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Folk Baltica : Jugend rettet Festivalauftakt

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Begeisterung über das junge deutsch-dänische Folk-Baltica-Ensemble ist groß – die Resonanz auf Palle Mikkelborg und Band eher gemischt.

Mit einem wahren Wechselbad an Kontrasten ist Folk-Baltica am Mittwochabend in sein zehntes Festival gestartet. Während das Folk-Baltica-Ensemble im ersten Teil wahre Jubelstürme hervorrief, hinterließ der Auftritt der dänischen Jazzlegende Palle Mikkelborg zumindest bei einem Teil des Publikums große Fragezeichen im Gesicht – und wann gab es schon mal ein Konzert ohne Zugabe ?

Immerhin war es eine Uraufführung, die das Publikum im bei Weitem nicht ausverkauften Konzertsaal des Alsion zu hören bekam. Harald Haugaard, künstlerischer Leiter des Festivals und vor der Pause als geigender Dirigent gefeiert, hatte den Grandseigneur des Jazz in Dänemark gebeten, ein Stück über die Bernsteinstraße zu schreiben, bei dem die menschliche Stimme eine Rolle spielen sollte. Von dieser Handelsroute hatte er noch nie gehört, wie er freimütig einräumte. Und das merkte man dann auch. Die Musik hätte genauso gut auch als Vertonung eines Abenteuerromans oder der wilden Küstenlandschaft Bornholms dienen können. Mikkelborg hatte ein elektronisches Klanggerüst aus sphärischen, schwebenden, an- und abschwellenden Soundteppichen komponiert und eingespielt. Der Meister selbst streute sparsam und gezielt knapp gehaltene Läufe auf der Trompete oder dem Flügelhorn ein, meist mit viel Hall verfremdet. In den Solo- oder Ensemblepassagen blitzte und leuchtete das große Können von Helen Davies (Harfe, Monochord), Ayi Solomon (Percussion), Helene Blum (Gesang) und des Gitarristen Hub Hildenbrandt vom „Trio Rosenrot“ auf, dessen spannungsgeladener Dialog mit Mikkelborg zumindest Kenner an dessen frühe Kooperation mit Terje Rypdal erinnerte. Und kurze Passagen klangen tatsächlich ein wenig nach „Bitches Brew“ von Miles Davies.

Gegen Ende verließen einzelne Zuschauer den Saal, bei den verbleibenden meinte man Spuren der Erleichterung zu sehen, als es vorbei war. Zu fragen ist, ob es sinnvoll ist, einen großen dänischen Namen nur für das Eröffnungskonzert in Sonderburg zu buchen, selbst wenn das Ziel eines vollen Hauses nachvollziehbar ist. Und dieses Ziel ist in diesem Jahr auch klar verfehlt worden.

Im ersten Teil hatten Harald Haugaard und das Festivalensemble ihr aktuelles Düppel-Programm gespielt. Es erzählt die Liebesgeschichte eines jungen Paares zur Zeit des deutsch-dänischen Krieges vor 150 Jahren. Historische und aktuelle Musik aus der Grenzregion erklang im fetten Soundgewand des 40-köpfigen Ensembles, das Haugaard aus Musikschülern von beiden Seiten der Grenzen geformt hat. Und es ist schier unglaublich, zu welchen Leistungen er das Folkorchester bringt. Fast mühelos bewältigen die jungen Frauen und Männer schwierige Passagen, komplexe Rhythmen und große dynamische Sprünge. Eine Textpassage wurde simultan Deutsch und Dänisch gelesen – gelungen und sinnfällig, ebenso wie das gesamte Projekt.

Als Appetizer für weitere Festivalkonzerte gesellte sich Jennifer Kothe vom Trio Rosenrot aus Berlin hinzu. Begleitet vom Orchester sang sie das Volkslied „Es geht ein dunkle Wolk’ herein“ aus dem 17. Jahrhundert, das in ihrer Version ebenso emotional wie zeitgemäß klang.

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erstellt am 08.Mai.2014 | 16:13 Uhr

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