn. Und die Menschen dahinter stecken, das ist schnell klar, voller Tatendrang für ihr gemeinsames Ziel: eine frisch aufgeblühte grüne Oase mitten in der Stadt.

Vorstandsbeisitzer Andreas Steffensen fasst die Situation lächelnd zusammen: „Wir sind der jüngste Verein mit den ältesten Gärten.“ Tatsächlich ist die Anlage Reeperbahn die Urzelle des 1814 gegründeten Kleingartenvereins Kappeln gewesen – jetzt steht sie erstmals auf eigenen Füßen. Malte Dallmeyer ist zweiter Vorsitzender des Vereins Pastor-Schröder-Gärten. Er hat lange um seinen Kleingarten gekämpft. Zur Erinnerung: Im Dezember 2012 hatte eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Kleingärtnervereins entschieden, den Pachtvertrag mit der Kirche als Eigentümerin der Anlage Reeperbahn zu kündigen, nachdem es zuvor zwischen den Pächtern der dortigen Anlage und dem Vereinsvorstand zu Unstimmigkeiten gekommen war (wir berichteten). Danach gründeten zwölf frühere Kleingärtnervereinsmitglieder ihren eigenen Verein, der nun das Areal von der Kirchengemeinde gepachtet hat.

Für die Kirchengemeinde spricht der stellvertretende Kirchengemeinderatsvorsitzende Walter Gaul von einer „Selbstverständlichkeit“, als es darum ging, das Gelände an den neuen Verein zu verpachten. „Es ist im Sinne der Kirchengemeinde, dass die Anlage als Grünfläche für Kappeln erhalten bleibt.“ Sicherlich hätte man das Grundstück auch verkaufen und anschließend bebauen können – „aber das wollte keiner von uns“, betont Gaul. Also haben Juristen für die Grundstücks-Verpachtung einen Mustervertrag für die Nordkirche ausgearbeitet.

Für Gaul handelt es sich bei der Anlage in der Reeperbahn um historische Gärten. „1814 gehörten das Rathausgrundstück, die Gartenstraße und das Scheunenfeld allesamt zum Kleingartengelände.“ Auch daher habe sich der Kirchenvorstand einstimmig für den Erhalt der Anlage ausgesprochen.

Vereinsmitglied Erika Steffensen betont: „Unsere Gärten sind nämlich auch 200 Jahre alt.“ Doch wolle man deswegen nicht zum Kleingärtnerverein in Konkurrenz treten. Dort sei nämlich der Verein 200 Jahre alt, das sei ein stolzes Jubiläum. „Wir wünschen ihnen alles Gute fürs Jubiläum“, sagt Erika Steffensen. Die kleine Gemeinschaft will vielleicht im Sommer ein Fest geben.

Unterstützt durch Spenden hat der Verein mit seinen zwölf Mitgliedern zunächst Geld in die Hand genommen, um 350 Buchenpflanzen als Heckengewächse zu pflanzen und die Gärten auf Vordermann zu bringen. Für die 14 Gärten wurden durchschnittlich 1000 Euro pro Grundstück aufgewendet. Doch alle Mitglieder trügen die Sache mit, und bei der Gemeinschaftsarbeit seien die meisten anwesend und würden den ganzen Tag arbeiten.

Wie Malte Dallmeyer sagt, sei der Gemüseanbau mittlerweile nur noch Hobby. Viele nutzten die Kleingärten, um sich beim Buddeln vom Alltagsstress zu erholen. „Die Anlage hier ist ein Erholungsort mitten in der Stadt.“ Das sehen offensichtlich auch viele Nichtmitglieder so. Erika Steffensen sagt, dass in der Reeperbahn viele Bürger gerne spazieren gingen und man daher überlege, Bänke aufzustellen. Einen Nachteil bringe das Passanten-Aufkommen aber mit sich. Dazu Erika Steffensen: „Wenn man vorne arbeiten will, kommt man vor lauter Gesprächen kaum dazu.“

Insgesamt sieht sich der Verein auf einem guten Weg. Jeder fühle sich verantwortlich in der Anlage. Das Bundeskleingartengesetz inklusive der Heckenhöhe werde beachtet, nur Mitglied im Dachverband der Kleingärtner will der Verein nicht werden. „Da haben wir nicht so gute Erfahrungen gemacht“, sagt Erika Steffensen. Dallmeyer findet die Anlage jetzt vorzeigbar und meint dann: „Es wäre schön, wenn sie noch mal 200 Jahre hält.“

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