Kappelner Werkstätten : „Jeder soll Grenzen ausprobieren“

Die Teilnehmer des neuen Ausbildungsjahrgangs: Jonas Wegesack (hinten, v.li.), Henning Parschau (Bildungsleiter), Sebastian  Graetsch (Bildungsleiter), Rosita Hansen (Pädagogische Leiterin bei den Kappelner Werkstätten), Jesper Bielfeldt (vorne, v.li.), Fabio Petersen, Sabrina Dörfler, Julie-Meral Vergin und Linus Petrausch.
Die Teilnehmer des neuen Ausbildungsjahrgangs: Jonas Wegesack (hinten, v.li.), Henning Parschau (Bildungsleiter), Sebastian Graetsch (Bildungsleiter), Rosita Hansen (Pädagogische Leiterin bei den Kappelner Werkstätten), Jesper Bielfeldt (vorne, v.li.), Fabio Petersen, Sabrina Dörfler, Julie-Meral Vergin und Linus Petrausch.

Das Konzept der Beruflichen Bildung der Kappelner Werkstätten erlaubt größere Flexibilität und Durchlässigkeit.

shz.de von
26. August 2018, 16:47 Uhr

Jesper, Jonas, Sabrina, Linus und Fabio finden die Möglichkeit, eine Ausbildung bei den Kappelner Werkstätten machen zu können, richtig gut. Seit zwei Wochen sind sie nun, zusammen mit sechs weiteren Teilnehmern, dabei. Unter der Leitung von Henning Parschau und Sebastian Graetsch durchlaufen die Jugendlichen, die zwischen 16 und 19 Jahren alt sind, zunächst ein dreimonatiges Eingangsverfahren. Rosita Hansen, die Pädagogische Leiterin der Kappelner Werkstätten, erläutert das neue Konzept, das es inzwischen seit zwei Jahren gibt und das in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit durchgeführt wird.

Anders als zuvor ist die Ausbildung jetzt modular aufgebaut. „Die einzelnen Ausbildungsabschnitte greifen wir Zahnräder ineinander“, erläutert Hansen. Das ermöglicht den Teilnehmern größere Flexibilität. Zunächst wird im Eingangsverfahren analysiert, welche Fähigkeiten der Einzelne mitbringt und welcher Bildungsweg der jeweils richtige ist. Erweist sich jemand später als stärker oder schwächer als angenommen, kann auf das jeweilige Potenzial reagiert werden. „Jeder soll mitgenommen werden“, sagt Hansen. „Jeder Mensch hat einen inneren Motor, der angetrieben werden muss, damit er zufrieden ist. Dazu muss er seine Möglichkeiten ausloten können. Jeder soll seine Grenzen ausprobieren können.“ Genau das soll das Ausbildungsmodell bieten.

Insgesamt dauert die Ausbildung zwei Jahre. Die Lerninhalte orientieren sich an denen der allgemeinbildenden beruflichen Schulen. Neben Allgemeinwissen werden Themen wie Arbeitssicherheit, Werkzeugkunde, Ernährung und Kochen, aber auch Bewerbungstraining und die Bedeutung eines Arbeitsvertrages vermittelt. Im ersten Ausbildungsjahr sind außerdem drei dreiwöchige sogenannte Erprobungs-Praktika in den verschiedenen Produktionsbereichen der Kappelner Werkstätten zu absolvieren.

Morgens geht der Unterricht meistens los mit Zeitunglesen oder es werden die Tagesschau oder die Tagesthemen angesehen. So erhalten die Teilnehmer einen Überblick darüber, was in der Welt los ist. Gleichzeitig werden politische Inhalte vermittelt. Aber auch das Geschehen in und um Kappeln wird unter anderem bei der Lektüre des Schlei Boten thematisiert. Ein Ausflug zur Phänomenta in Flensburg soll physikalische Zusammenhänge vermitteln. Beim gemeinsamen Einkaufen und anschließendem Kuchenbacken werden der Umgang mit Geld, rechnen, zählen, wiegen und messen trainiert.

Im zweiten Ausbildungsjahr absolvieren die Jugendlichen ein fachspezifisches Langzeit-Praktikum in einem der Produktionsbereiche der Werkstätten. Die meisten der zehn Teilnehmer haben schon feste Vorstellungen, was sie dann gerne machen möchten. Jonas will auf jeden Fall im Holzbereich arbeiten. Da hat er bereits ein Schulpraktikum gemacht. Linus freut sich auf einen Arbeitsplatz in der Montage. Auch er hat bereits Praktika absolviert. Für Fabio steht fest, dass er im Gartenbau arbeiten möchte. Vielleicht schafft es der eine oder andere durch seine hier erworbene Qualifikation später, im primären Ausbildungs- und Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Das Ausbildungsteam der Kappelner Werkstätten will in den kommenden zwei Jahren dafür sorgen, dass jeder die bestmögliche Förderung erhält, um seinen Platz in der Arbeitswelt zu finden.

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