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Kappelner Werkstätten : Jubiläumsfest mit bayrischer Note

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Kappelner Werkstätten feiern ihr 25-jähriges Bestehen mit einem Oktoberfest. Eindrucksvolle Stimmung bei 120 Gästen und 380 Beschäftigten.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2014 | 08:45 Uhr

Zünftig feiern die Kappelner Werkstätten ihr 25-jähriges Bestehen. Zwei riesige Zelte stehen auf dem Gelände, innen drin Biergartenmöbel, blauweiß-karierte Tischdecken, blauweiße Rautenflaggen und bayrische Blasmusik. Und die Möhnsener Musikanten aus Lauenburg machen Stimmung. Bei Liedern wie „Zicke, zacke, hoi, hoi“ oder „Die Hände zum Himmel“ schunkeln die Gäste noch vor Beginn der Feier. Sie klatschen, singen mit und werfen die Hände nach oben.

„Die Mitarbeiter haben sich für das Jubiläum ein Oktoberfest gewünscht“, sagt Werkstattleiter Bernd Sandfort, der selbst in beiger krachlederner Hose, mit blauweiß-kariertem Hemd und dunkler Strickjacke, die Gäste am Zelteingang empfängt. „Oktoberfest, wie geht das? Da mussten wir uns erst einmal informieren. Jetzt haben wir ein richtiges Oktoberfestzelt, die Gestecke haben wir selbst fertig gestellt, und normale Biergläser konnten wir natürlich auch nicht nehmen“, so der Werkstattleiter.

Laut Sandfort hat das bayrische Motto bei den 380 Beschäftigten geradezu einen Trachten-Boom ausgelöst. Und tatsächlich, auf der Feier sind viele Frauen im Dirndl, und zahlreiche Männer mit Lederhose und kariertem Hemd zu sehen. Nur der Geschäftsführer der Werkstätten, Stefan Lenz, begrüßt am Zelteingang in dunklem Anzug und weißem Hemd einzeln die rund 120 Gäste. Dabei hat auch so mancher Gast seine Garderobe dem Oktoberfestmotto angepasst. Der erste Kreisrat Timo Kux etwa zeigt sich voll oktoberfest-tauglich in bayrischer Montur von Kopf bis Fuß. „Ich hab mir mit meiner Bekleidung heute Mühe gegeben“, verrät Kux.

Bei der Begrüßungsrede auf dem Podium stellt Stefan Lenz dann seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis. Einem „Moin Moin“ lässt er schnell ein „Grüß Gott“ folgen. „Wir wollen ja hier Oktoberfest feiern, sie sehen mich hier im Anzug, aber ich kann mich ja verkleiden“, spricht’s und zieht sich unter dem Gejohle der Anwesenden einen Trachtenhut auf. Es folgt eine Wolljacke. „Deswegen hatte ich vorher keine Lederhose, dann wäre ja der Gag weg gewesen.“

Der nun volkstümliche Lenz erzählt von den Anfängen der Werkstätten vor 25 Jahren, als sie sich in einer Sackgasse ganz am Ende der Straße befanden und die Stadt auch nicht recht etwas mit der Einrichtung anfangen konnte. Doch dann habe man immer mehr Kunden bekommen und sei größer geworden. „Jetzt sind wir da und ihr werdet uns auch nicht mehr los“, sagt der Geschäftsführer unter dem Beifall des Publikums.

Kritik übt Lenz an den Behörden wegen ihrer nicht barrierefreien Sprache, aber auch, weil es eben bei der Barrierefreiheit an manchen baulichen Voraussetzungen in Schulen wie auch an der Lehrerausbildung mangelt. „Da gibt es noch viel zu tun.“ Und auch, dass Eingliederungshilfen in Zeiten höchster Steueraufkommen nicht finanzierbar seien, kann Lenz nicht verstehen. Doch der gelernte Schiffsbauingenieur ist sich sicher: „Die Werkstätten haben einfach Zukunft.“

Kappelns Bürgermeister Heiko Traulsen erinnert daran, dass vor 25 Jahren an dieser Stelle noch eine Weide stand. „Heute steht hier Kappelns größtes Unternehmen mit annähernd 400 Beschäftigten.“ Zudem würden im Förderzentrum Sundsacker die Teilnehmer lernen, an ihre Stärken zu glauben und zu ihren Schwächen zu stehen. „Der Grundsatz der Menschenwürde ist hier verwirklicht und in eindrucksvoller Weise erlebbar.“

Auch in Süderbrarup sind die Kappelner Werkstätten seit einigen Jahren tätig. Dessen Bürgermeister Friedrich Bennetreu nennt die Werkstätten ein Bindeglied zu Gesellschaft, Kommunalpolitik und Wirtschaft. Deren Arbeit sei herausragend. „Wir werden sie intensiv unterstützen, denn wir brauchen starke Kappelner Werkstätten für eine starke Region.“

Im hinteren Teil des Festzeltes sitzt auch Sabine Strzeletzki aus der Elektroabteilung. Ihr gefällt die Feier, doch überschwänglich wird sie deswegen nicht. „Das ist mal was anderes.“ Die 48-Jährige arbeitet seit 19 Jahren in den Werkstätten. Sie fühlt sich hier wohl, weil sie sich auch mit den Kollegen gut versteht.

Vorne betritt mit Timo Kux der erste stellvertretende Landrat das Podium. Kux betont die Integrationskraft der Kappelner Werkstätten. „Menschen mit Behinderung können etwas und wollen etwas zur Gemeinschaft beitragen.“ Dabei sei Arbeit von zentraler Bedeutung. Kappeln sei dafür bekannt, dass es hier vielfältige Angebote und großes soziales Engagement gebe. „Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Inklusion und damit zur Teilhabe an der Gesellschaft“, sagt Kux.

Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker tritt als Vorsitzende des TSV Kappeln ans Rednerpult und weist auf die Integrationsmöglichkeiten durch den Sport hin, etwa beim Fußball oder Rudern. Ihr Fazit: „Ich bin sehr stolz, dass wir die Kappelner Werkstätten haben und auch froh, dass wir in Kappeln jetzt ein Oktoberfest haben.“ Und zum nächsten Oktoberfest verspricht Dagmar Ungethüm-Ancker, im Dirndl zu kommen.
 

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