Informationen für regionale Betriebe : "Junge Menschen in der Region halten"

Olaf Petersen und Nasir Mohammadi  von der Riesebyer Tischlerei Toppform waren ebenso zu Gast bei Bernt Wellhausen, Leiter der BBZ Außenstelle Kappeln , wie die Referenten Heino Ewald, Thomas Laubach und Alexander März (v.li.).
Olaf Petersen und Nasir Mohammadi von der Riesebyer Tischlerei Toppform waren ebenso zu Gast bei Bernt Wellhausen, Leiter der BBZ Außenstelle Kappeln , wie die Referenten Heino Ewald, Thomas Laubach und Alexander März (v.li.).

Wie Betriebe den geeigneten Auszubildenden finden - BBZ Kappeln hat Experten der IHK und Handwerkskammer zu Gast.

shz.de von
08. Februar 2018, 06:55 Uhr

Kappeln | Nasir Mohammadi (30) ist Geselle in der Tischlerei Toppform in Rieseby. 2011 ist er aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Nach einem Praktikum hat er 2013 seine Ausbildung zum Tischler angefangen. „Er ist ein hochqualifizierter Mitarbeiter in der Arbeitsvorbereitung CNC Technik“, sagt Toppform-Geschäftsführer Olaf Petersen. „Für uns ist das ganz normal, und so sollte es überall sein.“ Petersen möchte Betrieben und Geflüchteten gleichermaßen die Angst vor der Zusammenarbeit nehmen und sagt: „Aufklärung ist wichtig“. Die beiden Männer waren am Dienstag zu Gast bei dem Informationsabend für Betriebe in der Außenstelle des Berufsbildungszentrums (BBZ) Schleswig in Kappeln zu dem Thema „Global denken – lokal handeln: Wie finde ich meinen Auszubildenden?“ Bernt Wellhausen, Leiter des BBZ in Kappeln, konnte neben Petersen und Mohammadi auch Heino Ewald und Thomas Laubach von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Flensburg sowie Alexander März vom der Handwerkskammer (HWK) Flensburg als Referenten begrüßen. Von den über 100 angeschriebenen Betrieben allerdings waren nicht allzu viele gekommen. Dabei betrifft das Thema und der Fachkräftemangel doch viele. Denn: „Die Ausbildungsquote geht stetig und deutlich zurück“, berichtete Wellhausen. Das sei nicht nur demografisch bedingt, sondern auch der steigenden Abiturientenquote geschuldet, die inzwischen bei über 50 Prozent liege. „Was passiert mit der Region, wenn Menschen gebraucht werden, die keine akademische Ausbildung haben? Uns fehlen Menschen, die zum Beispiel in der Technik arbeiten“, sagte er. Auch für die dualen Ausbildungszweige, die in der BBZ-Außenstelle angeboten werden – KFZ-Mechatroniker und Kaufmann im Einzelhandel – seien die Zahlen rückläufig. „Es wird nicht ewig dauern, bis die Ausbildung nach Schleswig verlagert wird, aber wir möchten das Angebot hier so lange wie möglich aufrecht erhalten.“

Wie weit der Fachkräftemangel fortgeschritten ist und wo der Weg voraussichtlich hinführt, zeigte Thomas Laubach, Fachkräfteberater der IHK, auf. Die jungen Menschen heute seien wählerisch – und könnten es auch sein. „Sie müssen als Arbeitgeber sexy sein“, sagte Laubach. Geld sei dabei gar nicht der entscheidende Faktor. „Der Spaß an der Tätigkeit steht heute ganz weit oben.“ Die Arbeitsbedingungen müssten stimmen, die Hierarchien flach, aber die Perspektiven gut sein. Laubach bietet an, Betriebe zu besuchen, eine Ist-Analyse zu machen und aufzuzeigen, wie sie als Arbeitgeber an Attraktivität gewinnen können. Laubachs Kollege, Ausbildungsberater Heino Ewald, beschrieb die Vorteile eines Betriebs, der selbst ausbildet. Solche Firmen formen sich nicht nur passgenaue Arbeitskräfte, sondern steigern auch Image und Wettbewerbsfähigkeit. Ewald erklärte die Voraussetzungen, um ausbilden zu dürfen: Die Arbeitsstätte muss entsprechend ausgestattet, der Ausbilder geeignet sein – persönlich, fachlich, pädagogisch. „Wir wollen Wege aufzeigen und Betrieben helfen, Ausbilder zu werden, um junge Menschen in der Region zu halten“, so Ewald.

Wer sich überlegt, auszubilden oder einen Geflüchteten einzustellen, kann die Einstiegsqualifizierung (EQ) in Erwägung ziehen, beschrieb Alexander März, Willkommenslotse für die HWK. Die EQ dauert mindestens sechs Monate und höchstens ein Jahr, sie ist eine gute Vorbereitung auf die Ausbildung, wird gefördert und kann eventuell sogar angerechnet werden. Wellhausen stimmte zu: „Mit der EQ können die Menschen schon vorab prüfen, ob sie zueinander passen. Damit können die Betriebe unsere Zahlen nach oben drücken, sich selbst und den jungen Menschen bei der Entscheidung helfen. Das ist quasi eine Win-Win-Win-Situation.“


> bbzsl.de; ihk-flensburg.de; hwk-flensburg.de; willkommen-in-schleswig-flensburg.de

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