Jacob Moser: Seit 100 Jahren Kappelns Ehrenbürger

Weltbürger und Wohltäter: Jacob Moser.
Weltbürger und Wohltäter: Jacob Moser.

Vor genau hundert Jahren wurde Jacob Moser zum Ehrenbürger von Kappeln ernannt. Damit bedankte sich das Stadtverordnetenkollegium für großzügige Stiftungen, die Moser - ein gebürtiger Kappelner, der in England zu einem reichen Mann geworden war - der Schleistadt vermacht hatte.

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04. September 2009, 07:08 Uhr

Kappeln | Er war ein Weltbürger aus Überzeugung, ein außerordentlich erfolgreicher Unternehmer mit vielfältigen internationalen Kontakten und ein ungewöhnlich generöser Wohltäter: Der am 28. November 1839 in Kappeln als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geborene Jacob Moser hatte es nach seiner Auswanderung, die ihn über Frankreich nach Nordengland führte, in der Textil-Metropole Bradford zu hohem Ansehen und zu einem beträchtlichem Vermögen gebracht. Er engagierte sich visionär und konkret handelnd zugleich nachhaltig zum Wohle der Allgemeinheit - durch persönlichen Einsatz wie der Übernahme öffentlicher Ehrenämter und durch zahlreiche wohltätige Stiftungen und Schenkungen.

Als enger Freund und Vertrauter von Theodor Herzl, dem Begründer des modernen Zionismus, förderte Moser durch finanzielle Hilfen den Auf- und Ausbau eines Schulwesens und einer Kunstakademie im damaligen Palästina. In Bradford, seiner neuen Heimatstadt, der er als Friedensrichter und erster Bürgermeister diente, unterstützte er neben jüdischen Einrichtungen vor allem soziale Initiativen, die der gesamten Bürgerschaft zu gute kamen.

"Obwohl er ein aufrechter Bradforder ist, hat der Bürgermeister seine tiefe Liebe zur kleinen Stadt Kappeln bewahrt", hob der "Bradford Weekly Telegraph" nach der Wahl Jacob Mosers zum Lord Mayor hervor. Diese Zeit seines Lebens enge Verbundenheit mit seiner alten Heimat, vor allem seiner Vaterstadt Kappeln, dokumentiert sich in einer Vielzahl von Besuchen an der Schlei, einer intensiven Korrespondenz mit Familienmitgliedern und Freunden in Kappeln und - vor allem - großherzigen Geldspenden, an denen sich auch sein ebenfalls in Bradford lebender Bruder Emil beteiligte: Diese projektbezogenen Finanzhilfen - insgesamt rund 90 000 Mark - flossen in den Krankenhausbau, das städtische Altersheim und das Wasserwerk samt Wasserturm und Leitungsnetz.

"In dankbarer Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um die Stadt Kappeln sowie zum Zeichen der besonderen Wertschätzung seiner Person und seiner Familie" verlieh das Stadtverordnetenkollegium in einer Sondersitzung am 4. September 1909, also vor nunmehr hundert Jahren, Jacob Moser das Ehrenbürgerrecht von Kappeln. "Wir gratulieren unserm neuen Ehrenbürger zu der verdienten Auszeichnung herzlichst und wünschen ihm, dass er sich ihrer noch recht viele Jahre erfreuen möge", kommentierte der Schlei-Bote diese Entscheidung. In einem dreiseitigen, handschriftlichen Brief an Kappelns Bürgermeister Wilhelm Schreck bedankte sich Moser für die "mir von meiner Vaterstadt erwiesenen Ehre" und brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, "daß die Wertschätzung meiner Familie im Ehrenbürgerbrief mit meinem Namen vereint wird". "Haben Sie bitte die Güte", bat er Schreck, "dem hochverehrten Stadtverordneten-Kollegium zu übertragen, daß ich diese hohe Auszeichnung mit der von mir zum Ausdruck zu bringenden würdigsten Anerkennung & mit großer Freude annehme im Bewußtsein, daß diese außergewöhnliche Ehrung mir hoffentlich von allen Bewohnern meiner Heimath gezollt wird."

Jacob Moser starb im Alter von 83 Jahren am 18. Juli 1922 in Bradford. Auch die Stadt Kappeln trauerte um ihren Ehrenbürger. Die Inschrift auf seinem Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Bradford lautet, ins Deutsche übersetzt: "Denn Rechtschaffenheit erzeugt Frieden, und die Belohnung für Rechtschaffenheit sind Ruhe und Glück für immer."
Das Buch
Unser Autor Bernd Philipsen hat in der Reihe „Jüdische Miniaturen“ eine Biografie von Jacob Moser veröffentlicht: „Jacob Moser – Unternehmer – Philanthrop – Weggefährte Theodor Herzls“. Die Buchreihe, die mittlerweile 90 Titel zählt, wird betreut vom Berliner Verlag Hentrich & Hentrich. Band 60, der Moser gewidmet ist, umfasst 62 Seiten, ist illustriert und kostet 5,90 Euro.

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