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Schleswig : „Jeder Tag ist für mich ein Gewinn“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Fast 2000 Menschen beteiligten sich an der Aktion „Volker will leben“ – inzwischen hat er die Leukämie überwunden.

von
erstellt am 25.Dez.2014 | 16:00 Uhr

Heute vor einem Jahr. Das war, gelinde ausgedrückt, kein schönes Weihnachtsfest im Hause der Familie T. in Moldenit. Im Gegenteil: Statt Gemütlichkeit, Vorfreude und Besinnlichkeit bestimmten Angst, Traurigkeit und eine große Portion Ungewissheit die Wochen rund um den Jahreswechsel. „Umso mehr genieße ich das Leben heute viel intensiver als vorher. Jeder Tag ist für mich ein totaler Gewinn“, sagt Volker T.

Vor einem Jahr war das noch anders. Damals lag der heute 49-jährige Polizeibeamte im städtischen Krankenhaus in Kiel und wusste nicht wie – und vor allem ob – sein Leben weiter gehen würde. Akute Leukämie lautete die schockierende Diagnose, die Volker T. am 20. November 2013 erhielt. „Ein Albtraum. Von einem Moment auf den anderen war nichts mehr so, wie es vorher war.“

Tage zuvor war Volker T. (er möchte seinen vollen Nachnamen nicht nennen, „damit man später, wenn man mich mal googelt, nicht ausschließlich über das Thema Leukämie stolpert“) beim Joggen mit seiner Tochter so sehr aus der Puste gekommen, dass er gleich seinen Hausarzt aufsuchte. Denn seit Jahren leidet er am Myelodysplastisches Syndrom, eine Knochenmarkerkrankung, die Blutkrebs auslösen kann. „Das wurde aber seit Jahren gut überwacht, da war nichts Auffälliges und auch die Ärzte glaubten, dass mein Körper das im Griff hat“, sagt er. Ein Trugschluss.

Drei Tage nach der Aufnahme auf der Leukämiestation des Krankenhauses musste Volker T. die erste Chemotherapie über sich ergehen lassen. Dann hieß es schon bald, dass eine Knochenmarktransplantation bei ihm nicht in Frage komme. „Das hat mich geschockt. Denn ich wusste, dass dieser Weg die besten Chancen auf Heilung bedeutet.“ So kam es später dann auch. Denn die Behandlung mit Chemotherapie und Medikamenten schlug nicht an. Am 28. Februar 2013 („meinem neuen Geburtstag“) hat er die Knochenmarkspende, die ihm im wahrsten Sinne des Wortes neues Leben einhauchte, erhalten.

Knapp drei Wochen vorher, am 8. Februar, stand halb Schleswig noch Kopf, um ihm im Rahmen der Aktion „Volker will leben“ zur Seite zu stehen. 1626 Menschen aus der ganzen Region ließen sich damals für die Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) typisieren. Das Gleiche hatten in derselben Woche mehrere Hundert Schüler gemacht. „Das war der Wahnsinn. Ein unbeschreibliches Gefühl – das mir mir sehr viel Kraft gegeben hat“, sagt Volker T. im Rückblick. Seine Kollegen von der Polizei und die Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr hatten für die Hilfsaktion erfolgreich die Werbetrommel gerührt. „Als ich dann kurz vor der Aktion vom Arzt die Nachricht bekam, dass es einen Spender für mich gibt, hatte ich fast ein schlechtes Gewissen“, erzählt Volker T. Aber sowohl der Mediziner als auch er selbst und die zahlreichen Organisatoren sprachen sich dafür aus, dass die DKMS-Kampagne dennoch über die Bühne geht – und zwar nicht nur, weil man zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wusste, ob sein Körper die fremden Stammzellen auch tatsächlich annehmen würde. „Es ist wichtig, dass man dieses Thema in die Öffentlichkeit trägt. Denn es gibt viele Betroffene, die Hilfe brauchen“, sagt er.

Tatsächlich haben schon vier Menschen, die damals an der Aktion teilgenommen haben, für andere Leukämie-Patienten Stammzellen gespendet. „Und ich hoffe, es werden noch weitere folgen“, sagt Volker T. Denn aus der Erfahrung von vier Monaten Krankenhausaufenthalt weiß er, dass nicht jeder so viel Glück hat wie er selbst. „Man erfährt dort nicht nur sein eigenes, sondern sieht auch viel anderes Leid. Zwei Zimmerkollegen von mir haben es nicht geschafft“, erzählt er. Umso dankbarer sei er, dass es bei ihm seit Monaten bergauf gehe. Nachdem sein Immunsystem vor der Stammzellen spende „auf Null“ runtergefahren wurde, erneuert es sich nun Schritt für Schritt. Volker T. macht eine kurze Pause, dann sagt er: „Mir geht es heute gut – toi, toi, toi.“

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